Fehlender Grippe-Impfstoff führt zu Engpässen in Castrop-Rauxeler Apotheken

dzCoronavirus

Immer mehr Menschen wollen sich gegen die Grippe impfen lassen. Und obwohl die Apotheken frühzeitig reagierten, ist kaum noch Impfstoff vorhanden. Wann es wieder welchen gibt - ungewiss.

Castrop-Rauxel

, 16.10.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon zu Jahresbeginn stand fest: die Nachfrage nach Grippe-Impfungen wird in diesem Herbst enorm ansteigen. Viele Menschen wollen angesichts der Corona-Pandemie das Risiko einer Doppelerkrankung minimieren. Mit einem derartigen Ausmaß hatte allerdings scheinbar niemand gerechnet. Mittlerweile sind die Regale in den Apotheken leergefegt.

„Wir haben aktuell keine Impfdosen mehr zur Verfügung“, so lautet die Zwischenbilanz von Winfried Radinger, Betreiber der Castroper Altstadt-Apotheke. Dabei habe man das Bestell-Prozedere schon im Frühjahr im Hinblick auf einen erwartbaren Anstieg der Impfstoff-Nachfrage geändert.

Produktion dauert längere Zeit

Grundsätzlich bestellen laut Radinger die Ärzte jeweils im Januar den benötigten Grippe-Impfstoff für ihre gesetzlich krankenversicherten Patienten. „Dann kann man zumindest in gewisser Weise planen, wie viele Dosen im Herbst benötigt werden“, so Radinger.

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Eine unbekannte Komponente seien allerdings die Privatversicherten. Sie müssten sich den Impfstoff eigenständig in einer Apotheke kaufen. Ihre Zahl sei schwer abzuschätzen – gerade in der momentanen Situation. „Im Januar war die jetzige Entwicklung noch nicht absehbar. Wir haben allerdings bereits im Frühjahr weitere Impfdosen nachbestellt, doch auch diese Vorräte sind mittlerweile aufgebraucht“, betont der Apotheker.

Das Problem: Da jede Dosis einzeln vom Paul-Ehrlich-Institut überprüft werden müsse, könne der Impfstoff nicht einfach in wenigen Tagen nachproduziert werden.

Parallelen zur Vogelgrippe

Derweil sei die Lage ohnehin nicht mit einer normalen Grippesaison zu vergleichen. Mit dem Wissen von heute hätte man laut Radinger frühzeitig einen größeren Bestand anlegen müssen. „Diese Entwicklung konnte niemand vorhersehen und wir haben beispielsweise bei der Vogelgrippe Erfahrungen gemacht, die auch heute noch im Hinterkopf sind“, so Radinger.

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Damals habe man enorme Mengen an Impfstoff vorbestellt, die man anschließend vernichten musste. Dieser Umstand habe bei den jetzigen Planungen eine Rolle gespielt.

Einige Kilometer weiter herrscht derweil das gleiche Problem. Auch in der Ickerner Markt-Apotheke von Dr. Benjamin Lieske fragen die Kunden vergeblich nach dem Grippe-Impfstoff. „Wir haben pro Tag zwischen zehn und zwanzig Kunden, die sich nach dem Impfstoff erkundigen. Denen müssen wir dann aber sagen, dass aktuell nichts mehr zu bekommen ist“, so Lieske.

Gesundheitsminister Spahn verspricht Nachschub

Man habe den Eindruck, dass sich „alle auf einmal impfen lassen wollen“, sagt der Apotheker. Knapp 1000 Impfdosen habe er im Frühjahr allein für eine Arztpraxis bestellt. Zusätzlich habe er 70 Dosen für Privatpatienten geordert. „Die sind mittlerweile alle weg“, erklärt Lieske. „Im Normalfall funktioniert das bestehende System sehr gut, aber in der jetzigen Situation kommt man an die Grenzen.“

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Ähnlich wie Winfried Radinger hat auch Benjamin Lieske Impfdosen nachbestellt. Wann diese eintreffen, ist ungewiss. „Ich habe noch einmal 500 Einheiten angefragt und wir hoffen, dass diese vielleicht Mitte November geliefert werden können.“

Unterdessen hat Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, dass für diese Saison weitere sechs Millionen Grippe-Impfdosen bereitgestellt werden. Damit belaufe sich die Gesamtzahl auf 26 Millionen Einheiten - vergangenes Jahr waren es noch 14 Millionen. Zu einem genauen Auslieferungszeitpunkt konnte der Gesundheitsminister allerdings keine Angaben machen.

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