Geprellter Kunde erkennt Stimme eines mutmaßlichen Betrügers

dzBetrug über Ebay

Der betrogene Ebay-Käufer erkannte die Stimme eindeutig. Hatte etliche Male mit dem Verkäufer eines Smartphones, das er nie nicht erhalten hat, telefoniert. Der wurde jetzt dafür verurteilt.

Castrop-Rauxel

, 01.11.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 28-jährige Student war sich sicher: „Das ist er!“ Diese Stimme hatte er vor mehr als zwei Jahren mehrfach am Telefon gehört. Dass sich die Stimme eingebrannt hatte, liegt an den unerfreulichen Umständen, die nicht nur 400 Euro gekostet haben, sondern auch viel Ärger und Zeitaufwand für eigene Nachforschungen.

Im Mai 2018 hatte der junge Mann über die Plattform Ebay-Kleinanzeigen ein hochwertiges Handy erworben. „Ich wollte es ganz schnell haben“, sagte er. Deshalb habe er sich auch auf eine Zahlung über den Geld-Dienst Western Union eingelassen.

Erfuhr so den wahren Namen des Verkäufers, der im Internet nur einen Spitznamen verwendete. Als er von dem Geldinstitut die Nachricht bekam, dass der Empfänger das Geld abgeholt hatte, setzte er sich wieder mit ihm in Verbindung. Drängte auf schnelle Zusendung – das Handy sollte mit in den Urlaub – und bekam die Sendungsnummer des Pakets.

Eigene Recherchen

Die stellte sich später allerdings als nicht vorhanden heraus. „Systemfehler“, erklärte ihm der Verkäufer auf Nachfrage, das Paket sei an ihn zurückgeschickt worden. Er sende es erneut. Wieder wartete der 28-Jährige, doch vergebens. Auch auf die inzwischen geforderte Rückzahlung der 400 Euro. Stattdessen ergaben eigene Recherchen interessante Neuigkeiten. So gehörte die genannte Absender-Adresse zur JVA Meisenhof in Castrop-Rauxel.

Im Gefängnis hatte der Mann schon häufiger gesessen, der nun wieder auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nehmen musste. Das verriet das umfangreiche Vorstrafenregister, das nach der Beweisaufnahme am zweiten Verhandlungstag verlesen wurde. Und Betrug, wie im angeklagten Fall, war mehrfach dabei.

Doch diese Tat bestritt der Angeklagte bis zuletzt. Obwohl er in der ersten Verhandlung zwei Wochen zuvor bereit gewesen war, den Schaden zu begleichen. „Damit Ruhe ist“, wie er sagte. Am zweiten Verhandlungstag schonte er seine Stimme, war wortkarg. Bis der Richter ihn aufforderte, zu sprechen, seine Stimme erkannt wurde. „Ich habe mindestens zehn Mal mit ihm telefoniert“, so der Student, der für seine Zeugenaussage eine weite Anfahrt in Kauf genommen hatte.

Späte Rückzahlung

Das hat sich für ihn hoffentlich gelohnt. Der Richter verurteilte den Überführten zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr, stellte ihn für drei Jahre unter Bewährungsaufsicht. Dazu die Auflage, den Schaden in zehn Raten zu je 40 Euro wiedergutzumachen. Danach sind noch 1000 Euro an ein Kinderhospiz fällig.

Der zweite Anklagepunkt, zu Unrecht kassierte Provisionen, wurde dagegen eingestellt. Was die ehemalige Lebensgefährtin, die für die Geldeingänge ihr Konto zur Verfügung gestellt hatte, beruhigte. Kleine Notiz am Rande: Ihr war der Spitzname, den der Angeklagte angeblich nicht kannte, sehr vertraut.

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