Gegen den Plastikmüll: Im Café Frosch gibt es kostenlos Wasser für alle

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Für die Jugendlichen im Café Frosch steht sowiewo Wasser bereit, aber nun kann jeder, der Durst hat, hier seine Flasche auffüllen. Und das ist nicht die einzige Nachfüllstation in der Stadt.

Schwerin

, 04.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gut für die Umwelt und nett für Passanten: Das Projekt Refill Deutschland (Refill heißt übersetzt Nachfüllen) setzt sich dafür ein, weniger Einweg-Plastikflaschen zu verbrauchen, sondern lieber Trinkgefäße nachzufüllen. Rund 4700 Nachfüllstationen listet Refill Deutschland im ganzen Land auf.

Ein blauer Aufkleber mit Tropfen zeigt an: Hier bekommt jeder, der Durst hat, kostenlos ein Glas Wasser oder kann seine mitgebrachte Trinkflasche nachfüllen lassen. Jeder Laden, Praxis oder Einrichtung mit regelmäßigen Öffnungszeiten kann mitmachen. Einfach einen Aufkleber ausdrucken, online registrieren und bei Bedarf den Wasserhahn für Kunden oder Passanten aufdrehen. Allerdings muss man in Castrop-Rauxel ziemlich suchen, bis man den eine Nachfüllstation findet.

Gegen den Plastikmüll: Im Café Frosch gibt es kostenlos Wasser für alle

Für die Jugendlichen stehen Wasser und Becher im Kinder- und Jugendzentrum Café Frosch bereit. Aber auch jeder, der vorbei kommt, kann sich kostenlos eine Flasche auffüllen lassen. Der blaue Aufkleber zeigt deutschlandweit, wo es kostenlos Wasser gibt. © Jessica Hauck

Café Frosch schon seit einem Jahr dabei

Vorreiter in der Stadt ist Andreas Flechsig, Leiter des Kinder- und Jugendzentrums Café Frosch auf Schwerin. Vor einem Jahr hat er an der Eingangstür einen blauen Aufkleber der Aktion Refill angebracht. Für die Jugendlichen des Cafés gibt es ohnehin kostenlos Wasser, es steht zusammen mit Bechern immer bereit. Passanten haben Flechsig und seine Mitarbeiter allerdings noch nie um ein Glas Wasser gebeten. Zu unbekannt ist die Aktion, vermutet Flechsig.

Kommentar

Wasser für alle sollte Selbstverständlichkeit sein

Die Refill-Aktion ist eine gute Sache. Wer beispielsweise mit dem Rad unterwegs ist, kann schon vorher schauen, wo er auf der Tour seine Flasche auffüllen kann. Nachfüllen ist besser, als neue Plastik-Flaschen im Laden zu kaufen, auszutrinken und in die Tonne zu werfen. Aber: Sollte es nicht eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder in jedem Geschäft und in jeder Einrichtung immer seine Flasche mit Leitungswasser auffüllen darf? Es geht hier schließlich nicht um Mineralwasser, Limo oder Bier. Wir leben doch in einem reichen Land. In Deutschland - und da ist es typisch, eine Aktion, einen Aufkleber, eine Registrierung für alles zu erfinden. Ich hoffe inständig, dass in Zukunft weniger Leute Einweg-Plastikflaschen nutzen und ich hoffe inständig, dass niemand einen Durstigen abweist, Aufkleber hin oder her. Das ist ein Gebot der Nächstenliebe. Iris Müller, Redakteurin

Er selbst nutzt das Angebot häufig in anderen Städten, wenn er mit dem Rennrad unterwegs ist, erzählt Andreas Flechsig. In Bochum beispielsweise gebe es einige Refill-Stationen. Ob es in einer kleineren Stadt wie Castrop-Rauxel funktionieren könnte? Vielleicht eher, wenn Geschäfte in der Altstadt mitmachen würden, vermutet Flechsig.

Für die Jugendlichen im Café Frosch sei Umweltschutz dagegen nicht erst Trend, seit Greta Thunberg und Fridays for Future von sich reden machten. Schon vor vier Jahren hätten die Jugendlichen zum Beispiel dafür gestimmt, dass es im Café Frosch nur regional produzierte Limo zu kaufen gibt. „Der Umweltgedanke ist hier nichts neues“, sagt Andreas Flechsig. Aber vielleicht könne die aktuelle Bewegung dem Refill-Projekt noch weiteren Zulauf bringen, hofft Flechsig.

„Aufwand ist minimal“

Laut der Karte von Refill Deutschland gibt es neben dem Café Frosch nur noch die Kärcher-Niederlassung im Gewerbegebiet an der Engellaustraße, die bei dem Nachfüll-Projekt mitmacht. Und auch hier hat sich noch nie jemand gemeldet, der ein Flasche nachgefüllt haben wollte, sagt Anouk von Hochmeister, Pressereferentin von Kärcher.

„Erschreckend“ findet von Hochmeister die Resonanz auf das Angebot, das es in der Niederlassung seit April gibt. Kärcher habe den Aufkleber an alle Niederlassungen in Deutschland verschickt, um einen Betrag zum Umweltschutz zu leisten. „Das ist doch das mindeste“, sagt die Pressereferentin. Und der Aufwand sei minimal.

Die Refill-Stationen in Castrop-Rauxel

  • Bislang gibt es in Castrop-Rauxel zwei Stationen, an denen man kostenlos seine Wasserflasche auffüllen kann. Laut der Karte von Refill Deutschland machen das Café Frosch, Am Weißdorn 2A, auf Schwerin und die Kärcher-Niederlassung, Engellaustraße 14, in Behringhausen mit.
  • Deutschlandweit gibt es laut Refill Deutschland etwa 4700 Stationen. Auf der Internetseite der Organisation sind sie auf einer Karte verzeichnet. Bei Refill Deutschland kann man seine Einrichtung auch als Nachfüll-Station registrieren.
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