Unterricht bei geöffnetem Fenster ist eine der Maßnahmen, um Infektionen an Schulen zu vermeiden. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Extrem-Hotspot: Kreis, Stadt und Schulen warten auf Corona-Bestimmungen

Bund und Länder verschärfen die Corona-Bestimmungen. Neu für den Kreis Recklinghausen, einem „Extremhotspot“, könnte auch eingeschränkter Schulunterricht sein. Doch es gibt viele Fragezeichen.

Bis zum Mittwoch haben nur zwei Inzidenz-Werte in der Diskussion um Corona-Regeln eine wichtige Rolle gespielt: 35 und 50. Stieg die Zahl der Neu-Infektionen in einer Großstadt oder einem Landkreis in den vergangenen sieben Tagen hochgerechnet auf 100.000 Einwohner auf mehr als 35, galt die Warnstufe Gelb. Bei 50 war die Warnstufe Rot überschritten.

Seit den jüngsten Corona-Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten gibt es eine dritte Zahl, die aktuell viel relevanter ist als 35 und 50: die 200. Ein Landkreis, der die 200er-Marke reißt, gilt als Extrem-Hotspot. Das gilt auch für den Kreis Recklinghausen, der Stand Donnerstag bei 203 liegt.

Damit könnten hier noch strengere Corona-Bestimmungen gelten als im Rest des Landes. Was kommt auf Castrop-Rauxel zu, das selbst eine Inzidenz unter 200 hat. Vier Nachfragen bei Kreis, Stadt und zwei Schulen zu aktuellem Handeln ergeben eine eindeutige Antwort: Erst einmal passiert nichts. Wobei die Betonung auf „erst einmal“ liegt.

Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister sagt: „Jetzt muss erst das Land festlegen, was es umsetzen will. Wir warten auf die rechtssicheren Texte.“ Offiziell gebe es noch nichts. Schon oft hätten schriftliche Bestimmungen ganz anders ausgesehen, als es die mündlichen Ankündigungen vermuten ließen.

Ist die Coronaverordnung des Landes da, wird der Kreis seinerseits seine Verordnungen abklopfen. Denn einiges ist im Kreis aktuell schärfer geregelt als landesweit. Die Maskenpflicht in Fußgängerzonen, Alkoholverbot von 22 bis 6 Uhr, Verbot für Shisha-Rauchen in der Öffentlichkeit und die Empfehlung für Maskenpflicht in den Grundschulen nennt sie als Beispiele.

Hybrid- oder Wechselunterricht ab der Jahrgangsstufe 8

Spekulation seien neue Bestimmungen an Schulen, sagt Küchmeister. In dem 15-seitigen Beschluss aus der Videoschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten heißt es zur Inzidenz über 200: Dann „sollen darüber hinaus weitergehende Maßnahmen für die Unterrichtsgestaltung in den älteren Jahrgängen ab Jahrgangsstufe 8 (außer Abschlussklassen) schulspezifisch umgesetzt werden, welche die Umsetzung der AHA+L Regeln besser gewährleisten, beispielsweise Hybrid- bzw. Wechselunterricht.“

Unter Punkt 8 heißt es außerdem: „Zur Aufdeckung von Infektionsketten sollen in den Schulen verstärkt Antigen-Schnelltests eingesetzt werden.“ Svenja Küchmeister weiß nicht, wie das gehen soll. „Wer soll die Tests machen? Dafür braucht es medizinisches Personal“, so die Kreissprecherin.

Auf genaue Bestimmungen wartet auch die Stadt. Zur Schulsituation schreibt Bürgermeister Rajko Kravanja auf Facebook: „Der gestaffelte Unterrichtsbeginn soll bald von 7 Uhr bis 9 Uhr möglich sein, das bedeutet, dass man die Anfangszeiten entzerren könnte. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir eine dauerhafte Lösung für den Busverkehr benötigen.“

Gymnasien sehen keine Notwendigkeit, Präsenzunterricht zu beschränken

Auf die offizielle Mail des Schulministeriums warten auch die Schulen. Gut vorbereitet fühlen sich die Leitungen des Adalbert-Stifter-Gymnasiums und des Ernst-Barlach-Gymnasiums. Beide sehen zurzeit keine Notwendigkeit, den Präsenzunterricht zu beschränken. Am Donnerstag (26.11.) gibt es am ASG einen Coronafall und deshalb weitere 30 Schüler in Quarantäne, die aber in den nächsten Tagen wieder in die Schule können. Am EBG sind 14 Schüler in Quarantäne, von ihnen sind 3 infiziert.

Unterschiedlicher Ansicht sind die Schulleiter, welche Form der Beschränkung sie im Falle des Falles am sinnvollsten ansehen. ASG-Chef Joachim Höck sagt: „Das Herner Modell könnten wir auch umgesetzt bekommen.“ Dann würde die eine Hälfte der Schule erst zur zweiten Stunde beginnen. „Ein Zwei-Schicht-Betrieb bedeutet erheblich Mehrarbeit. Im Sinne der Gesundheit meiner Kollegen würde ich das nicht favorisieren.“

Im Ernst-Barlach-Gymnasium dagegen, so die stellvertretende Schulleiterin Dr. Mirja Beutel, sieht man den Wechselunterricht eher als machbar an. Bei einem gestaffelten Anfang werden wegen der Kooperation mit dem ASG und der Willy-Brandt-Gesamtschule eher organisatorische Probleme befürchtet. Generell aber sehe man keine Probleme. Mirja Beutel: „Wir machen uns keine Sorgen um den Präsenzunterricht.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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