Gleich zwei Gerichtsverhandlungen wegen einer Flasche Mariacron

Amtsgericht

Erst hat er den Diebstahl einer Flasche Weinbrand einem Kumpel in die Schuhe schieben wollen. Doch dann gestand der Mann, dass er es selbst war und verriet noch mehr, als angeklagt war.

Castrop-Rauxel

, 08.12.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gleich zwei Gerichtsverhandlungen wegen einer Flasche Mariacron

Ein Ladendetektiv hatte beobachtet, wie ein Mann aus Castrop-Rauxel eine Flasche Schnaps aus dem Supermarkt mitnahm, ohne zu bezahlen. © picture alliance / dpa

Eine Pulle Mariacron für 6,99 Euro beschäftigte den Strafrichter am Amtsgericht Castrop-Rauxel gleich an zwei Verhandlungstagen. Mit knapp 7 Euro als Diebstahl geringwertiger Sachen eingestuft und eigentlich eine Lappalie, wog das Delikt für den Angeklagten indes schwer.

Das mag den 43-Jährigen auch dazu bewogen haben, in der Hauptverhandlung zunächst ein Märchen aufzutischen. Und dabei „aus Versehen“ einen anderen Diebstahl zuzugeben, der dem Gericht noch gar nicht bekannt war.

Geständnis ohne Anklage

Die Flasche Weinbrand entdeckte der Ladendetektiv des Supermarktes am Rande der Altstadt im Rucksack des Angeklagten. Wie war sie hineingekommen?

Die Antwort des 43-Jährigen war abenteuerlich. Ein Bekannter, mit dem er am 1. Juli gemeinsam zum Einkaufen war, habe ihm die Flasche wohl unbemerkt in den Rucksack gestopft, so die Erklärung.

Er habe den Weinbrand ganz bestimmt nicht gestohlen, hieß es, aber im Aldi eine Woche drauf habe er ein paar Lebensmittel mitgehen lassen. Ein Bekenntnis, das Richter wie Bewährungshelferin aufhorchen ließ.

Unter Bewährung

Und genau hier lag das Problem. Der Mann ist kein unbeschriebenes Blatt, steht unter laufender Bewährung und hat, ehemals abhängig, ein absolutes Drogen- und Alkoholverbot.

Als der Richter darauf hinwies, dass sich eine Falschaussage negativ auf das Urteil auswirken würde, besann sich der Mann, gestand plötzlich den Diebstahl der Flasche Mariacron ein.

Doch das durfte das Gericht nicht einfach hinnehmen, Beweise mussten her. Deshalb war zum Fortsetzungstermin der Detektiv in den Zeugenstand geladen.

Augenzeuge

„Ich habe alles beobachtet“, sagte der 50-Jährige. „Er hat die Flasche aus dem Regal genommen und zunächst in den Einkaufswagen gelegt. Dann ist er weitergegangen, hat ein Etikett abgeknibbelt und in eine Eistruhe gesteckt. Dachte wohl, dass es sonst an der Kasse piepen könnte.“

Danach habe der Angeklagte die Flasche in seinen Rucksack gesteckt und sei so durch den Kassenbereich gegangen. Allein, eine Begleitung habe er nicht gesehen.

„Ich weiß, ich habe Mist gemacht“, sagte der 43-Jährige, der erst Mitte April aus dem Knast entlassen worden ist, zerknirscht. „Das war aus Frust, nicht weil ich den Alkohol selbst trinken wollte.

Empfindliche Geldstrafe

Diesen Frust muss er nun teuer bezahlen. Der Richter verhängte eine Geldstrafe über 50 Tagessätze zu je 5 Euro. Macht 250 Euro, die der 43-Jährige in Raten abstottern muss.

Bleibt für den Mann, der schon 17 Vorstrafen auf der Liste hat, zu hoffen, dass er im Aldi-Fall ebenso glimpflich davonkommt und die Bewährungsstrafen nicht widerrufen werden.

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