Freitag war der Horror-Tag für das Gesundheitsamt im Kreis Recklinghausen

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So einen Tag wie Freitag wünscht sich beim Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen so bald niemand mehr: Das inzwischen wieder riesige Kontakt-Nachverfolgungs-Team kam nicht hinterher.

Kreis Recklinghausen

, 12.10.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir sind mit dem Personal derzeit am Limit.“ Das sagt Svenja Küchmeister, Sprecherin des Kreises Recklinghausen. Das Coronavirus ist zurzeit so stark auf dem Vormarsch, dass man im Kreishaus und in den Home Offices der Mitarbeiter am Freitag (9.10.) sogar zu einer ungewöhnlichen Maßnahme greifen musste.

Gerade Tage wie der Freitag seien Sondersituationen, die man vermeiden müsse, sagt Svenja Küchmeister: „Da haben wir im Laufe des Vormittags in Summe 90 bis 95 Fälle auf den Tisch bekommen. Das war eine immense Zahl, darunter auch einige Fälle an Schulen – und das an dem Tag, an dem die Ferien starten“, berichtete die Sprecherin des Kreises Recklinghausen am Montag auf Anfrage unserer Redaktion.

„Das ist eine extreme Herausforderung.“ Vor allem für Annegret Platzmann-Scholten, die im Gesundheitsamt des Kreises als Managerin des Kontakte-Nachverfolgungsteams arbeitet.

Man müsse dann zwangsläufig in der Kontakt-Nachverfolgung Abstriche machen, und diesmal nicht im wahrsten Wortsinne, sondern bildlich gesprochen. Aber was bedeutet das eigentlich?

81 Vollzeitstellen nur in der Nachverfolgung

Mit 81 Vollzeitstellen, darunter auch einige befristete Engagements aufgrund der Corona-Pandemie, informiere man im Gesundheitsamt die Menschen über positive Testergebnisse, spreche Quarantäne-Ordnungsverfügungen mündlich aus und ermittle gemeinsam mit ihnen den Kreis ihrer intensiveren Kontaktpersonen.

Denn diese werden als potenziell Angesteckte ebenfalls informiert und in häusliche Quarantäne versetzt. All das geschieht mittels zum Teil längerer Telefon-Interviews.

Küchmeister erklärt: „Erstmal versuchen wir, alle Kontaktpersonen ersten Grades direkt zu informieren. In diesem Fall haben wir am Freitag aber Schulleitungen um Hilfe gebeten, um uns bei der Erstinformation von Kontakten zu unterstützen. Dadurch haben wir selbst ein wenig Luft gewonnen.“

Stets sei das Ziel ja, alle Betroffenen und möglicherweise auch weitere Infizierte schnellstmöglich zu informieren, damit sie wiederum nicht weitere Menschen anstecken können. Aber das sei an solchen Ausnahmetagen kaum mehr möglich.

Ferien: Keine Schule, aber dafür Reisen

Nun sind Herbstferien. Zwei Wochen Ruhe fürs Gesundheitsamt darf man aber nicht erwarten. „Es ist auch in der vergangenen Woche umfangreich getestet worden“, so Küchmeister. „Die Ergebnisse kommen nun in den nächsten Tagen. Es wäre vermessen zu sagen, dass es total entspannt werde.“ Es gebe Kettenreaktionen, die erst mit etwas Zeitversatz wirken.

In den Schulen kann es dazu nun nicht kommen. Aber: „Wir kommen nun in die Reisezeit“, so Küchmeister. Was man da erwarten müsse, ist offen. Aber sie appelliert auch: „Wir sind abhängig davon, wie sich die Menschen verhalten. Wir können am Ende nur darauf reagieren. Darum der dringende Appell, dass sich die Menschen an die Regeln und die Abstände und die Hygienevorschriften beachten.“ Größere Zusammenkünfte, selbst im privaten Raum, müssten vermieden werden.

Sein Rekord-Niveau hat der Kreis noch nicht erreicht, so Küchmeister. „Im Frühjahr hatten wir schon mal über 100 Vollzeit-Stellen in der Nachverfolgung. Das sei auch jetzt wieder das Ziel. Man baue dazu keine Stellen im regulären Stellenplan auf, sondern befriste die Jobs, um das Aufkommen abfangen zu können. Zudem gebe es gerade wieder zahlreiche Abordnungen aus anderen Abteilungen. „Aber wir müssen ja auch den Rest der Verwaltung handlungsfähig halten“, so Küchmeister.

Über 2000 Personen derzeit in Quarantäne

Im Kreis sind derzeit über 2000 Personen in Quarantäne, weil sie entweder selbst Corona-positiv sind oder Kontaktpersonen der Kategorie 1. Bei rund 480 akut Infizierten ist die Zahl der „zu betreuenden Personen“ also mehr als viermal so hoch.

Dabei gibt es Beispiele, bei denen der Umgang mit der Pandemie vorbildlich sei. Svenja Küchmeister erzählt: „Wir hatten einen Fall von einem Lehrer, der immer ausreichend Abstand hatte, immer Mund-Nase-Schutz trug, zusätzlich immer ein Visier in der Schule und die Schüler auch durchgehend Mund-Nasen-Schutz trugen. Wir haben alle getestet, alle waren negativ. Es musste also niemand in Quarantäne. Es kommt also darauf an, wie man sich verhält.“

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