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Er war Familienvater, Ehemann, Kumpel – und Bergmann-Fotomodel

dzAbschied von der Kohle

Die Familie Schroll lebte von und mit dem Bergbau. Vater Hans war ein Kumpel, wie er im Buche stand. Ein gutes Leben, aber auch eines voll harter Arbeit. Er hinterließ Spuren.

Ickern

, 15.10.2018 / Lesedauer: 4 min

Spuren hat der Bergbau nicht nur in der Erde, in den Städten des gesamten Ruhrgebiets hinterlassen, sondern auch bei den Menschen, die lange Zeit mit und von ihm lebten. Und natürlich haben auch diese Menschen Spuren hinterlassen, selbst wenn sie heute nicht mehr unter uns sind. Einer dieser Menschen war der Ickerner Hans Schroll: Ehemann, Familienvater, Kumpel, Taubenzüchter, Pressewart im Korfball und irgendwie auch Fotomodel. Selbst erzählen kann er seine Geschichte nicht mehr, denn Schroll starb 2016 mit 75 Jahren an Krebs.

„Er hat immer gesagt: ‚Wenn man tot ist, wird man schnell vergessen‘“, sagt seine jüngste Tochter Michaela Waßmuth. Zusammen mit ihrer Mutter Helga Schroll und den Schwestern Heidi und Renate ist die Familie allerdings der lebende Beweis, dass dem nicht so ist.

Auf Jugendfoto wiedererkannt

Nicht nur bei seiner Familie hinterließ Hans Schroll Spuren, die die Zeit überdauerten. Etwa auf einem Foto im Archiv unserer Zeitung, das wir 2017 zusammen mit anderen historischen Ickerner Bildern erneut veröffentlichten. Was verloren gegangen war, waren die Informationen dazu. Michaela Waßmuth fand die Bilderstrecke dann im August 2018 zufällig im Internet und erkannte ihren Vater sofort wieder.

Er war Familienvater, Ehemann, Kumpel – und Bergmann-Fotomodel

Der 15 Jährige Bergbaulehrling Hans Schroll während der Frühstückspause. Das Foto stammt aus einem Werbeprospekt der Klöcknerwerke und erschien am 16. April 1956 in den Ruhr Nachrichten. © Mario Pallasch (Repro)

Auch der Geschichtsverein der Stadt hat genau dieses Bild in einem seiner Bände veröffentlicht. Es zeigt den damals 15-Jährigen als Bergbaulehrling in der Frühstückspause auf einem Werbeprospekt der Klöckner-Werke. Veröffentlicht wurde es in unserer Zeitung am 16. April 1956.

Große Liebe über Tage, harte Arbeit unter Tage

Seine spätere Frau Helga kannte Hans Schroll zum Zeitpunkt der Aufnahme wohl schon. „Als wir uns kennengelernt haben, war Hans 14 Jahre alt“, sagt Helga Schroll. Sie war damals 10 und Hans war ein Arbeitskollege ihrer Brüder. „Früher waren ja alle aufm Pütt. Da konnte man eben gut verdienen“, sagt Helga Schroll. Verliebt und verheiratet haben sich die beiden etwa fünf Jahre später. Da war Tochter Heidi auch schon unterwegs. „Sie war sozusagen die Mitgift“, sagt Helga Schroll und lacht. Eine Ehe, die nach über 54 Jahren nur vom Tode geschieden wurde – so, wie es Helga und Hans Schroll es sich versprochen hatten.

Er war Familienvater, Ehemann, Kumpel – und Bergmann-Fotomodel

Hans Schroll (v.l.) und seine Kumpel nach einer der unzähligen Schichten unter Tage. © Privat / Repro: Stachelhaus

Beruflich war Hans Schroll vor allem eins: viel unter Tage. Ein echter Kumpel eben. Zunächst direkt an der Kohle mit dem Abbauhammer. „Das war ein richtig harter Job“, sagt Helga Schroll. Dafür wurden die Kohlen für den hauseigenen Ofen, wie bekanntermaßen bei vielen Kumpeln, günstig direkt nach Hause geliefert. Später bediente Schroll dann den Hobel, ebenfalls eine schwere Maschine für den Kohleabbau, als Fahrer. Wieder später war er am Wendel beschäftigt, einer schneckenförmigen Transporteinrichtung für Mensch und Material.

Er war Familienvater, Ehemann, Kumpel – und Bergmann-Fotomodel

Die Schwarzkaue gehörte für Hans Schroll (m) genauso zum Alltag wie die harte Arbeit unter Tage. © Privat / Repro: Stachelhaus

„Ich habe ihn einmal unter Tage besuchen dürfen“, sagt Helga Schroll. „Ich fand es sehr beklemmend.“ Und gefährlich war Schrolls Beruf auch. Sein Steiger, der Vorgesetzte also, verbrannte bei einem Grubenunglück. Das habe ihn damals sehr mitgenommen, erinnert sich Schrolls Witwe.

Familienmensch und Vater

Über Tage, sprich außerhalb des Jobs, erinnert sich die Familie Schroll vor allem an den Familienmenschen und Vater, der immer gut mit den Nachbarn konnte. Der half, wo er konnte, die Kinder in die Schule brachte und sich mit Hingabe um seine Renntauben kümmerte.

Er war Familienvater, Ehemann, Kumpel – und Bergmann-Fotomodel

Auch diese Spur hat Hans Schroll (Foto im Foto) hinterlassen. Die Töchter Heidi (l.), Renate (2.v.r.), Michaela (r.) und Witwe Helga (2.v.l.). © Matthias Stachelhaus

„Mindestens 100“ dieser Rennpferde des kleinen Mannes hat Hans Schroll im Taubenschlag hinter dem Haus der Familie an der Stettiner Straße gehalten. „Da hat er all sein ‚Taschengeld‘ reingesteckt“, sagt Helga Schroll. „Ich habe ihm geholfen, wo ich konnte.“ Offensichtlich mit Erfolg, denn in den 80er-Jahren gewann Schroll mit seinen Renntauben Züchtergold in China.

Sportlich war die Familie Schroll aber auch in Castrop-Rauxels Paradedisziplin unterwegs: Korfball. Zunächst für den KC Grün Weiß 67 und den Ickerner KC, später gründeten Hans und Helga Schroll einen weiteren Verein: den NKV. Sie spielte, international sogar in Frankreich und Belgien. Das Ehepaar übernahm zusätzlich die Öffentlichkeitsarbeit. Er schoss die Fotos, sie schrieb die Texte. „Korfball ist ein Familiensport und ein guter Ausgleich“, sagt Helga Schroll.

Er war Familienvater, Ehemann, Kumpel – und Bergmann-Fotomodel

Beim Fußball schlug das Herz von Hans Schroll immer für den BVB. © Privat

Vielleicht auch, um den Familienfrieden zu wahren. Denn beim Fußball spalten sich bei den Schrolls die Geister. Die Herzen von Papa Hans und Tochter Michaela sind schwarz-gelb, das von Mama Helga blau-weiß. „Das Derby war für uns immer ein Erlebnis“, sagt Michaela Schroll und lacht. Denn das haben sie immer gemeinsam angeschaut. Freude, Leidenschaft und auch eine Portion Häme gehörten natürlich immer mit dazu.

Immer ein Lachen auf dem Gesicht

Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs traf Hans Schroll und seine Familie hart. Die Ärzte gaben ihm nicht mehr viel Zeit. Unterkriegen lassen hat er sich davon aber nicht. „Bis zuletzt hat er immer viel gelacht“, sagt Michaela Waßmuth. Und die Beerdigung war ein wahrer „Volksauflauf“, erinnert sich Helga Schroll.

Was er einst befürchtete, ist nicht eingetreten: Seine Familie hat Hans Schroll nicht vergessen. Er hat tiefe Spuren hinterlassen, wie der Bergbau im Ruhrgebiet.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Historische Bilder aus Ickern

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. "Mein Ickern" greift dieses geflügelte Wort von Fred R. Barnard in diesem Jahr konkret auf: Der Bürgerverein sucht für eine Bilderausstellung gemeinsam mit den Ruhr Nachrichten und der Justizvollzugsanstalt im Ortsteil Bilder über das Leben in Ickern. Wir zeigen hier bereits einige historische Bilder.
15.02.2017
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Blick von der evangelischen Kirche in Ickern nach Süden. Das Bild aus dem Stadtarchiv wurde im Juni 1960 aufgenommen.© Foto: Stadtarchiv/Friedrich Engel
Zu diesem Bild und seinem Aufnahmedatum liegen uns leider keine Informationen vor. Haben Sie Hinweise? Dann melden Sie sich gerne in unserer Redaktion.© Foto: Mario Pallasch
Foto aus dem Parkbad Ickern. Der Fotograf und Jahr sind leider unbekannt.© Foto: Stadtarchiv/Urheber Unbekannt
Klöckner Werkswohnungen in Ickern im Jahr 1939.© Foto: Stadtarchiv/Urheber unbekannt
Postkarte aus dem Jahr 1916. Die Reproduktion stammt von Manfred Lehnert© Foto: Manfred Lehnert
Die Ickerner Straße im Jahr 1959.© Foto: Stadtarchiv/Beer
Der 15 Jährige Bergbaulehrling Hans Schroll während der Frühstückspause. Das Foto stammt aus einem Werbeprospekt der Klöcknerwerke und erschien am 16. April 1956 in den Ruhr Nachrichten.© Foto: Mario Pallasch
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Wilde Händler auf Privatgrundstücken an Markttagen in Ickern aus dem Jahr 1959.© Foto: Stadtarchiv/Lachmann
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Ein Luftbild vom Ickerner Zentrum mit Verwaltungsgebäude und Marktplatz aus dem Jahr 1956.© Foto: Stadtarchiv/"Cekade Luftbild Nr. Cr 755
Der Ickerner Maktplatz im Jahr 1959.© Foto: Stadtarchiv/Friedrich Engel
Schlagworte Castrop-Rauxel

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