Corona-Krise: Obdachlose können sich Gaben von diesem Baum pflücken

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In Nachbarschaft des Krieger-Denkmals bei Goldschmieding steht jetzt ein Gabenbaum. Daran sind Plastikbeutel mit Hygieneartikeln aufgehängt, gedacht für Obdachlose. Der Spender ist unbekannt.

Castrop

, 27.03.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Vorbeifahren im Auto sah es am Dienstag, 24. März, so aus, als hätte jemand die Vorsprünge in der Mauer unterhalb des Denkmals der Opfer zweier Weltkriege in der Nachbarschaft von Goldschmieding völlig zweckentfremdet.

Mehrere Plastikbeutel hingen an den Vorsprüngen am Denkmal an der Dortmunder Straße. Eine etwas seltsame Art, sich neuerdings seines Abfalls zu entledigen?

Doch der erste Eindruck hat getäuscht. Seit Donnerstag, 26. März, hängen die Plastikbeutelchen auch nicht mehr an der Mauer, gut einsehbar von der Dortmunder Straße, sondern an einem Baum in unmittelbarer Nachbarschaft. Und eine Erklärung der Beutel findet sich jetzt dort auch.

Feuchtpapier, Baby-Hautcreme und eine Mütze

Es handele sich um einen Gabenbaum, ist auf einem handgeschriebenen Schild am Baum zu lesen. Empfänger der kleinen Hygiene-Utensilien wie Feuchtpapier oder Baby-Hautcreme, aber auch einer Mütze oder Einmalhandschuhen, sollen Obdachlose sein, steht dort als weitere Erklärung für die Aktion.

In das rote Buch können Wünsche eingetragen werden. Am 26. März stand noch nichts drin.

In das rote Buch können Wünsche eingetragen werden. Am 26. März stand noch nichts drin. © Abi Schlehenkamp

„Nehmt Euch, was Ihr eventuell benötigt, es kommt von Herzen“: So lautet die Einladung – mit dem Zusatz in Klammern „und es mögen dem die Finger abfallen, der nicht bedürftig ist, und sich bedient“. In einem roten Buch können die angesprochenen Menschen aufschreiben, was sie sonst vielleicht benötigen. Bis Donnerstag noch niemand etwas hineingeschrieben.

Eigentlich keine Obdachlosen-Probleme bekannt

Nun ist Castrop-Rauxel nicht Berlin oder Hamburg, wo es vergleichbare Gabenzäune gibt, an die Spender ebenfalls etwas Nützliches für Obdachlose aufhängen. Weil es eben dort viele Betroffene gibt.

In Castrop-Rauxel ist das eigentlich gar kein Thema, nachdem vor mehr als 25 Jahren die ehemalige Unterkunft am Heisterkamp aufgelöst wurde.

Seitdem ist es Usus, dass Betroffene, die ihre Wohnung verlieren und nicht unterkommen, von der Stadt zur Harkortstraße mit der entsprechenden Unterkunft gelotst werden.

Die Stadt will den Baum dulden und beobachten

Ein Name findet sich an dem Gabenbaum leider nicht. Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann sagt: „Es wäre schön gewesen, wenn sich die Initiatoren vor der Aktion bei der Stadt gemeldet hätten.“ Dennoch werde der Gabenbaum jetzt erst einmal geduldet. Und die Situation rund um den Gabenbaum von der Stadt beobachtet.

Dienstagabend und Mittwoch hingen die Plastikbeutelchen mit Spenden noch direkt unter dem Denkmal an der Dortmunder Straße.

Dienstagabend und Mittwoch hingen die Plastikbeutelchen mit Spenden noch direkt unter dem Denkmal an der Dortmunder Straße. © Abi Schlehenkamp

Falls die Plastiktüten mit den nett gemeinten Spenden eher zu Müll verkommen, der im Baum hängt und darunter liegt, werde die Stadtverwaltung dann doch irgendwann einschreiten, so Hilleringmann.

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