Florist erweckt Frohlinder Wahrzeichen zu Ostern zu neuer Schönheit

dzBokenkreuz

An der Dortmunder Straße in Frohlinde steht seit fast 400 Jahren ein großes Bokenkreuz. Zu Ostern wird es von einer Blumenpracht umgeben - für wenige Tage.

Frohlinde

, 10.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Dortmunder Straße ist eine der meist befahrenen Straßen im Castrop-Rauxeler Süden. Man sollte deshalb meinen, dass das hohe weiße Kreuz, das in Frohlinde an der Kreuzung Dortmunder Straße/Wakefieldstraße steht, ein bekannter Ort ist.

Tatsächlich aber dürften die allermeisten Autofahrer einfach an dem Kreuz vorbeifahren, ohne es zu bemerken. Wohl, weil das Kreuz ein paar Meter entfernt vom Straßenrand steht. Und auch, weil die grüne Wiese um das Kreuz herum nach nichts aussieht.

Prozession startet im August am Bokenkreuz

Nur einmal im Jahr herrscht rund um das auch als „Pest-Kreuz“ bekannte sogenannte Bokenkreuz reger Betrieb, nämlich immer am ersten Sonntag nach dem Rochus-Tag, dem 16. August. An diesen Sonntagen veranstaltet die Schutzengel-Gemeinde eine Boken-Prozession vom Kreuz zu ihrer Kirche oder umgekehrt.

Michael Wefringhaus hat das Bokenkreuz in Frohlinde zu Ostern geschmückt.

Michael Wefringhaus hat das Bokenkreuz in Frohlinde zu Ostern geschmückt. © Matthias Langrock

In diesem Jahr soll es mindestens zwei gute Anlässe geben, das Kreuz zu besuchen. Der Frohlinder Florist Michael Wefringhaus hat am Karfreitag die Umgebung des Kreuzes mit Blumen geschmückt. Dort wo sonst Gras und Unkraut wild wachsen, stehen nun Osterglocken, Ranunkeln, Primeln und Tulpen. Seine Idee beschreibt Wefringhaus so: „In tristen Zeiten den Leuten etwas Schönes schenken“. Das gelte gerade zu Ostern. Denn „Ostern schenkt uns neues Leben!“

Wer zum Kreuz geht, erfährt das Wichtigste über dessen Geschichte direkt über eine Infotafel: „Im Jahre 1636, während des dreißigjährigen Krieges, wütete die Pest im Kirchspiel Castrop. Auch die Bauernschaft Frohlinde wurde in jener Zeit nicht verschont.“ Doch weil Frohlinder überlebten, beschloss man ein Jahr später, aus Dankbarkeit das Kreuz zu errichten.

Schriftstück zur Errichtung des Bokenkreuzes ist noch erhalten

„Das entsprechende Schriftstück ist noch erhalten - mit Gänseblut geschrieben“, berichtet Michael Wefringhaus, der auch stellvertretender Kirchenvorstand der Schutzengel-Gemeinde ist. Bis zum 18. Jahrhundert sei das Bokenkreuz aus Holz gewesen, dann wurde es durch das heutige Steinkreuz ersetzt.

Der Standort ist nicht zufällig gewählt: „Früher befand sich an dieser Stelle die Einfahrt zum Reichshof Frohlinde“, erzählt Michael Wefringhaus. Und viele Jahrhunderte vor der Errichtung des Kreuzes befand sich am heutigen Standort des Bokenkreuzes eine sogenannte Malstätte, der Ort, an dem sich die Bauern des Dorfes versammelten, um Gerichtsurteile zu fällen oder etwa Erbsachen zu beraten.

Lange wird sich die vorübergehende Blumenpracht rund um das Bokenkreuz nicht halten. Denn die Pflanzen stehen in Töpfen. Damit ihre Schönheit nicht allzu schnell vergeht, lädt Michael Wefringhaus die Menschen ein, sich die Pflanzen ab Dienstag (14.4.) mit nach Hause zu nehmen.

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