Türen aufgebrochen, Aktenschränke durchwühlt, viel verunstaltet: Jetzt warten die Mitarbeiter bei Pflege mit Herz auf den Schreiner. © Tobias Weckenbrock
Polizei

Einbruch bei Pflegedienst: Viermal in fünf Jahren Opfer von Vandalismus

Zum vierten Mal in fünf Jahren ist ein Pflegedienst in Castrop-Rauxel Opfer von Vandalismus geworden. Die Besitzerin ist froh, dass „nur“ etwas geklaut wurde, sie hat bereits Schlimmeres erlebt.

Es ist sehr traurig, was hier passiert ist“ sagt Carmen Schwermer, Inhaberin des Pflegedienstes „Pflege mit Herz“. Denn in der vergangenen Woche wurde in ihre Büroräume auf der Schulstraße eingebrochen.

„Wer macht denn so etwas?“, meint die 59-Jährige. „Ich kann das nicht verstehen. Bei Pflegediensten ist doch nicht viel zu holen.“ Noch nicht einmal 500 Euro hätten die Täter erbeuten können.

Aktenschränke zerstört für nicht einmal 500 Euro Beute

Dafür ist der angerichtete Schaden umso größer: Auf ihrer Suche nach Wertsachen haben die Einbrecher die Türen aus zwei abschließbaren Aktenschränken rausgerissen. Ein Schrank ist ein Totalschaden, der andere muss repariert werden. Kosten um die 2500 Euro pro Schrank fallen jetzt für Carmen Schwermer an.

Kein Wunder, dass die Leiterin von „Pflege mit Herz“ gerade stinksauer ist. Das ihr persönlich widerfahrene Unrecht ist dabei nur eine Nebensache. Viel mehr geht es der 59-Jährigen um ihre Kunden. Denn ein Großteil des gestohlenen Geldes gehörte ihnen.

Geld gehörte den Pflegebedürftigen

„Wir haben das Geld hier nur zwischengelagert, dafür sollte am nächsten Tag für unsere Pflegebedürftigen eingekauft werden“, erzählt sie. Für Schwermer ist es selbstverständlich, dass sie ihren Kunden das gestohlene Geld zurückzahlt. „Für manchen mag die Summe nicht sehr hoch sein, aber gerade für Ältere mit niedriger Rente ist das schon ein herber Verlust“, sagt sie.

Zumal es nicht der erste Einbruch in ihre Büroräume ist. Bereits 2019 stiegen Unbekannte in ihren Pflegedienst ein. Damals wurde eine ähnlich hohe Summe gestohlen. „Darauf habe ich damals extra neue Kassen angeschafft. Die scheinen aber nichts gebracht zu haben“, meint Schwermer resigniert.

Sandra Loppach, Sekretärin bei der Pflege mit Herz GmbH in Rauxel/Bladenhorst, zeigt auf dem Smartphone einen durchwühlten Schrank. Hinter ihr sieht man eine defekte Tür, die bald repariert werden soll.
Sandra Loppach, Sekretärin bei der Pflege mit Herz GmbH in Rauxel/Bladenhorst, zeigt auf dem Smartphone einen durchwühlten Schrank. Hinter ihr sieht man eine defekte Tür, die bald repariert werden soll. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

„Zum Glück ist wenigstens keinem meiner Angestellten etwas passiert“, sagt sie. Eingebrochen wurde nämlich außerhalb der Öffnungszeiten. Die 49-Jährige hat noch einen weiteren Lichtblick: „Wir können immerhin ungehindert weiterarbeiten und unsere Kunden versorgen.“

Vandalismus-Vorfälle bereits seit fünf Jahren

Das war bei einem anderen Vorfall vor zwei Jahren ganz anders. Damals hatten Unbekannte die Reifen aller Pflegedienst-Autos in ihrem Betrieb zerstochen. „Das war echt eine Sauerei, wir mussten mit unseren Privatwagen los. Teilweise konnten wir unsere Tagespläne nicht einhalten“, erinnert sich Schwermer. Das sei besonders bei den Patienten äußert heikel, die in ihrer Versorgung auf feste Zeiten angewiesen sind, weil sie etwa an Diabetes leiden.

In der Tat ist der Pflegedienst der 59-Jährigen in Castrop-Rauxel vom Pech verfolgt. Insgesamt vier Mal wurde ihr Betrieb in den vergangenen fünf Jahren Opfer von Vandalismus. Auch die Scheiben an den Dienstwagen wurden 2017 bereits eingeschlagen.

Mitarbeiter haben Angst

Erklären kann sich Schwermer das nicht. Zwar habe sie schon öfter einzelne Vorfälle in ihrem Pflegedienst in Essen erlebt: „Aber das waren immer nur Einzelfälle. Hier bin ich mir nicht mehr so sicher. Dabei denkt man immer, die Kleinstadt wäre sicherer.“

Türen aufgebrochen, Aktenschränke durchwühlt, viel verunstaltet: Jetzt warten die Mitarbeiter bei Pflege mit Herz auf den Schreiner.
Türen aufgebrochen, Aktenschränke durchwühlt, viel verunstaltet: Jetzt warten die Mitarbeiter bei Pflege mit Herz auf den Schreiner. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Die Vorfälle haben sich auch auf das Betriebsklima ausgewirkt. „Meine Mitarbeiter haben Angst. Wer weiß, was noch passieren kann?“, erzähl Schwermer. Deshalb werde sie jetzt Kameras für ihre Büroräume anschaffen. Der nächste Dieb soll nicht wieder ungeschoren davonkommen.

Nur geringe Chancen Täter zu fassen

Die Chance, die jetzigen Täter zu schnappen sei eher gering, meint die Leiterin des Pflegedienstes. Es habe keine Zeugen gegeben, die Täter konnten unerkannt entkommen. Außerdem sei auch in den anderen Fällen noch niemand geschnappt worden.

Ein Blick auf die aktuellste Kriminalstatistik des Kreises bestätigt Schwermers Ernüchterung. Im Jahr 2019 wurden von 20 gemeldeten Einbrüchen in Büroräume kein einziger aufgeklärt.

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Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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