Sandra Rost und ihre Kinder Rene und Michelle haben das Handy schon im Homeschooling eingesetzt. Einen Computer hat die Familie nicht. Die Castrop-Rauxelerin kritisiert, dass diese Ausstattung allgemein verlangt werde. Das falle nicht jeder Familie finanziell leicht. © privat
Digitalisierungs-Chaos

Erst Notebooks gekauft, nun soll sie ein Gerät leasen: Mutter geschockt

Viele Eltern haben für ihre Kinder Laptops angeschafft, damit sie Homeschooling machen können. Eine Castrop-Rauxeler Schule teilt ihnen nun mit, dass sie ein weiteres Gerät leasen sollen.

Seitdem Homeschooling ist es für Kinder wichtig, über geeignete Geräte zu verfügen. Mit dem zweiten Lockdown vor Weihnachten haben viele Eltern reagiert: Sie haben ihren Kindern Tablets oder Laptops gekauft. Auch Familie Rost aus Castrop-Rauxel gehört dazu. Jetzt aber kam ein Elternbrief, der Sandra Rost empört.

„Ende des Jahres haben wir für beide Kinder Laptops gekauft“, sagt sie. Eine Entscheidung, die aus finanziellen Gründen nicht leicht gefallen sei. Doch lernen mit dem Handy, das funktioniere nicht für die Fünftklässlerin und den Achtklässler, die beide zur Willy-Brandt-Gesamtschule gehen. Jetzt hat sie aber eine Nachricht erhalten, die sie „geschockt hat“, sagt sie im Gespräch. Schulleiterin Violetta Kroll-Baues kann das nachvollziehen.

In einem Elternbrief steht, dass an der Gesamtschule jetzt umgesetzt werden soll, was die Schulkonferenz im September beschlossen hat: Alle Schüler sollen mit den gleichen Endgeräten ausgestattet werden. Dazu wurde ein günstiges Leasingmodell beziehungsweise Kaufangebot eingeholt. 19,50 Euro sollen die Eltern pro Monat für jedes Kind zahlen, damit es auf einem Laptop arbeiten kann, den die anderen Kinder auch haben.

„Da wird einfach über unser Geld bestimmt“

„Dann können wir unsere Laptops nicht mehr verwenden“, sagt Sandra Rost. Sie ist empört: „Es kann doch nicht sein, dass die Geräte, die man sich jetzt extra angeschafft hat, unnütz sind.“ Sie erzählt, dass viele andere Eltern ebenfalls verärgert seien. „Es gibt ja auch Familien mit mehr Kindern.“ Und sie sagt: „Da wird einfach über unser Geld bestimmt.“

Die Schulpflegschaft hat am 3. März über das Thema gesprochen. Neben breiter Zustimmung, so der Elternbrief, habe es „berechtigte Einwände zum Angebot“ gegeben. Endgültig soll die Schulkonferenz entscheiden, die am Mittwoch (10.3.) tagt.

In diesem Zusammenhang informierte die Schule auch, inwiefern ein privates Endgerät genutzt werden kann. Es lässt sich aber leicht herauslesen, dass für einen digitalen Unterricht die privaten Laptops nicht gut geeignet sind. So könnten beispielweise Materialien über die Unterrichtszentrale des Schulservers nur an ins Netzwerk eingebundene Laptops digital verteilt werden. Und ins Netzwerk eingebunden werden können keine privaten Geräte.

Es gehe um „digitalen Unterricht der Zukunft“

Violetta Kroll-Baues erläutert auf Anfrage unserer Redaktion, dass es bei der Einführung der einheitlichen Endgeräte darum gehe, digitalen Unterricht für die Zukunft zu entwickeln. Nicht nur um Homeschooling und Distanzunterricht, sondern um die Umsetzung eines Medienkonzepts. Angesichts der Tatsache, dass die Willy-Brandt-Gesamtschule über keinerlei Endgeräte verfüge, habe man sich im vergangenen Jahr auf den Weg gemacht, eine gute Lösung zu finden.

„Ich kann den Ärger der Eltern verstehen und ihre Argumente gut nachvollziehen“, sagt die Schulleiterin. „Ich schätze sehr, dass die Eltern alles möglich gemacht haben und Geräte gekauft haben für ihre Kinder.“ Der Zeitpunkt sei nicht günstig. Doch es habe leider lange gedauert, bis man zu dem Vorschlag, wie er jetzt vorliegt, gekommen sei.

Der Digitalisierungsbeauftragte der Schule, Thomas Grube, machte sich im September auf den Weg, berichtet sie. Ziel war, dass jedem Kind ein Endgerät zur Verfügung stehen müsse. Rund 1000 also. „Der Schulträger war nicht bereit, sich zu beteiligen, weder finanziell, noch administrativ“, so Violetta Kroll-Baues. Vor dem Hintergrund des Bildungsauftrags habe man dann nach einem geeigneten Leasing-Modell gesucht.

Gute Bedingungen auch für den Service erreicht

Das Ergebnis habe Thomas Grube in zähen und monatelangen Verhandlungen erreicht. Und es kann sich in der Tat sehen lassen: Neben den Endgeräten der Firma Dell für jeden Schüler gibt es für jede Klasse zwei zusätzliche Pool-Geräte. Techniker an festen Tagen vor Ort, Kundenservice, Garantie-Reparaturen und eine Versicherung sind inbegriffen. Der Preis dafür: 19,50 Euro monatlich über eine Laufzeit von drei Jahren.

Dazu kann auf einen Bildungsfonds für einkommensschwache Eltern zurückgegriffen werden, den die gemeinnützige GmbH AfB – mobiles

Lernen in Kooperation mit Dell anbietet. Bis zu elf Prozent einer Klasse könnten davon profitieren. Dabei geht es um die Förderung von maximal 50 Prozent der Förderrate. „Elf Prozent – ob das reichen wird“, fragt sich allerdings Sandra Rost.

Gestartet werden soll nach den Sommerferien, dann wahrscheinlich mit den neuen fünften Klassen. Vorstellbar seien auch die sechsten und siebten Jahrgänge, heißt es auf der Homepage der Gesamtschule. So richtig starten könne man dann, wenn die Schule auch über WLAN verfügen wird.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
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