Die drei angeklagten "falschen Polizisten" kurz vor Prozessbeginn neben ihren Anwälten. © picture alliance/dpa
Betrugsmasche

„Falsche Polizisten“ sollen bei Senioren drei Millionen Euro erbeutet haben

Drei Verdächtige sollen als „falsche Polizisten“ auch in Dortmund und Castrop-Rauxel Senioren ausgetrickst und ausgenommen haben - es geht um unfassbare Summen.

Drei mutmaßlichen Mitgliedern (26, 32, 58) einer internationalen Bande von „falschen Polizisten“ wird seit Donnerstag am Bochumer Landgericht der Prozess gemacht.

Wenn es stimmt, was in der Anklage steht, dann haben sich die drei Männer (darunter ein Vater und sein Sohn aus Herne) immer wieder als Polizisten ausgegeben und Senioren mit dreisten Lügen dazu gebracht, ihnen zur Sicherheit Bargeld, Schmuck und Sparbücher zu übergeben – damit nichts geklaut werde.

Laut Anklage geht es um einen Betrugsgesamtschaden in schwindelerregender Höhe: 2,94 Millionen Euro.

Telefonisch verunsichert

Im Prozess vor der 11. Strafkammer geht es um insgesamt 28 gemeine Betrugsfälle mit dem „Polizisten-Trick“. Zwischen Juni 2019 und Juli 2020 sollen deutschlandweit immer wieder vermeintliche Polizeibeamte bei hoch betagten Senioren aufgetaucht sein, die zuvor telefonisch völlig verunsichert worden waren.

„Hallo Hier spricht Staatsanwalt Wagner. Ich muss sie warnen: Sie stehen ganz oben auf der Liste einer rumänischen Einbrecherbande.“ So oder so ähnlich sollen Anrufer, die tatsächlich in einem Callcenter in der Türkei saßen, bei Rentnern reihenweise Angst geschürt haben.

Goldmünzen und Dukaten

In Dortmund hatte eine Anruferin aus der Türkei am 4. März 2020 eine 78-jährigen Rentnerin im Stadtteil Loh damit eingeschüchtert, dass angeblich bei einem frisch festgenommenen Einbrecher ein Zettel mit ihrer Anschrift gefunden worden ist.

Die alte Dame wurde aufgefordert, sicherheitshalber sämtliche Wertgegenstände in einer Tasche bereitzustellen. Ein Polizeibeamter käme dann in Kürze vorbei und hole die Gegenstände ab.

Tatsächlich soll dann ein „falscher Polizist“ erschienen sein, der Seniorin die gepackte Tasche entrissen haben und geflüchtet sein. Hier spricht die Anklage von fast 200.000 Euro Schaden: Acht Goldhalsketten, drei Goldarmreifen, ein Medaillon mit drei eingravierten Köpfen, 110 Goldmünzen sowie 980 Dukaten Gold.

Schweriner (83) übergab seine Ersparnisse

Ebenso hoch fiel die Beute in Castrop-Rauxel aus: Laut Staatsanwaltschaft übergab ein völlig verunsicherter Senior (83) einem „falschen Polizisten“ am 10. März 2020 nach einem Anruf der Verdächtigen Gegenstände im Wert von fast 200.000 Euro – darunter 29.000 Euro Bargeld, eine „Preußen-Sammlung“ in Gold und Silber, ein Sparbuch und diverse Münzen.

Besonders hinterhältig: Der 83-jährige Schweriner hatte anfangs sogar Verdacht geschöpft und auch die Polizei unter 110 angerufen. „Der Anruf wurde jedoch mit technischen Mitteln an ein weiteres Mitglied der Tätergruppe weitergeleitet, das sich unter „Polizeileitstelle Recklinghausen“ meldete“, heißt es in der Anklage. Nach diesem Telefonat soll der Senior dann Vertrauen gefasst haben und absprachegemäß eine Tasche mit allen Ersparnissen zur Abholung abgestellt haben.

85-Jähriger räumte Schließfach leer

Den dicksten Coup landete die „Polizisten-Bande“ laut Staatsanwaltschaft aber in Elversberg: Hier deponierte ein 85-jähriger Senior nach einem Polizistentrick-Anruf neben seinem Anwesen zur Abholung für einen vermeintlichen Zivilpolizisten den gesamten Inhalt seines Bankschließfaches – unter anderem neun (!) Kilo Gold in 40 einzelnen Barren.

Dem Rentner war laut Anklage am Telefon von einem vermeintlichen Polizeibeamten, der sich „Herr Schmerz“ nannte, erzählt worden, dass eine bulgarische Räuberbande plane, die Bank auszurauben, in der er sein Schließfach hat.

Nach einem anonymen Hinweis von einem Tippgeber, der beobachtet hatte, dass vor der Wohnung des 58-jährigen Angeklagten aus Herne regelmäßig größere Geldbeträge übergeben werden, kam es am 30. Juli zu drei Festnahmen.

Zum Prozessauftakt hat sich noch keiner der Angeklagten zu den Vorwürfen geäußert. Aktuell sind noch elf weitere Verhandlungstage bis zum 24. März anberaumt.

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