Gewaltsamer Streit vor den Augen eines Kindes beendet Beziehung

dzAmtsgericht

Streit hatte es in der Beziehung immer wieder mal gegeben. Doch nach schlimmen Handgreiflichkeiten im Januar war endgültig Schluss. Jetzt stand der Partner in Castrop-Rauxel vor Gericht.

Castrop-Rauxel

, 06.09.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine On-Off-Beziehung. Immer wieder gab es Streit, Handgreiflichkeiten auch. Die 42-jährige Frau hält den Partner und Vater ihres dreijährigen Sohnes für aufbrausend, unterstellt rückblickend eine Persönlichkeitsstörung. Den 41-Jährigen nervte ihre belehrende Art, der „erhobene Zeigefinger“, wie er es nannte. Eine Wesensart, die sie besonders hervorgekehrt habe, wenn sie etwas getrunken hatte.

So soll es auch im Januar 2020 gewesen sein. Nach einem harmonischen Tag im Kleingarten kehrte die Familie zurück nach Hause. Ein bisschen Alkohol habe man getrunken, so der Mann, deshalb wieder eine Dauerdiskussion. „Weil das nervte, habe ich sie weggeschubst, aber nicht geschlagen oder getreten“, beschreibt er vor dem Strafrichter, wie er dem Gespräch ein Ende habe setzen wollen.

Schläge und Tritte

Was der Mann so harmlos abtat, war das endgültige Ende der Beziehung. So schildert die Frau Prellungen an Kopf und Ellenbogen, Schmerzen am Rücken. Zudem habe ihr der Mann ein Büschel Haare ausgerissen und versucht, ihre Finger gewaltsam umzubiegen. Obwohl sie am Boden gelegen habe, soll er zugetreten haben. Mit schweren Arbeitsschuhen.

Derweil war der ältere Sohn ängstlich zu den Nachbarn geflohen, hatte die Familie über das Geschehen informiert. Auch seine Tante, die Schwester seiner Mutter, habe er angerufen.

Die 41-Jährige machte sich offenbar sofort auf den Weg, traf auch ihre Schwester bei den Nachbarn an, wo sie sich zwischenzeitlich in Sicherheit gebracht hatte. „Ich habe mit ihr den dreijährigen Sohn aus ihrer Wohnung geholt, der noch schlief, und dann alle mit zu mir genommen“, schilderte sie.

Mit der Schwester kehrte sie später noch mal zurück, trafen auch die vom Nachbarn herbeigerufene Polizei an. „Die Frau stand unter Schock, hatte Angst“, erinnert sich eine Polizistin. „Ihr Lebensgefährte war weg, meine Schwester hat sich auf ihr Bett gelegt und wollte bleiben“, so die Schwester. Die dann noch das Abendessen samt Braten und Scherben vom Boden aufkehrte.

Richter verhängt höhere Strafe als beantragt

Der Zoff war nicht der erste. Schon einmal war die Polizei ausgerückt, hatte bei der Frau ein blaues Auge notiert. Das anschließende Verfahren wurde eingestellt.

Anders als in diesem Fall. „Die Zeugenaussagen sind glaubwürdig“, so der Staatsanwalt und forderte eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten.

Der Richter packte am Amtsgericht Castrop-Rauxel noch etwas drauf. Sein Urteil: Ein Jahr und sechs Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung. „Ihre Aussagen sind nicht wahr“, sagte er zum Angeklagten. „Eine einfache Körperverletzung haben sie gestanden, aber ich glaube nicht, dass es dabei geblieben ist. Sie hätten besser einfach gehen sollen.“

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