Spaziergänger und Radfahrer schätzen die Emscher-Auen als Naturparadies. Sie fühlen sich von Autofahrern, die im Landschaftschutzgebiet parken, gestört. © Gabriele Böseler
Parkplatz-Problem

Emscher-Auen: Rücksichtslose Autofahrer verärgern Spaziergänger

Die Emscher-Auen sind ein beliebtes Ziel: frische Luft und Natur pur. Sie locken nicht nur Radfahrer und Spaziergänger. Manch Autofahrer fährt direkt ins Landschaftsschutzgebiet. Ein Problem.

Gabriele Böseler lebt im Mengeder Ortskern. Da sind Emscher und Emscher-Auen an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel nicht weit. „So ein-, zweimal in der Woche bin ich da unterwegs“, erzählt sie im Gespräch mit dieser Redaktion.

Mal joggt sie mit ihren Freundinnen, mal geht sie spazieren. Es darf dann auch gern die große Runde sein: von der Siegenstraße vorbei am Bezirksfriedhof, unter der A45 her, einmal um die Emscher-Auen und über die Rittershofer Straße wieder zurück. Oder umgekehrt.

„Ich liebe dieses Naturschutzgebiet“, sagt die 62-Jährige. „Mich nervt es aber, dass viele Autos durchfahren.“ Ein Problem. Denn die Rittershofer Straße führt zwar durch Feld, Wald und Wiese von der Mengeder Heide nach Ickern. Aber: Sie ist eine Anliegerstraße.

„Da ist überhaupt kein Parkplatz“, sagt Gabriele Böseler. „Trotzdem fahren manche Leute mit dem Auto vor, lassen ihren Hund heraus und fahren wieder zurück.“ Sie ist nicht allein mit ihrer Kritik.

Anwohner ärgern sich über Raser

Am nordwestlichen Rand der Mengeder Heide, gut einen Kilometer vor den Auen ist die Rittershofer Straße eine sogenannte Spielstraße. Anwohner ärgern sich über Autofahrer, die den Fuß nicht vom Gaspedal nehmen. In dem Waldstück kreuzen zur Laichzeit im Frühjahr regelmäßig Kröten und andere Amphibien die Straße. Ihr Tod bringt Naturschützer auf die Palme.

Das Luftbild zeigt die Emscher-Auen mit dem Rundweg um die Rückhaltebecken. Links ist die Autobahn 2, rechts die Emscher, mittendrin der Hof Emschertal zu erkennen.
Das Luftbild zeigt die Emscher-Auen mit dem Rundweg um die Rückhaltebecken. Links ist die Autobahn 2, rechts die Emscher, mittendrin der Hof Emschertal zu erkennen. © Jörg Saborowski/EGLV © Jörg Saborowski/EGLV

Vor allem sind es aber Radfahrer, Spaziergänger und Jogger, die regelmäßig von Autofahrern genervt sind. Der verbreitete Ärger war schon mehrfach Thema in der Mengeder Bezirksvertretung. 2017 initiierte die Fraktion der Grünen eine Anfrage an die Dortmunder Stadtverwaltung, die Straße zu sperren. Darin fordert sie unter anderem, mit einem Schlüssel allein den Betreibern eine Zufahrt zum Hof Emschertal mit seinem Café zu erlauben.

Im März 2019 formulierten alle Fraktionen mit Blick auf den Amphibienschutz und die Nutzung als Durchgangsstraße gemeinsam einen Dringlichkeitsantrag. Die Antwort der Stadt lag dann in der Sitzung vom 9. September 2020 vor. „Die Rittershofer Straße im Bereich des Regenrückhaltebeckens liegt nicht mehr auf Dortmunder Stadtgebiet“, heißt es aus dem Tiefbauamt. „Regelungen hierzu sind von der Stadt Castrop-Rauxel zu treffen.“

Es gibt keine ausgewiesenen Parkplätze

Für den Hof Emschertal und die Ritterhofer Straße im Bereich der Auen trifft die Verortung durchaus zu. Für die Auen selbst nicht: Sie liegen zu einem großen Teil auf Dortmunder Gebiet. Und: Die Stadt „schmückt“ sich gerne mit dem Landschaftsschutzgebiet als Ausflugsziel. Zudem: Die Missachtung der Anliegerstraße erfolgt auch auf Dortmunder Stadtgebiet.

Immer wieder parken Autos auf der Rittershofer Straße an der Nord-Böschung der Auen-Landschaft.
Immer wieder parken Autos auf der Rittershofer Straße an der Nord-Böschung der Auen-Landschaft. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Die Parkplatzfrage ist vor allem für auswärtige Spaziergänger eine Herausforderung. Ausgewiesene Parkplätze gibt es nicht. Ergo parken auch Dortmunder und Castrop-Rauxeler ihr Auto am geschotterten Rand der Rittershofer Straße nördlich der Emscher-Auen.

„Es ist schon heftig“, sagt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft. „Wir haben festgestellt, dass Autos auch direkt vor der Zufahrt zum Hof Emschertal stehen.“ Er verweist auf den Charakter des 33 Hektar großen Areals als Naherholungsgebiet. Und das verspricht ganzjährig ein Naturerlebnis.

Rast- und Brutplätze für Zugvögel

Viele seltene Tier- und Pflanzenarten sind hier heimisch geworden. Zugvögel machen im Frühjahr und Herbst Station. Die bewachsenen „Inseln“ und grünen Böschungen der Hochwasser-Rückhaltebecken sind Brutplätze. Wer das erleben will, kommt zu Fuß oder mit dem Rad. Und Auswärtige, die nur eine Runde durch das ökologische Kleinod drehen wollen?

Eine Parkmöglichkeit ist am Bezirksfriedhof Mengede im Birkenweg in der Mengeder Heide. Von dort sind es gut 1,5 Kilometer durch die Felder bis zu den Emscher-Auen. Auf Castrop-Rauxeler Seite gibt es keine vergleichbare Parkmöglichkeit. In der Siedlung im Bereich von Damaschkestraße und Heimstraße gibt es vor allem am Wochenende kaum Stellplätze.

Ilias Abawi weiß um die Problematik. „Es ist schwierig“, sagt er. Grundsätzlich hält er ein Parken außerhalb des Rückhaltebecken-Bereichs für möglich – solange die Durchfahrt für andere Autos, für Rettungsfahrzeuge und zum Hof Emschertal möglich sei. „Wir nehmen die Problematik aber auf und besprechen das mit den beiden Städten.“

Weitere Bauarbeiten 2022 bis 2024

Abawi verweist auf einen weiteren Aspekt: Die Emscher-Auen sind noch gar nicht fertiggestellt. Zwischen 2022 und 2024 baut die Emschergenossenschaft die Baustraßen, die als Dämme das Becken teilen, zurück. Damit werde sich noch einiges im Umfeld der Emscher-Auen ändern.

Der Emscherweg verbindet die Auen an der Stadtgrenze mit der Emscherquelle in Holzwickede und der Emschermündung in Dinslaken.
Der Emscherweg verbindet die Auen an der Stadtgrenze mit der Emscherquelle in Holzwickede und der Emschermündung in Dinslaken. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

„Wir haben auch Ideen für eine neue Zuwegung“, sagt der Pressesprecher. Die könne etwa von der Strünkedestraße aus erfolgen. „Das steckt jetzt noch in den Kinderschuhen. Wir müssen warten, bis das Becken fertig ist.“

Die Stadtverwaltung Castrop-Rauxel schätzt die Emscher-Auen als „schönes Naherholungsgebiet für Radfahrer und Wanderer“. Gerade durch die Anbindung an den Emscherweg sei das Areal „ein schönes Ziel vor allem für Radfahrer aus Dortmund, Herne oder Gelsenkirchen und Wanderer aus dem näheren Umfeld“, schreibt Stadtsprecherin Uta Stevens auf eine Anfrage dieser Redaktion.

Somit seien die Emscher-Auen weniger auf das Auto ausgerichtet und sollen vor allem Radfahrer und Wanderer ansprechen. „Darüber hinaus sind der Stadtverwaltung keine Beschwerden über ein sehr hohes Verkehrsaufkommens beziehungsweise über Falschparker in der Rittershofer Straße oder in der Uferstraße bekannt.“

Über den Autor
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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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