Fakt oder Fake? Merza (17) sagt: „Man glaubt schnell, was man sieht“

Sekundarschule

Fake News: Was das ist und wie man sie erkennt, daran arbeitet die Sekundarschule in Castrop-Rauxel seit Jahren im Unterricht. Einige Schüler waren jetzt dafür aber an einem besonderen Ort.

Castrop-Rauxel

, 14.02.2020, 10:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fakt oder Fake? Merza (17) sagt: „Man glaubt schnell, was man sieht“

13 Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Süd waren mit Lehrer Yusuf Taskin im Düsseldorfer Landtag und lernten vieles über Fake News und Fakten. Sie sollen das nun auch unter ihren Mitschülern zum Thema machen. © Sekundarschule Süd

Fakt oder Fake? Eine Frage, die sich viele Menschen heute stellen, wenn sie im Internet, vor allem auf Social-Media-Plattformen unterwegs sind: Stimmt das, was ich sehe? Manche Unwahrheit wird aufgrund der Flüchtigkeit der Mediennutzung am Smartphone schnell mal unter den eigenen Freunden geteilt und verbreitet sich so rasend.

Um das zu verhindern, müssen Kinder und Jugendliche heute in ihrem eigenen Verhalten geschult werden: Wie kann ich die Informationen filtern, die auf mich einströmen? Woran kann ich Fakes, also bewusst lancierte Unwahrheiten, erkennen?

„Was ist Fakt, was ist Fake?“

Deswegen hat der Landtag NRW zu einem Jugendmedientag unter dem Motto „Was ist Fakt, was ist Fake?“ eingeladen. Anfang Februar waren rund 600 Schüler der 9. Klasse zu Gast im Parlament. Und mittendrin: gut ein Dutzend Jugendliche aus Castrop-Rauxel.

Die Sekundarschule Süd folgte der Einladung vom Land. Ein Dutzend Schüler aus der Jahrgangsstufe 9 trafen sich um 9 Uhr am Hauptbahnhof statt um 8 Uhr in der Schule und fuhren mit Geschichts-, Mathe- und Techniklehrer Yusuf Taskin nach Düsseldorf. „Ein großes Erlebnis“, sagte Marcel Nees nun im Gespräch mit unserer Redaktion.

Der 16-Jährige geht in die 9c und benutzt häufig das Smartphone, um im Internet zu schauen, was in der Welt geschieht. Er sei selbst viel auf YouTube unterwegs, sagt er, und manchmal falle ihm schwer, zu erkennen, ob das, was er sieht, wirklich stimmt.

Fakt oder Fake? Merza (17) sagt: „Man glaubt schnell, was man sieht“

So oft nutzen Jugendliche die verschiedenen Dinge im Internet. © Shell Jugendstudie

Klassenkamerad Antonio Siasiakos (16) sagt, er sei bei Instagram, Facebook und Twitter unterwegs. Darum sei der Tag für ihn total interessant gewesen. Ola Jashari (15) aus der 9a und ihrer Mitschülerin Merza Dalal (17) stimmen ihm zu. Sie tummeln sich hauptsächlich bei „Insta“ - so wie heute fast alle in ihrer Altersgruppe.

China? Nein, das Foto entstand in New York

Und was hat der Ausflug nach Düsseldorf gebracht? Im Plenarsaal durften die Schüler bei einer Art Quiz mitmachen: Ist das Fakt oder Fake? „Es gab dabei auch Überraschungen“, sagt Ola Jashari. Zum Beispiel bei einem Foto, das aussah, als sei man in China. „Aber es war ein Foto aus New York“, so Ola Jashari.

Fakt oder Fake? Merza (17) sagt: „Man glaubt schnell, was man sieht“

Diese Social-Media-Plattformen nutzen junge Leute in Deutschland heute. © bitkom

Antonio Siasiakos blieb die Meldung im Gedächtnis, dass es jetzt Zahnpasta mit der Geschmacksrichtung Whopper gebe. Echt wahr? Nein - ein Werbe-Fake für die Fast-Food-Kette Burger King. „Gottseidank“, sagt Antonio Siasiakos.

Die Jugendlichen lernten, wie man bei Bildern herausfindet, wann und wo sie wirklich aufgenommen wurden, während Landtagspräsident André Kuper erklärte, dass demokratische Erziehung heute wichtiger sei denn je.

Jeder kann heute selbst zum Sender werden

Ziel war die Sensibilisierung für Inhalte in einer Zeit, in der jeder zum Sender bzw. zur Senderin werden kann. Lehrer Yusuf Taskin und die Abteilungsleiterin für die Achter- bis Zehnerklassen Martina Freistühler waren sich einig: Das hat geklappt bei ihren Sekundarschülern. Sie konnten nicht alle Neuntklässler mitnehmen, sondern nur eine Auswahl - Schüler, die sich in den vergangenen Monaten besonders gut in der Schule gemacht hätten.

Fakt oder Fake? Merza (17) sagt: „Man glaubt schnell, was man sieht“

Brigitte Edeler (60) leitet die Sekundarschule Süd seit ihrer Gründung. Vorher war sie an der Johannes-Rau-Realschule am selben Standort tätig. © Tobias Weckenbrock

Schulleiterin Brigitte Edeler sagte: „Geld für solche Ausflüge haben wir nicht; jetzt kam aber die Einladung vom Land NRW.“ Der Ausflug war kostenlos. Nun hofft sie mit ihrer Kollegin Freistühler und Taskin auf den Multiplikatoren-Effekt unter den Schülern. Bald aber wird das Thema auch im Unterricht ohnehin wieder eine Rolle spielen.

„Man hat sonst eine ganz andere Meinung“

„Ich schaue jetzt genauer, ob es fake oder real ist“, sagt Merza Dalal. „Man glaubt sonst schnell, was man sieht. Jetzt achte ich drauf.“ Und Antonio Siasiakos ergänzt: „Man kann sich falsch informieren – es ist ganz wichtig, dass man aufpasst! Man hat sonst über viele Dinge eine ganz andere Meinung.“

Fakt oder Fake? Merza (17) sagt: „Man glaubt schnell, was man sieht“

Die Sekundarschule Süd, hier mit dem Standort Kleine Lönsstraße, hat derzeit rund 500 Schüler. © Tobias Weckenbrock

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