Kindertagesstätten

Finanzierung auf wackeligen Beinen: So teuer sind Kitas für Träger geworden

10 Millionen Euro kostete der Betrieb der Kitas des Ev. Kirchenkreises die Kirche vor zehn Jahren. Nun liegt der Etat bei 22,5 Millionen Euro. Der Grund ist klar. Aber es sorgt für Probleme.
Elisabeth Weyen, Geschäftsführerin der Kindergartengemeinschaft im Kirchenkreis Herne, in der Kita „Unterm Sternenhimmel“ am Brückenweg in Castrop. © Tobias Weckenbrock

Elisabeth Weyen, Geschäftsführerin der Kindergartengemeinschaft des Kirchenkreises Herne, hat jetzt bei der Kreissynode der Evangelischen Kirche über Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Kindertageseinrichtungen berichtet. Sie verhandelt hart mit Vertretern der Stadt Herne, während man in Castrop-Rauxel schon einen Schritt weiter ist.

Hier hat der Jugendhilfeausschuss freiwillige Zuschüsse aus dem städtischen Etat bewilligt. Die Stadt Herne hatte hingegen seit August 2020 ihre freiwilligen Zuschüsse zurückgezogen. Die Verwaltung des Jugendamtes war davon ausgegangen, dass die Finanzierung der Kindergärten in Herne durch erhöhte Pauschalen und eine Senkung des Trägeranteils von 12 auf 10,3 Prozent gesichert sei.

Kibiz sorgte für stark ausgeweitetes Angebot und Kosten

Elisabeth Weyen betonte, dass dem nicht so sei. Das Haushaltsvolumen der Kitas sei in den letzten zehn Jahren von 10 Millionen auf 22,5 Millionen Euro gestiegen. Das liegt an den Vorgaben des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz, 2008). Anstelle einer Erstattung der tatsächlichen Kosten gibt es seitdem eine Pauschalfinanzierung, pro gebuchtem Platz eine bestimmte Summe.

Gleichzeitig wurde die Betreuung von U3-Kindern und das Angebot von 45-Stunden-Plätzen ausgebaut. Die neuen Gruppen für Zwei- bis Sechsjährige anstelle von Ü3-Gruppen sind teurer, weil dort mehr Personal für weniger Kinder gestellt werden muss.

Die Entscheidung der Stadt Herne, einen Teil der freiwilligen Zuschüsse auszusetzen, habe Anfang 2021 dazu geführt, dass die Kitas den Eltern keine Zusage für gebuchte Plätze geben konnten, weil die Finanzierung nicht gesichert war. Es ging um 320 Kindergartenplätze, die nicht hätten freigegeben werden können. „Das Problem war, dass es uns in den Gesprächen mit der Kommune nicht gelungen ist deutlich zu machen, dass die Anhebung von Pauschalen nur dann zu einer Entlastung der Träger führt, wenn gleichzeitig der Anteil der Finanzierung, den der Kirchenkreis als Träger einbringen muss, gesenkt wird“, sagte Weyen.

Letztes Jahr kam der Kirchenkreis für die Lücke auf

Der Kirchenkreis habe 2020 Mehrausgaben in Höhe von 350.000 Euro gestemmt. Das sei in Zukunft nicht mehr möglich. „Wir mussten deutlich machen, dass nur eine Senkung des Trägeranteils die Finanzierung der Einrichtungen

sicherstellen kann.“

Bewegung sei in die Gespräche zwischen Stadt und Trägern gekommen, als Superintendent Reiner Rimkus das Gespräch mit dem Oberbürgermeister gesucht habe. Letzterer habe sein deutliches Interesse an einer Trägervielfalt in der Stadt bekundet. Auf dieser Ebene wurde weiterverhandelt – später auch mit Superintendentin Claudia Reifenberger und Verwaltungsleiter Burkhard Feige. Anfang Februar vereinbarte man im Gespräch mit Sozialdezernent Johannes Chudziak eine Einmalzahlung von 175.000 Euro von der Stadt.

Der Kirchenkreis nahm das Angebot an, auch wenn dieser Zuschuss nur gut die Hälfte des Bedarfs deckt, weil sich nun Gespräche über eine Absenkung des Trägeranteils anschließen. „Der Trägeranteil muss in Richtung fünf Prozent gesenkt werden, was eine Halbierung des jetzigen Anteils darstellt“, sagte Weyen. „Bei einem solchen Ergebnis hätten wir für die nächsten Jahre Planungssicherheit und die Kindergartengemeinschaft könnte die notwendige Anzahl an Kindergartenplätzen vorhalten.“

Die Träger der 42 Kitas in Castrop-Rauxel

In Castrop-Rauxel betreibt der Evangelische Kirchenkreis 9 Kitas. Er ist damit einer der größten Träger von insgesamt 42 Kindergärten in der Stadt. Außerdem engagieren sich hier die katholische Kirche mit 12 Einrichtungen, die AWo (4), die Caritas (2), freie Träger wie Elterninitiativen, Vereine und Kita-GmbHs und die Stadt (7) selbst.

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