Mit einem Messer hat ein Nachbar Jugendliche bedroht - aber mit was für einem? (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Mit Messer bedroht

Faustschlag und Bedrohung: Nachbar rastet bei Geburtstagsparty aus

Weil ihm die Feier im Nachbarhaus gehörig stank, griff ein 58-Jähriger zu einem Messer, bedrohte die jugendlichen Gäste. Doch war es das Karnevalsmesser, das er dem Richter präsentierte?

Die Feier ist knapp ein Jahr her. Mit ein paar Freunden, alle zwischen 15 und 17, feierte der Jugendliche seinen Geburtstag nach. Doch mit der fröhlichen Stimmung war es gegen 22.45 Uhr abends schlagartig vorbei. Weil ein aufgebrachter Nachbar mit einem Messer herumfuchtelte und schrie: „Ich stech euch alle ab.“

Jetzt stand der 58-Jährige vor Gericht, angeklagt wegen körperlicher Misshandlung und Bedrohung. So soll er nicht nur mit dem Messer und wüsten Beschimpfungen gedroht, sondern einen 15-Jährigen auch mit der Faust vor den Kopf geschlagen haben.

Messer präsentiert

Das Messer präsentierte sein Verteidiger dem Strafrichter. Ein Plastikdolch, metallisch glänzend und mit viel Gold verziert. Ein Karnevals-Accessoire, das zufällig im Flur gelegen habe, als sein Mandant wutentbrannt die Feier im Nachbarhaus beenden wollte.

Den vier jungen Zeugen, die nacheinander das erschreckende Ende der Geburtstagsfeier schilderten, war das Messer allerdings fremd. Länger, schmalere Klinge, irgendwie anders, so die Erinnerungen. „Ein echtes Messer“, so der 15-Jährige, der die Spitze an seinem Oberkörper zu spüren bekam.

Er hatte ahnungslos die Haustür geöffnet, nachdem es am Küchenfenster geklopft hatte, wo zwei weitere Freunde gerade Pizza aßen. Und fassungslos mitansahen, wie der Rasende den 15-Jährigen anschrie, ihm das Messer an die Brust setzte und ihn schlug.

Wie im schlechten Film

Die drei schafften es, in den Keller zu den anderen Freunden und dem Gastgeber zu laufen. Dort brachte sich der Angegriffene in Sicherheit, versteckte sich hinter einem Tresen. Der Nachbar war dem Trio auf den Fersen.

„Was soll die Scheiße hier, ihr Pisser“, habe er gerufen. „Ich habe versucht, ihn zu beruhigen, habe gesagt, dass wir die Musik sofort leise stellen. Es war wie in einem schlechten Film“, schilderte der 17-jährige Sohn des Hauses.

Ein Film, der die Jugendlichen heute noch verfolgt, sie träumen manchmal schlecht, zucken zusammen, wenn sie dem Angeklagten zufällig begegnen. Dieser bekam noch am selben Abend Besuch von der Polizei, die die Jugendlichen zu Hilfe gerufen hatten. Damals äußerte sich der 58-Jährige nicht zu seiner Tat, hatte bis zum Gerichtstermin auch kein Wort der Entschuldigung an die jungen Männer gerichtet.

Geldstrafe

Und das, obwohl sich seine Wut gar nicht gegen sie gerichtet habe, wie er nun im Gerichtssaal zugab. Denn sauer war er eigentlich auf die Tochter der Nachbarn, die, so sagte er, ständig bis zum Morgengrauen gefeiert habe. So oder so, den Vorfall vom Februar 2020 wird auch der 58-Jährige nicht vergessen. Dafür sorgt schon die Geldstrafe über 1800 Euro.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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