Rapider Corona-Anstieg versetzt Stadt im Kreis Recklinghausen in Sorge

dzCoronavirus

Eine Stadt im Kreis Recklinghausen muss sich gerade arge Corona-Sorgen machen. Am Freitag tagte der Krisenstab. Dabei lässt sich das hohe Infektionsgeschehen nicht genau zuordnen.

Kreis Recklinghausen

, 28.09.2020, 13:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Kreis Recklinghausen ist die Zahl der akut Corona-Infizierten so hoch wie seit Mai nicht mehr. Zurzeit gelten 154 Menschen als an Sars-CoV-2 bzw. Covid-19 erkrankt. Die Zahl erfuhr übers Wochenende noch mal einen deutlichen Schub und wuchs um 56 Personen, so viele wie noch nie an einem Tag. Das Infektionsgeschehen ist aber überall auf einem überschaubaren Niveau. Nur in einer Stadt nimmt es gerade erstaunliche Ausmaße an.

In Dorsten sind 15 Menschen infiziert, in Castrop-Rauxel 18. Die beiden 75.000-Einwohner-Städe sind damit auf einem ähnlichen geringen Niveau. Gladbeck am Westrand des Kreises hat ebenso viele Einwohner, aber dort gelten zurzeit 61 Menschen als infiziert, also drei- bis viermal so viele. Schon vergangene Woche stieg die Zahl auf mehr als 40. Am Wochenende zog sie noch einmal deutlich an.

Krisenstab tagte am Freitag

Schon am Freitag tagte laut Radio Emscher-Lippe in Gladbeck der Krisenstab der bereits krisenerprobten Stadtverwaltung. Denn in einer Frühphase der Pandemie hatte die Stadt große Probleme in Altenpflege-Einrichtungen. Darum starben dort mit Abstand die meisten Menschen an Corona-Infektionen: bis heute 23.

Der bisherige Tag mit den meisten akut Infizierten war der 28. April, als die Corona-Pandemie in der ganzen Region ihren bisherigen Inzidenz-Höhepunkt erlebte. Damals lag die Zahl bei 68 Personen. In dieser Phase gab es auch die meisten Corona-Todesfälle. Neue Todesfälle drohen derzeit eher nicht, aber die Zahl 68 ist nicht mehr fern.

Anders als damals gibt es aber keinen einzelnen Corona-Herd. Das macht die Lage noch schwerer erklärbar. Sie könnte etwas mit dem hohen Infektionsgeschehen in der Nachbarstadt zu tun haben: Gelsenkirchen ist seit der vergangenen Woche eine der Städte mit dem größten Infektionsgeschehen im Ruhrgebiet (nach Hamm). Darum fand dort unter anderem das Schalke-Heimspiel gegen Werder Bremen ohne Zuschauer statt. Zwischen Gladbeck und Gelsenkirchen gibt es enge Pendler-Verbindungen.

Keine Lockdown-Automatik

Die Stadt Gladbeck hat im Vergleich zum großen Nachbarn allerdings noch „Glück“, wenn man das so auslegen mag. Oder aber sie hat größere Schwierigkeiten, eine verbindliche Handhabbarkeit einzelner Lockdown-Maßnahmen zu verhängen, um des Infektionsgeschehens selbst Herr zu werden. Denn hier greift bei steigenden Zahlen nicht automatisch eine Lockdown-Automatik.

Die Stadt hat die kritische Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen fast erreicht und die gelbe 35er-Schwelle seit Tagen übertreten. Doch im Kreis Recklinghausen wird der Grenzwert auf den gesamten Kreis bezogen. Der liegt bei gemäßigten 16,7.

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