Politik

Emscher als Teil des Weltkulturerbes: Zustand nicht einzementieren

Die „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ soll Weltkulturerbe werden. Die Stadt Castrop-Rauxel will dies unterstützen. Doch aus Ickern kommen kritische Stimmen.
Die Emscher zwischen Wasserkreuz und HochwasserrückhatebeckenRegenrckhaltebecken in Ickern ist Teil der „Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet“. © Jens Lukas

Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur betreibt die Bewerbung: Die „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ soll als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt werden. Viele Städte unterstützen das. Auch Castrop-Rauxel will dies tun. Dagegen regt sich Widerstand in Ickern.

„Die Stadt Castrop-Rauxel hat sich in einer schriftlichen Absichtserklärung, einem sogenannten „letter of intend“, zur Unterstützung des Projekts bekannt“, informierte Stadtsprecherin Uta Stevens im Januar auf Anfrage. Jetzt beschäftigt sich die Politik mit dem Thema. Am Donnerstag (11.2.) ist es Thema im Bauausschuss gewesen, am 18. Januar soll der Rat einen entsprechenden Beschluss fassen.

Kritik kommt dazu von Klaus-Dieter Tesch und Marc Frese aus Ickern. Sie weisen darauf hin, dass die Renaturierung der Emscher voranschreitet. „Ickern hat in den letzten Jahren sehr davon profitiert und die Menschen haben den Prozess mit Begeisterung begleitet“, schreiben sie an unsere Redaktion.

Naherholungsgebiet als Vorbild

Das Hochwasserrückhaltebecken vor der Haustür habe sich zu einem Naherholungsziel entwickelt, schreiben Tesch und Frese, die darauf verweisen, dass erst 2020 dieser Entwicklung Rechnung getragen und das Gelände als „Emscherauen“ getauft wurde. Ein großer Teil des Emscherlaufs sei mittlerweile abwasserfrei und naturnah modelliert.

„Auf Castrop-Rauxeler Stadtgebiet, in Ickern und Henrichenburg, ist das Umfeld der Emscher stark besiedelt. Jahrzehntelang haben sich die Menschen mit dem Industriefluss und seinen negativen Seiten arrangiert, zuletzt in der Erwartung, dass die Arbeiten am Umbau des Flusses auch hier voranschreiten“, betonen die Ickerner.

Beunruhigt sind sie deshalb, dass in der Sitzungsvorlage für den Rat als eine der historischen Elemente der „Emscherabschnitt zwischen Wasserkreuz Castrop-Rauxel und Hochwasserrückhaltebecken Ickern“ genannt wird. „Im Gegensatz zum restlichen Hauptlauf wird hier der Zustand im alten Betonbett besonders als Zeugnis der Vergangenheit hervorgehoben“, heißt es in der Vorlage.

Das alte Bild der Emscher soll nicht „zementiert“ werden

Die beiden Ickerner haben Sorge, dass „ausgerechnet vor unserer Haustür das alte Bild der Emscher im wahrsten Sinne des Wortes ,zementiert‘ wird und der naturnahe Rückbau der Emscher ausgerechnet zwischen Ickern und Henrichenburg ausbleibt“. Sie wünschen sich, dass vor einem Ratsbeschluss mit den Anliegern vor Ort gesprochen wird.

Sie argumentieren: „Das Ruhrgebiet und gerade auch Castrop-Rauxel stehen für den Strukturwandel. Es gilt, auch im Wettbewerb der Städte, den Standort mit Innovation und Aufbruch zu verbinden. Wie soll das gelingen, wenn gerade hier der Charakter der „Industriekloake“ gepflegt werden soll?“

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