Fußballfieber im "Sonnenschein" © Dieter Düwel
Euro 2020

Fußball-EM: Ein ganzer Castrop-Rauxeler Straßenzug liegt im Fußballfieber

Castrop-Rauxel in Fußballeuphorie? Den Eindruck hat man nicht, es gibt kaum schwarz-rot-goldene Flaggen im Stadtbild. Ganz anders ist das in einer kleinen Straße im Norden unserer Stadt.

Ob es vielleicht an den niedrigen Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft liegt? Flaggen, Wimpel und andere Fußballsymbole haben sich im Gegensatz zu früheren Fußball-Welt- oder Europameisterschaften in Castrop-Rauxels Straßen rar gemacht. Wenig ist davon zu sehen.

Doch es gibt einen kleinen Ort in Ickern, in dem die Fußballbegeisterung auch heute noch demonstriert wird. Die kleine Straße „Sonnenschein“ erstrahlt in schwarz-rot-goldenen Farben.

Die „Macher“ sind Udo Schluck (62) und Hans-Peter Napierski (69). Zu jeder WM und EM spannen die beiden Girlanden von Haus zu Haus und bringen Flaggen und andere Fußballsymbole nach draußen. „Zur letzten Fußball-WM sah es in unserer Straße und in den Vorgärten noch ‚wilder’ aus“, erklärt Udo Schluck. „Wir machen das aus Spaß am Fußball und in diesem Jahr vor allem, weil wir von Corona die Nase voll haben.“

WDR-Reportage zur WM

Die Resonanz ist groß. „Die Nachbarn und besonders die Kinder freuen sich. Es kommen auch viele Besucher aus den Nachbarstädten, um unsere geschmückte Straße zu bewundern. 2018 war sogar der WDR mit zwei Wagen hier, um über den „Sonnenschein“ zu berichten“, erinnert sich Hans-Peter Napierski, der früher aktiver Fußballer war und für den FC Frohlinde und Westfalia Herne spielte.

Hat die Niederlage des DFB-Teams gegen Frankreich die Stimmung in ihrer Straße gedämpft? „Auf keinen Fall. Jetzt geht’s ja erst richtig los! Ein Sieg gegen Portugal ist Pflicht“, sind sich die beiden einig.

Kaum Fähnchen in der Altstadt

Etwas anders als in Ickern sieht es in der Castroper Altstadt aus. Wer dort unterwegs ist, stellt schnell fest: Bis hierhin reicht die EM-Euphorie nur bedingt.

Dass gerade die Fußball-EM stattfindet, lässt sich an den Häusern und Autos in der Altstadt zunächst nur schwer erkennen. Als unsere Reporterin am Mittwochnachmittag auf der Suche nach der Europameisterschaft durch die Castroper Altstadt spaziert, steht auf dem Marktplatz kein einziges Auto mit Fanschmuck.

An den meisten Häusern sieht es ähnlich mau aus. In der Mühlenstraße nahe dem Bahnhof ist die Fußball-Euphorie zwar offenbar angekommen. Dort hängen an einem Haus gleich mehrere Flaggen in den Fenstern – allerdings sind es italienische.

An der Mühlenstraße hängen Fahnen in den Fenstern – italienische.
An der Mühlenstraße hängen Fahnen in den Fenstern – italienische. © Patricia Böcking © Patricia Böcking

Einige Restaurants in Deutschland-Farben

Erst als unsere Reporterin den Spaziergang fortsetzt, wird sie doch fündig: Einige Restaurants haben Fähnchen vor der Tür aufgehängt – in den Farben Deutschlands.

Auch ein paar Wohnhäuser sind geschmückt: Die eine oder andere Fahne hängt von den Balkonen weniger Häuser. Um diese zu finden, muss man allerdings genau schauen.

Fanartikel verkaufen sich „wie Sand am Meer“

Einer der ganz wenigen Orte in der Altstadt, der mit Fanartikeln überhäuft ist, ist der Euroshop. Vor und im Geschäft fallen den Kunden die Fahnen, Hüte und Hawaiiketten nur so entgegen – selbstverständlich alles in Schwarz, Rot, Gold.

Aber werden die Artikel wirklich gekauft? Ja, erzählen uns zwei Mitarbeiterinnen im Geschäft. „Das Fanzeug“ werde vielfach gekauft, erklären sie. Schließlich seien die Artikel im Laden ja nicht zu übersehen. Aber auch vor dem EM-Start hätten Kunden nach Fanartikeln gefragt.

Zu bekommen sind die Fanartikel also. Vielleicht haben viele Fans ihre Flaggen einfach noch nicht aufgehängt, um sie nach drei Spielen nicht direkt wieder abhängen zu müssen. Vielleicht ist die Euphorie in diesem EM-Jahr aber auch einfach nicht dieselbe wie sonst.

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In Castrop-Rauxel geboren und in der Heimatstadt geblieben. Schätzt die ehrliche und direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet. Besonders interessiert am Sport und den tollen Radwegen im Revier.
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