Falscher Geschäftsführer fährt in die Insolvenz

Stretch-Limousinen vermietet

Mit schnittigen Stretch-Limousinen wollten drei Männer Geld verdienen - doch der Geschäftsführer der GmbH war nur auf dem Papier ein solcher. Die Fäden in der Hand hielt ein Mann, der am Dienstag nicht vor Gericht erschien. Auf der Anklagebank saß dafür das Opfer.

CASTROP-RAUXEL

von Von Gabriele Regener

, 28.05.2013, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit der Vermietung von Stretch-Limousinen wollten sie Großstadt-Flair nach Castrop-Rauxel bringen. Hier im Bild ist eine Limousine, die in einer Zolldienststelle als Beispiel für eingezogene Fahrzeuge vorgestellt wurde.

Mit der Vermietung von Stretch-Limousinen wollten sie Großstadt-Flair nach Castrop-Rauxel bringen. Hier im Bild ist eine Limousine, die in einer Zolldienststelle als Beispiel für eingezogene Fahrzeuge vorgestellt wurde.

„Ich bin nur Gesellschafter, habe Geld gegeben, weil ich an die Idee glaubte“, widersprach der Angeklagte. Nicht wenig Geld, nämlich 224.000 Euro Darlehen hatte der Immobilienkaufmann aufgenommen, dazu ein Zweifamilienhaus als Sicherheit überschrieben. So sehr hatte ihn die Idee des Bekannten, mit der Vermietung schnittiger Stretch-Limousinen inklusive Fahrer etwas amerikanisches Flair in die Europastadt zu bringen, betört. Er habe sich gefreut, wenn er die auffälligen Karossen im Straßenverkehr sah, ansonsten völlig dem Partner vertraut. So sehr, dass er einen Blick in die Firmenbücher für überflüssig hielt.

Auch, dass der Mann, der anscheinend alle Fäden in der Hand hielt, einen 31-Jährigen Handwerker als Geschäftsführer einstellte, fand er in Ordnung, setzte beim Notar ebenfalls seine Unterschrift unter das Dokument. Im Zeugenstand machte der Handwerker, der angebliche „Geschäftsführer“, sehr schnell deutlich, dass seine Funktion eigentlich gar keine war. Der eigentliche Chef war der abwesende Partner, damals Freund seiner Mutter. Der hatte deren Filius wohl als willkommenes Opfer für seine Geschäfte gesehen, die er eigenmächtig führte, wie sowohl der vorgeschobene Geschäftsführer, der so gut wie nie im Geschäft war, wie auch die ehemalige Sekretärin bestätigten.

Der 31-Jährige hat so wenig Ahnung vom kaufmännischen Prozedere, dass er auch vor der Korrespondenz mit Gläubigern und der Staatsanwaltschaft kapituliert, sämtlichen Schriftverkehr an seinen Anwalt weiterreicht. Wie den Strafbefehl über 1800 Euro, der ihn vor zwei Monaten erreichte. Der Angeklagte indes, der von seinem Darlehen nur etwa 70.000 bis 80.000 Euro zurückerhalten hat, ging am Dienstag mit einem Freispruch nach Hause. Auf seinen Platz hätte der abwesende Partner gehört. 

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