Fake-Shops im Netz und was die Verbraucherzentrale in Castrop-Rauxel rät

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Die Verbraucherzentrale erklärt, wie man echte von unechten Shops im Internet unterscheidet. Rose Sommer warnt: Fakes werden immer besser. Aber es gibt Tipps und eine Online-Schulung dazu.

Castrop-Rauxel

, 22.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der vergangenen Woche haben sich Anfragen zu Fake-Shop-Bestellungen bei der Castrop-Rauxeler Verbraucherzentrale gehäuft: Eine Webcam für 120 Euro auf der Seite „Guter Kauf“ – was soll daran schon verkehrt sein? Der Shop-Name klingt Deutsch, die Firma sitzt aber in Hong-Kong.

Eine Switch-Box für 229 Euro auf der Internetseite „Kaufhaus Hertl“, eine Bohrmaschine auf shoppinado24.de für 150 Euro: attraktive Angebote, aber nur auf den ersten Blick. Denn oft geschieht hier dasselbe: Immer zahlen die Kunden per Vorkasse, und dann liefert der Shop keine Ware. Oder es kommt B-Ware, deren Rücksendung erhebliche Mühen und Kosten verursacht.

Für Rose Sommer, Leiterin der Verbraucherzentrale in Castrop, ist das keine Meldung mit Neuigkeitswert: „Erfahrungsgemäß sprießen kurz vor Weihnachten die Fake-Shops wie Pilze aus dem Erdboden“, sagt sie. Aber in der Corona-Pandemie bestellen noch mehr Menschen als sonst online ihre Ware, statt in den Läden vor Ort einzukaufen. Meistens werden die Waren hier besonders günstig angeboten und als Schnäppchen gekennzeichnet.

Gut läuft es für Betrüger bei Produkten, für die es Engpässe gibt

„Nur noch 1 auf Lager“ sei eine ganz beliebte Form der Betrüger, die Kaufentscheidung beim Kunden zu beschleunigen. „Deswegen greifen die Leute zu, ohne genau hinzusehen“, erklärt Rose Sommer. Besonders gut liefen ihrer Ansicht nach die Geschäfte der Betrüger, wenn es bei bestimmten Produkten zu Engpässen kommt: Toilettenpapier, Masken, Webcams und im Moment ganz heiß begehrt: die neue Playstation.

„Es ist mittlerweile gar nicht mehr so leicht, Fake-Shops zu erkennen. Es gibt aber ein paar Hinweise bzw. Dinge, auf die die Verbraucher achten sollten“, sagt Sommer. Am Dienstag, 1.12., findet dazu zusammen mit der Volkshochschule ein Online-Vortrag („Sicherheit und Datenschutz beim Onlinekauf“) statt. Um 16 Uhr beginnt der, die Anmeldung dazu erfolgt über die VHS.

Rose Sommer leitet die Verbraucherzentrale in Castrop-Rauxel. Sie gibt Tipps, wie man Fake-Shops erkennt, und veranstaltet zusammen mit der VHS einen Online-Vortrag dazu.

Rose Sommer leitet die Verbraucherzentrale in Castrop-Rauxel. Sie gibt Tipps, wie man Fake-Shops erkennt, und veranstaltet zusammen mit der VHS einen Online-Vortrag dazu. © Verbraucherzentrale

Rose Sommer hat ein paar hilfreiche Tipps zusammengestellt:

  • Erkennungszeichen Fehlanzeige: Ob es bei den Angeboten im Online-Handel immer mit rechten Dingen zugeht, ist selbst für Experten kaum auf den ersten Blick erkennbar. Um Seriosität vorzugaukeln, sind Produktbilder, Impressum mit der Händleradresse und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von anderen Seiten abgekupfert oder frei erfunden.
  • Angaben prüfen: Käufer sollten vor einer Bestellung folgende Punkte in einem Internet-Shop checken: Gibt es mehrere Zahlungsarten und eine überprüfbare Anbieteradresse im Impressum? Werden Angebot und Preis mit allen erforderlichen Details – etwa der Beschaffenheit des Produkts – angegeben? Werden Lieferbedingungen und -kosten ausreichend dargestellt? Sind AGBs und Hinweise zum Widerruf vorhanden?
  • Gütesiegel prüfen: Oft wird mit einem vertrauenswürdigen Gütesiegel wie „Trusted Shop Guarantee“ (Trusted Shops), „s@fer-shopping“ (TÜV Süd) und „Geprüfter Onlineshop EHI“ (EHI Retail Institute GmbH) geworben. Eine zuverlässige Orientierung bieten solche Siegel jedoch nur, indem man auf das Logo klickt und dadurch auf die Homepage des Prüf-Unternehmens weitergeleitet wird. Öffnet sich beim Klick auf das Logo nichts, ist dieses oft nur einkopiert.
  • Aus Erfahrungen lernen: Erst wenn die Ware nicht kommt, beginnen Verbraucher im Internet nach Erfahrungsberichten zu recherchieren. Dann ist es zu spät. Wer schon vorher den Shopnamen mit dem Zusatz „Erfahrungen“ oder „Abzocke“ googelt, wird eventuell durch die schlechten Erfahrungen anderer Kunden gewarnt.
  • Vorsicht bei Vorkasse: Kunden werden bis zum Drücken des Kaufbuttons mehrere – auch kundenfreundliche – Zahlungsweisen angeboten. Sind sie bei der Kasse angelangt, haben Kunden plötzlich keine Wahl mehr: Dort wird nur noch eine umgehende Überweisung des geforderten Betrags verlangt. Besonders gefährlich: Wenn die Überweisung auf ein ausländisches Konto gehen soll. Auf der sicheren Seite sind Kunden, wenn sie Artikel nur bei Onlinehändlern ordern, die mehrere kundenfreundliche Zahlungsarten bis zum Klick auf den Kauf-Button zur Verfügung stellen. Sicher sind Zahlungen auf Rechnung oder per Lastschrift. Bei der Zahlung auf Rechnung müssen Kunden meistens erst bezahlen, wenn sie die Ware erhalten haben. Aber Achtung: Wird die Zahlungsabwicklung per Rechnung durch einen Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Klarna u.a. abgewickelt, müssen Sie sich im Reklamationsfall auch mit diesem auseinandersetzen. Bei Zahlung per Lastschrift kann diese noch bis zu acht Wochen rückgängig gemacht werden.
  • Fälscher zocken unerkannt ab: Selbst wenn die Ware den Käufer erreicht, entpuppen sich die vorgeblichen Markenprodukte oft als mehr oder weniger gelungene Fälschungen. Den Kaufvertrag dann zu widerrufen und die Ware zurück zu senden ist problematisch, wenn der Händler im Ausland sitzt. Daher: Auch bei Marketplace-Bestellungen großer Internetshops (Amazon, Ebay, Real u.a.) immer überprüfen, wo der Shop des Versenders sitzt.
  • Was Fake-Shop-Opfer tun können: Wer schon Geld überwiesen hat, sollte umgehend versuchen, die Zahlung rückgängig zu machen. Nehmen Sie Kontakt mit der Bank auf. Überweisungen sind meist nur innerhalb weniger Minuten zu stoppen. Bei Lastschrift oder Kreditkartenzahlung kann eine Zahlung noch bis zu acht Wochen nach Einzug rückgängig gemacht werden. Inwieweit dies gilt, weiß die Bank. Grundsätzlich sollten sämtliche Belege von Onlinebestellungen gesammelt und gesichert werden. Dazu gehören Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und ein Screenshot des Angebots.
  • Anzeige erstatten: Wird die Echtheit eines Shop-Angebots nur vorgegaukelt, um zu kassieren, handelt es sich um Betrug. Eine solche Täuschung sollte bei der Polizei angezeigt werden. Das überwiesene Geld ist aber in den meisten Fällen verloren.
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