Die Stühle in den Klassen der Erich-Kästner-Grundschule bleiben auch in den kommenden Wochen hochgestellt. © Erich-Kästner-Schule
Coronavirus

Für den Distanzunterricht öffnet eine Grundschule ihren Fensterkiosk

Auch für Grundschüler gilt ab Montag wieder Distanzunterricht. Alle Schulen haben in den vergangenen Monaten dafür Konzepte erarbeitet. An einer Grundschule öffnet jetzt wieder der Schulkiosk.

Noch warten die Leitungen in den Castrop-Rauxeler Schulen auf die genauen Vorgaben des NRW-Schulministeriums. Vorbereitet sind sie bereits alle auf einen erneuten Distanzunterricht, wie er jetzt erst einmal bis zum Ende des Monats gilt. Konzepte wurden in den vergangenen Monaten geschrieben. Distanzunterricht bedeutet an den Grundschulen allerdings in den meisten Fällen nicht zugleich digitalen Unterricht.

Wenn am Montag der Distanzunterricht offiziell beginnt, werden die Schulen ihre Schüler auf unterschiedlichen Wegen unterrichten. Die Erich-Kästner-Grundschule in Habinghorst wird auf die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown zurückgreifen. „Wir werden wieder unseren Fensterkiosk öffnen“, sagt Schulleiterin Heike Wichmann im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eltern können hier die Wochenpläne mit den Aufgaben abholen und später wieder abgeben. Wer nicht vorbeikommt, wird angerufen. Zum Konzept gehört auch, dass jedes Kind mindestens einmal in der Woche telefonisch Kontakt mit seinem Lehrer beziehungsweise seiner Lehrerin hat.

Eltern müssen noch etwas auf genaue Informationen warten

Am Donnerstag hat Heike Wichmann in einer Mail allen Eltern geschrieben, dass nähere Informationen folgen werden. „Ich habe mir abgewöhnt, darauf zu hören, was Frau Gebauer in Pressekonferenzen sagt“, sagt Heike Wichmann zur Informationspolitik der Schulministerin. Am Freitag werde in einer Dienstbesprechung geklärt, wie es ab Montag laufen soll. Dann werden Zeitfenster für die einzelnen Klassen besprochen, wann also welche Eltern zur Schule kommen.

Digitales Lernen wird die Ausnahme bleiben. „Wir haben gar nichts. Keine Endgeräte für die Lehrer, für die Schule oder zum Ausleihen für Kinder“, sagt die Schulleiterin. Es sei nicht so, dass ihre Kollegen nicht wollen, wie es ja generell gerne mal kolportiert würde. Im Gegenteil. „Sie fragen ständig nach, wann denn endlich was kommt.“ Doch eine Antwort muss Heike Wichmann schuldig bleiben, kann nur sagen, dass die Geräte bestellt sind.

So ganz verzichten will die Habinghorster Grundschule allerdings nicht auf digitale Lernformen. Im Gegensatz zum Frühjahr gibt es mehr Lizenzen, neben Antolin für die Deutschkenntnisse zum Beispiel Zahlenzorro. „Wir werden in den Wochenplänen auch digitale Aufgaben haben, aber immer nur in alternativer und ergänzender Form“, erläutert Heike Wichmann.

Digitale Pinnwand wird in einem Jahrgang neu eingesetzt

Mit einem Jahrgang möchte die Kästner-Schule noch weiter gehen. Hier wird jetzt neu Padlet eingesetzt, eine digitale Pinnwand, auf der Texte, Bilder, Videos und ähnliches angelegt werden können. Dazu wurden bereits im Sommer die technischen Möglichkeiten der Eltern abgefragt. Die meisten können ihren Kindern Zugang zu einem Endgerät bieten, so die Schulleiterin. Die wenigsten aber hätten Drucker. Danach müssen die Aufgaben, die über Padlet ins Kinderzimmer kommen, ausgerichtet werden.

Einer oft gehörten These widerspricht Heike Wichmann energisch. Nämlich, dass die Lehrer ja nur einmal in der Woche Pläne für die Schüler ausgäben und damit unmöglich ausgelastet sein könnten. Gerade erst hat sie mit einer Kollegin, die eine erste Klasse unterrichtet, den Distanzunterricht besprochen. „Wir nehmen individuelles Lernen sehr ernst“, sagt sie.

Manch ein Erstklässler könne schon lesen, der zweite erschließe sich vielleicht gerade die Silben, ein drittes Kind mache sich noch mit den ersten Buchstaben vertraut. Für jedes Kind werde individuell entschieden, wie sein Wochenplan aussehen wird. „Wenn man das ernst nimmt, dann ist das ein Fulltimejob“, sagt Heike Wichmann. Und ernst nehmen sie und ihre Kollegen ihren Beruf.

Konzept „Individuelles Lernen mit System“ wird immer mehr umgesetzt

Aber es gibt auch andere Aufgaben für das Kollegium. „Wir haben das Frühjahr gut genutzt und haben an dem Unterrichtskonzept ,Individuelles Lernen mit System‘ gearbeitet“, erläutert Heike Wichmann.

Bei dem Konzept, das vor etwa 15 Jahren in Köln entwickelt wurde, werden Schüler an offenes Arbeiten herangeführt und lernen selbstständig. „Wir sind mit dem ersten Jahrgang gestartet, jetzt bereiten wir den neuen ersten Jahrgang und den dann zweiten Jahrgang vor. Das macht uns viel Freude.“

Und dann ist da noch die Notbetreuung. Wie viele der 160 Schüler sie nutzen werden, weiß sie nicht. Am Donnerstag waren es fünf Kinder. Ab Montag (11.1.) werden es sicher mehr werden. Dass für deren Betreuung keine Lehrkräfte eingesetzt werden sollen, hat Heike Wichmann den Medien entnommen. Dass dies an den Grundschulen auch so kommen wird, „das würde mich sehr wundern“. Erst mal heißt es also noch abwarten, bis genaue Bestimmungen aus Düsseldorf in der Grundschule in Habinghorst angekommen sind.

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Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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