So läuft ein Corona-Test im neuen Testzentrum in Castrop-Rauxel ab. © Nora Varga
Coronavirus

Freunde treffen, shoppen, ins Museum: Was darf ich in Castrop-Rauxel?

Die Corona-Lage ist verwirrender denn je: Es gibt Landesregeln, es gibt Kreis-Regeln und über allem schwebt schon die bundesweite Notbremse. Was darf man zurzeit in Castrop-Rauxel, was nicht?

Die Klagen nehmen zu: Es wird immer schwieriger, sich zu merken, welche Corona-Regeln aktuell gelten. Aktuell ist es besonders kompliziert, weil wir uns quasi in einer Art Vakuum befinden: Es gilt die Corona-Schutzverordnung des Landes, die in großen Teilen noch auf dem fußt, was Anfang März beim Bund-Länder-Treffen vereinbart worden ist.

Dazu sind bereits die Eckpunkte der bundesweiten Notbremse bekannt. Weil es dauert, diese umzusetzen, greifen aber viele Städte und Kreise zu schärferen Übergangsregelungen – so auch der Kreis Recklinghausen. Es bleibt: Chaos im Kopf. Unsicherheit im Handeln. Immer wieder fragen sich die Menschen: Gilt schon eine Ausgangssperre? Für welche Geschäfte brauche ich einen Test?

Geht es ums große Ganze, ist vieles klar: Volksfeste, Kirmessen, Konzerte und Festivals oder Schützenfeste sind verboten. Aber was ist mit den alltäglichen Dingen? Wir versuchen, die wichtigsten Fragen für Castrop-Rauxeler und Castrop-Rauxelerinnen zu beantworten.

Das Wetter wird ein bisschen wärmer: Darf ich mit Nachbarn, Verwandten oder Freunden spazieren gehen?

Generell darf man mit anderen spazieren gehen. Aber: Es dürfen nicht zu viele Haushalte zusammenkommen. Die neue Corona-Schutzverordnung des Landes, die seit Montag (19.4.) in Kraft ist, erlaubt wie die alte auch ein Zusammentreffen von maximal zwei Haushalten mit maximal fünf Personen. Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Das heißt: Wenn Vater und Mutter gemeinsam mit Oma und Opa und mehreren Enkeln (bis 14 Jahre) ins Grutholz gehen, ist das in Ordnung, weil es sich nur um zwei Haushalte handelt. Drei Freundinnen aus verschiedenen Haushalten dürfen aber nicht gemeinsam spazieren gehen, auch wenn die Zahl der beteiligten Personen geringer ist als im ersten Beispiel.

Wie sieht es mit einem Treffen im eigenen Garten aus?

Vorerst gelten in NRW Beschränkungen nur im öffentlichen Raum. Der Garten ist Privateigentum und daher ausgenommen. Also ist es erlaubt, mit mehreren Haushalten im Garten zu grillen. Nur richtige Partys darf man nicht geben. Die bundesweite Notbremse sieht dagegen auch Beschränkungen für Treffen auf Privatgrundstücken bzw. in Wohnungen und Häusern vor. Sobald sie in Castrop-Rauxel zieht, wäre der private Skatabend mit zwei Freunden auch verboten.Alle Politiker und Experten betonen aber immer wieder, wie wichtig und sinnig es ist, sich im Privaten auch an die Regeln zu halten, die für den öffentlichen Raum gelten, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Klare Antwort: Ja. Im Kreis Recklinghausen und damit in Castrop-Rauxel gilt keine Ausgangssperre – und sie würde auch erst einmal nicht gelten, wenn die Inzidenz über 200 steigt. Der Kreis hat zwar am Donnerstag (15.4.) festgelegt, dass er Maßnahmen verschärfen wird, wenn die Inzidenz im Kreis drei Tage in Folge über 200 liegt. Von einer Ausganssperre ist aber nicht die Rede. Noch kann sich jeder Castrop-Rauxeler in der Stadt rund um die Uhr frei bewegen. Andere Städte und Kreise in NRW haben bereits eine Ausgangssperre erlassen.

Darf ich nach 21 Uhr noch joggen, jemanden besuchen oder mit dem Hund raus?

Anders sieht es aus, wenn die bundesweite Notbremse so kommt, wie angedacht. Dann soll es eine Ausgangsperre geben. Über die genaue Uhrzeit und die Ausnahmeregelungen wird derzeit noch diskutiert. Genaues weiß man erst, wenn das Gesetz tatsächlich vom Bundestag beschlossen ist.

Wo darf ich einfach so einkaufen? Wo muss ich mich anmelden und/oder brauche einen Test?

Generell gilt: In allen Geschäften, die während der Pandemie immer geöffnet waren, kann man weiterhin in Castrop-Rauxel ohne Test und ohne Termin einkaufen. Dazu zählen vor allem die Geschäfte des täglichen oder medizinischen Bedarfs wie Supermärkte oder Drogerien, Apotheken oder Optiker. Auch Handwerker haben normal geöffnet: zum Beispiel Schuster oder Schneider, genauso wie Poststellen, Banken oder Autowerkstätten. Es müssen nur die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Das bedeutet vor allem in kleineren Geschäften wie Bäckereien, dass man mitunter kurz vor der Tür warten muss, weil schon zu viele Kunden im Laden sind.

Für alle anderen Geschäfte ist zur Zeit eine Terminbuchung und ein negativer, aktueller Corona-Test nötig. Das gilt beispielsweise für Buchhandlungen, Bekleidungsgeschäfte, Baumärkte oder Elektronikgeschäfte wie den Media Markt. Streng genommen wäre das auch schon gar nicht mehr erlaubt, da die Inzidenz zu hoch ist, doch hatte der Kreis Recklinghausen sich für die sogenannte „Notbremse light“ entschieden. Daher dürfen Geschäfte auch bei einer Inzidenz über 100 öffnen, wenn die Kunden sich vorher testen lassen.

Wie lange diese Regeln so gelten, lässt sich nicht genau sagen. Klar ist aber: Im Kreis Recklinghausen werden die Geschäfte mindestens bis einschließlich Donnerstag geöffnet bleiben. Denn schärfere Regeln sollen erst einen Tag, nachdem die Inzidenz drei Tage am Stück über 200 gelegen hat, gelten. Und da die Inzidenz bis Montag unter 200 geblieben ist, kann das frühestens am Freitag der Fall sein. Dann wäre nur „Click and collect“ noch möglich: Also, sich etwas zu bestellen und es dann kontaktlos abzuholen oder geliefert zu bekommen. Sobald die Notbremse kommt, dürfte es die Verschärfung aber geben.

Essen, trinken, ausgehen, Spaß haben: Was darf ich noch?

Gerade nicht so viel. Die Gastronomie hat immer noch geschlossen, genauso wie Discotheken, Clubs oder Imbisse. Hier ist allenfalls Essen zum Mitnehmen oder ein Lieferservice möglich. Spielhallen sind geschlossen, Minigolfanlagen, Kletterhallen, Fitnessstudios, Hochseilgärten, Schwimmbäder, Spaßbäder und Bordelle auch.

Darf ich mich noch schön machen lassen beim Frisör oder im Nagelstudio?

Ja, zurzeit schon. Fürs Kosmetik- oder Nagelstudio braucht es einen negativen Test und einen Termin. Ein Frisörbesuch ist ohne Test möglich. Kommen die Verschärfungen, die der Kreis festgelegt hat, müssen aber die meisten Anbieter körpernaher Dienstleistungen wieder schließen. Mit Ausnahme medizinischer und des Frisörs. Die bundesweite Notbremse ginge wohl noch einen Schritt weiter: Sie sieht auch einen negativen Test als Voraussetzung für einen Frisörbesuch vor.

Darf ich noch in ein Museum oder in die Bücherei?

Für diese Einrichtungen gilt durch die Notbremse light ebenfalls, dass sie mit Anmeldung und negativem Test besucht werden dürfen. Auf der Homepage der Stadt heißt es, dass die Bücherei zurzeit nur einen Bestell- und Abholservice anbietet. Das Museum am Schiffshebewerk Henrichenburg dagegen ist laut Homepage seit dem 13. April mit Anmeldung und Test wieder zu besuchen. Das wäre allerdings auch vorbei, wenn die 200er-Inzidenz-Notbremse des Kreises wirksam würde. Bei der bundesweiten Notbremse wäre hier schon ab eine Inzidenz von 100 Schluss.

Solange es auf Sportanlagen draußen ist, ja. Es können zurzeit zehn Kinder bis 14 Jahre ohne Test draußen trainieren oder 20 Kinder mit tagesaktuellem Schnelltest.

Dürfen Kinder noch zum Turn- oder Fußballtraining?

Was ist mit den Schulen?

Im Kreis Recklinghausen sind die meisten Schülerinnen und Schüler weiterhin im Distanzunterricht. Nach einigem Hickhack wurde die entsprechende Allgemeinverfügung am Samstagmorgen genehmigt. Ausnahmen gemacht werden können für Abschlussklassen und die Qualifikationsphasen der gymnasialen Oberstufe, des beruflichen Gymnasiums und der Bildungsgänge der Weiterbildungskollegs.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Ist fürs Journalistik-Studium vor 20 Jahren nach Dortmund gezogen und hat danach jahrelang in der Nachrichtenredaktion gearbeitet. Lebt schon lange im Dortmunder Westen und freut sich, hier und in Castrop-Rauxel auch journalistisch unterwegs zu sein.
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Natascha Jaschinski

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