EmscherSide-Gallery: Wo genau soll denn Graffiti die A2-Mauer zieren?

dzGraffiti-Projekt

Die IGA 2027 soll ein Kunstprojekt nach Castrop-Rauxel bringen: Die Lärmschutzwand der A2 in Ickern soll an einer Stelle in einem Graffiti-Projekt nach Berliner Vorbild schöner werden. Aber wo?

Ickern

, 20.06.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die East Side Gallery ist ein Kunstprojekt, das einen Rest der Berliner Mauer in einer besonderen Kunst-Verpackung zeigt. Große Mauern gibt es in Castrop-Rauxel auch: Sie führen entlang der Autobahn A2, die unter anderem den Stadtteil Ickern in zwei Teile teilt und die Bewohner vor Autobahn-Lärm schützt.

Jetzt lesen

Dort könnte ab 2025 das Projekt EmscherSide-Gallery die Gegend verschönern, das Teil der Internationalen Gartenausstellung 2027 werden könnte. Aber wo genau eigentlich? Wir haben uns entlang der Mauer in Ickern umgesehen.

Diese Kurve am Übergang der Uferstraße zur Ickerner Straße lässt die Autobahn A2 im Stadtteil-Bild am stärksten zutage treten. Hier ist die massive Unterführung, die nicht besonders schön anzusehen ist. Aber für Sprühkunst ist hier kein Platz.

Diese Kurve am Übergang der Uferstraße zur Ickerner Straße lässt die Autobahn A2 im Stadtteil-Bild am stärksten zutage treten. Hier ist die massive Unterführung, die nicht besonders schön anzusehen ist. Aber für großformatige Sprühkunst ist hier kein Platz. © Tobias Weckenbrock

An der Uferstraße / Ickerner Straße ist in der großen Kurve am K+K die Autobahn vielleicht am präsentesten: Hier ist die große Überführung, hier geht es in Richtung Autobahn-Parkplatz ins freie Feld. Das ist aber nicht die Stelle, die das Projekt in den Fokus genommen hat.

Das ist schon mit der beste Blick vom Emscherradweg auf dem Teilstück zwischen Ickerner Straße und Vinckehof auf die A2-Lärmschutzwand.

Das ist schon mit der beste Blick vom Emscherradweg auf dem Teilstück zwischen Ickerner Straße und Vinckehof auf die A2-Lärmschutzwand. © Tobias Weckenbrock

Wir fahren den Emscher-Radweg von dort in Richtung Vinckehof. Hier, also südlich der A2, ist die Autobahn-Lärmschutzwand kaum zu sehen. Sie ist begrünt und auch die Emscher, die hier nah an der Wand fließt, ist von Baum- und Buschwerk gesäumt. Nur an wenigen Stellen schaut man hier auf kahle Mauer.

Dieses Stückchen A2-Mauer ist von der Emscherstraße aus einzusehen. Allerdings relativ verdeckt durch die Bäume. Es trägt schon Graffiti-Kunst, oder andere würden eher sagen fiese Schmierereien, die mit Graffiti nichts gemein haben außer die Art der Sprühfarbe.

Dieses Stückchen A2-Mauer ist von der Emscherstraße aus einzusehen. Allerdings relativ verdeckt durch die Bäume. Es trägt schon Graffiti-Kunst, andere würden eher „fiese Schmierereien“ sagen, die mit Graffiti nichts gemein haben außer der Art der Sprühfarbe. © Tobias Weckenbrock

Dann erreicht man die Emscherstraße: Hier tritt nacktes und kahles Brückenmauerwerk zutage. Kann man hier aber Graffiti-Kunstwerke aufsprühen? Denn das ist ja der Plan.

Wer von der Straße „Im Hagen“ die Lärmschutzwand sucht, dem stehen die Mehrfamilienhäuser und viel Grün im Weg. Für Kunst kein Platz, zumindest nicht an der A2-Mauer.

Wer von der Straße „Im Hagen“ die Lärmschutzwand sucht, dem stehen die Mehrfamilienhäuser und viel Grün im Weg. Für Kunst kein Platz, zumindest nicht an der A2-Mauer. © Tobias Weckenbrock

Wir fahren unter der Brücke durch, biegen links ab auf die Wohnstraße Im Hagen. Hier stehen Gebäuderiegel vor der Lärmschutzwand. Beim Blick hindurch sieht man auch hier kaum kahles Mauerwerk. Dann sind wir wieder an der Uferstraße.

Die Lärmschutzwand von der Horststraße aus betrachtet: Hier ist sie reliefartig gestaltet, aber auch Dutzende Meter von der Emscher entfernt. Nicht geeignet für kunstvolle Graffiti-Sprühereien, zumindest nicht von außen.

Die Lärmschutzwand von der Horststraße aus betrachtet: Hier ist sie reliefartig gestaltet, aber auch Dutzende Meter von der Emscher entfernt. Nicht geeignet für kunstvolle Graffiti-Sprühereien, zumindest nicht von außen. © Tobias Weckenbrock

Auf unserem Weg weiter runter die Emscher entlang sehen wir, dass sie sich immer weiter von der A2 entfernt. Die Lärmschutzwand ist nur aus der Distanz zu sehen - und bewachsen. Erst an der kleineren A2-Überführung / Brücke Horststraße sieht man wieder Schutzwand aus der Nähe. Doch die liegt weitab von der Emscher und ist in einem Strukturbeton an sich schon so etwas wie ein Kunstwerk.

Das ist die East Side Gallery in Berlin: Die Berliner Mauer war zur Zeit der deutschen Teilung ein Ort der Abschreckung und des Schreckens - heute ist sie ein Touristenziel.

Das ist die East Side Gallery in Berlin: Die Berliner Mauer war zur Zeit der deutschen Teilung ein Ort der Abschreckung und des Schreckens - heute ist sie ein Touristenziel. © picture alliance/dpa

Wir schauen in die Projektbeschreibung: Es soll eine Wand „entlang der Emscherstraße“ sein. Also offenbar doch die Brückenmauer, die eher eine Bruchstein- als eine Betonwand ist. Ein bedeutender Graffiti-Künstler soll hier ein Projekt leiten, in das Bürger und Vereine bei der Gestaltung einbezogen werden. Angelehnt an die East Side Gallery in Berlin. Geschätzte Projektkosten: 150.000 Euro.

Im Projektentwurf heißt es: „Im Rahmen verschiedener Workshops unter Leitung eines international bekannten Künstlers sollen gemeinsam mit unterschiedlichen Akteuren (Bürger, Vereinen, …) Bilder entstehen, die an der Wand der BAB 2 aufgesprüht werden.“

Standort Emscherstraße: Hier ist grundsätzlich relativ wenig los. Aber hier kommt die Emscher der Autobahn A2 so nah wie sonst fast nirgendwo. Und die Lärmschutzwand, oder besser das Mauerwerk der Unterführung, sind kein Schmuckstück.

Standort Emscherstraße: Hier ist grundsätzlich relativ wenig los. Aber hier kommt die Emscher der Autobahn A2 so nah wie sonst fast nirgendwo. Und die Lärmschutzwand, oder besser das Mauerwerk der Unterführung, ist kein Schmuckstück. © Tobias Weckenbrock

Das Projekt verbinde Stadt-, Industrie- und Landschaftsgeschichte in Form von Graffiti-Kunst. Gerade die stelle den internationalen Aspekt des Projektes dar: „Sie ist ohne Sprache für jedermann verständlich.“ Sie diene als Spange zwischen den IGA-Projekten in Dortmund und am Wasserkreuz in Henrichenburg und öffne die IGA für die junge Generation.

„Wie lang und groß das Graffito wird...“

Klaus-Dieter Tesch vom Verein Menschen an der Emscher sagte diese Woche im Umweltausschuss: „Die Emscherstraße ist nicht so hoch frequentiert. Könnte man das nicht eher in Richtung Ickerner Straße anbringen?“ Die Verwaltung antwortete in Person von Stadtbaurätin Bettina Lenort etwas ausweichend: „Wie lang und groß das Graffito wird, muss erst noch gemeinsam erarbeitet werden.“

Jetzt lesen

Daniela Rotte (SPD) sagte: „Diese Galerie würden wir so ja nie allein auf die Beine bekommen. Es ist kein großer Eingriff in die Umwelt, sondern eine Verschönerung der Landschaft. Hier wird darauf geschaut, dass nicht alles umgegraben werden soll, sondern die Gegend langfristig und nachhaltig verschönert wird.“

Der Grundsatzplan, auch dieses Teilprojekt mit einem eigenen Antrag zur IGA einzubringen, ging einstimmig durch den Umweltausschuss.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt