Fünfköpfiger Familie bot sich nach dem Brand in Ickern ein Schreckensbild in ihrem Haus

dzBrand in Ickern

Eine fünfköpfige Familie hat beim Brand in Ickern alles verloren. Das Haus bleibt weiterhin gesperrt. Wir haben Bilder aus dem Hausinneren und sprachen mit der Familie über ihr Schicksal.

Ickern

, 29.06.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Martin (27) und Helena Kasprowski (23) sowie Helenas Mutter (54) waren am Samstagmittag des 15. Juni gerade in einem China-Restaurant essen, als Helena Kasprowski um 12.57 Uhr eine Nachricht erhielt: „Euer Haus brennt!“

Die Familie hatte gerade gezahlt, stürmte aus dem Restaurant und machte sich sofort auf den Weg zum Haus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern. „Wir kamen kaum durch bis zum Haus, weil durch die Einsatzkräfte alles zugestellt war“, erinnert sich Martin Kasprowski.

Diese Gedanken schossen der Familie in den Kopf

Am Haus angekommen, bot sich der Familie ein Schreckensbild. „Das Haus stand bereits lichterloh in Flammen. Zu diesem Zeitpunkt gab es für uns schon nichts mehr retten“, sagt Helena Kasprowski. Als die Familie ankam, brannte es im Haus schon über eine Stunde lang.

Der Familie kamen viele Gedanken: „Haben wir das Glätteisen vergessen auszumachen oder den Ofen? In erster Linie hofft man, dass man nicht selbst Schuld an dem Brand ist“, so Martin Kasprowski. Die „gute“ Nachricht: Ursache war nach Angaben der Polizei ein technischer Defekt im Sicherungskasten.

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Mehrere Stunden harrte die fünfköpfige Familie am Unglücksort aus. Neben Martin und Helena Kasprowski waren auch Helenas Mutter, Schwester (29) und ihre sechsjährige Nichte vom Brand betroffen.

Diese Dinge konnte die Familie aus dem Brandhaus retten

Die Familienmitglieder durften mit einem Feuerwehrmann kurzzeitig das Haus betreten, nachdem das Feuer gelöscht war, um eventuell persönliche Dinge retten zu können. „Die Versicherungspolice war zwar etwas durchnässt, aber nicht vom Feuer beschädigt“, so Martin Kasprowski. Doch lange konnte der 27-Jährige nicht im Haus bleiben. „Die Decke im Wohnzimmer kam herunter, wir mussten schnell wieder raus“, sagt der Ickerner.

An andere Dinge als die persönlichen Unterlagen habe Martin Kasprowski gar nicht gedacht. Ein Feuerwehrmann hatte aber wohl andere Gedanken: „Der hat die Playstation eingepackt, zwei Laptops - an solche Sachen hatte ich gar nicht gedacht.“

Fünfköpfiger Familie bot sich nach dem Brand in Ickern ein Schreckensbild in ihrem Haus

Als Martin Kasprowski das Wohnzimmer betrat, stürzte die Decke herunter. © Martin Kasprowski

Helenas Schwester Anna Alissia und ihre Tochter traf es noch härter: Bei ihnen war gar nichts mehr zu retten. „Für meine Tochter war das ganz schlimm. Sie hat ihr ganzes Spielzeug verloren und leidet darunter leider heute noch“, sagt Anna Alissia knapp zwei Wochen nach dem Brand.

Bis 22 Uhr am Abend bleibt die Familie in der Nähe des Hauses an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße, dann geht es zu ihrer Übernachtungsmöglichkeit. Im Laufe des Tages hatte sich die Stadt Castrop-Rauxel mit der Familie in Kontakt gesetzt und ihr eine Notwohnung in Deininghausen angeboten.

Diese Verhältnisse fand die Familie in der Notwohnung vor

Die Familie nahm das Angebot an, allerdings nur für eine Nacht. „Wir mussten auf ganz einfachen Metallbetten schlafen, hatten kein Warmwasser, keinen Wasserkocher oder ähnliches - und die Stadt wollte pro Monat pro Kopf 220 Euro dafür haben, selbst für die Kleine“, sagt Helena Kasprowski.

Ursprünglich wollte die Stadt Castrop-Rauxel laut der Familie sogar für die eine Nacht eine Gebühr erheben. „Dann kam aber der Anruf: ‚Wir schenken Ihnen die eine Nacht.‘ Wir haben uns nur gedacht: Das ist doch wohl das Mindeste, oder?“, so Anna Alissia.

Die zweite Schreckensnachricht für die Familie

Mittlerweile wohnen Martin Kasprowski und Co. vorerst im Haus der Großmutter in Ickern - fünf Minuten vom Brandhaus entfernt. War der Brand nicht schon schlimm genug, ereilte die Familie eine zweite Schreckensnachricht. Denn die Großmutter starb nur wenige Tage nach dem Brand.

Ihr Haus durfte die Familie noch einmal betreten, gemeinsam mit dem Gutachter von der Versicherung. „Wir haben versucht, noch einige Dinge zu retten. Aber selbst die Kleidung, die heile blieb, hat so enorm nach Rauch gestunken. Das ging auch nach viermal waschen leider nicht raus“, sagt Helena Kasprowski.

Fünfköpfiger Familie bot sich nach dem Brand in Ickern ein Schreckensbild in ihrem Haus

Auf dem Dachboden breitete sich das Feuer besonders schnell aus. Hier gab es überhaupt nichts mehr zu retten. © Martin Kasprowski

Besonders tragisch für Martin und Helena Kasprowski: Sie hatten bereits alles eingekauft für ihr ungeborenes Baby - Helena ist im siebten Monat schwanger.

Mit Kleidungsstücken ist die Familie allerdings versorgt - dank eines Aufrufes, den die beste Freundin von Anna Alissia initiiert hatte. „Schon eine Stunde nach dem Aufruf kamen die ersten Kleidungsspenden“, so Martin Kasprowski. Viele Dinge aus den insgesamt über 100 Kleidersäcken waren jedoch unbrauchbar, da sie entweder nicht passten oder sehr verschmutzt waren. Daher spendete die Familie einen Großteil der Kleidung weiter an die Caritas.

Dennoch war die Familie stolz. „Ich komme eigentlich aus Bochum. Ich glaube nicht, dass es solch eine Spendenaktion dort gegeben hätte“, sagt Martin Kasprowski.

Andere Sorgen bleiben aber bestehen. Vor allem um die Zukunft des Hauses. Das Gutachten zieht sich hin. Die Familie bekommt wahrscheinlich erst am kommenden Donnerstag Bescheid, wie viel ihnen die Versicherung auszahlt. Erst danach entscheidet sich, ob die Familie jemals in ihr Haus zurückkehren kann.

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So sieht das Brandhaus in Ickern aktuell aus

Am 15. Juni wütete ein Feuer im Haus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern. Das Haus ist derzeit abgesperrt und muss von einem Statiker überprüft werden.
28.06.2019
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So sieht das Brandhaus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern knapp anderthalb Wochen nach dem Feuer aus.© Tobias Weckenbrock
So sieht das Brandhaus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern knapp anderthalb Wochen nach dem Feuer aus.© Tobias Weckenbrock
So sieht das Brandhaus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern knapp anderthalb Wochen nach dem Feuer aus.© Tobias Weckenbrock
So sieht das Brandhaus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern knapp anderthalb Wochen nach dem Feuer aus.© Tobias Weckenbrock
So sieht das Brandhaus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern knapp anderthalb Wochen nach dem Feuer aus.© Tobias Weckenbrock
So sieht das Brandhaus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern knapp anderthalb Wochen nach dem Feuer aus.© Tobias Weckenbrock
So sieht das Brandhaus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern knapp anderthalb Wochen nach dem Feuer aus.© Tobias Weckenbrock
So sieht das Brandhaus an der Ecke Heinestraße/Ruprechtstraße in Ickern knapp anderthalb Wochen nach dem Feuer aus.© Tobias Weckenbrock

Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi sagt dazu: „Die Nutzung des Gebäudes ist durch die Dekontaminierung untersagt. Die Prüfung der Statik läuft. Bevor das entsprechende Gutachten vorliegt ist vom Betreten abzusehen. Auf Grundlage des Gutachtens wird dann auch über das Betretungsverbot entschieden.“

Das Happy-End für das Kaninchen der Familie

Ein kleines Happy-End hatte die Geschichte aber doch: Das Kaninchen der Familie, das im Erdgeschoss lebte, konnte von einem Feuerwehrmann aus dem brennenden Haus gerettet werden.

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