Für die Kinder- und Jugendarbeit in Castrop-Rauxel stellt das Land Tests zur Verfügung. Nicht genug, kritisiert des Stadtjugendring. © Nora Varga
Coronavirus

Ehrenämtler in Castrop-Rauxel bekommen zu wenig Selbsttests vom Land

Für die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit soll das Land Corona-Selbsttests bereitstellen. Geliefert wurden aber viel zu wenig Tests. Ein Skandal – findet der Stadtjugendring.

Um den Gesundheitsschutz für Helfer bei der Kinder- und Jugendarbeit zu erhöhen, hat das Land NRW Schnelltests zur Verfügung gestellt. Um zu bestimmen, wie viele Schnelltests gebraucht werden, wurde eine Abfrage gestartet. Doch dann wurden weniger Tests geliefert als angegeben.

Nun ist der Stadtjugendring erbost. Er ist ein Zusammenschluss aus verschiedenen Vereinen in Castrop-Rauxel. Zum Stadtjugendring gehören unter anderem die Sportjugend, die Jugendfeuerwehr, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend und weitere Vereine.

Der Vorsitzende Frank Ronge erklärt: „Am 15. April erreichte die Stadt die Nachricht, dass das Land NRW vorerst bis zum 31. Juli auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendarbeit wöchentlich zwei Selbsttests zur Verfügung stellen möchte.“ Auch ehrenamtliche Mitarbeiter sollten von dem Angebot profitieren.

Fünf Tage später (20.4.) sollte die Zahl der benötigten Tests gemeldet werden. Im Falle des Landesjugendringes waren das 559 Selbsttests. Zwei Wochen später kam dann die Meldung, dass die Lieferung der Tests sich verzögert. Außerdem war plötzlich nur noch die Rede von 202 Tests.

Frank Ronge: „Der Stadtjugendring nennt das schlichtweg einen Skandal, wie hier mit den Freien Trägern der Jugendhilfe umgegangen wird, insbesondere mit den vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden, die in dieser schweren Zeit ihre eigene Gesundheit riskieren, um für Kinder und Jugendliche deren ohnehin sehr stark eingeschränkte Freizeit etwas abwechslungsreicher zu gestalten.“

Gegenüber dem Stadtjugendring wurde die Reduzierung der Tests mit dem Ausbau der Bürgertestungen sowie der Pflicht der Arbeitgeber begründet. Zudem ist die Rede von „errechneten Kinderzahlen“, deretwegen die Menge angepasst wurde.

Aus Anfrage erklärt Henning Severin vom Land NRW begründet die Abkehr von den Angaben der Vereine: „Die Rückmeldungen waren so weit gespreizt, dass eine gerechte und sinnvolle Verteilung auf dieser Grundlage nicht erfolgen konnte.“ Statt der Angaben habe man sich deswegen mit der Anzahl der Kinder ausgeholfen: „Die Festlegung erfolgte dann entlang einer Kennziffer, die auf der Grundlage der Zahl der unter 21-Jährigen pro Jugendamtsbezirk ermittelt wurde.“

Die Kritik des Stadtjugendringes kann das Land nicht nachvollziehen: „Das Land, das nicht Arbeitgeber in der Kinder- und Jugendarbeit ist, stellt diese Tests freiwillig zur Verfügung. Diese Leistung soll die anderweitigen Möglichkeiten und Pflichten im Interesse eines noch besseren Gesundheitsschutzes ergänzen.“

Es wird auf die kostenlosen Bürgertests verwiesen, außerdem sei in den Augen des Landes wegen der aktuellen Beschränkungen ohnehin kein enger Kontakt zu den Jugendlichen möglich, weswegen man für ehrenamtliche Helfer kaum Tests braucht.

Henning Severin: „Die Selbsttests stehen grundsätzlich auch ehrenamtlich tätigen Personen zur Verfügung, sollen aber nur von Ehrenamtlichen eingesetzt werden, die in sehr intensivem Kontakt mit jungen Menschen im Rahmen der Jugendarbeit stehen (z.B. täglich).“ Man gehe davon aus, dass die zugewiesenen Testkapazitäten ausreichen.

Der Stadtjugendring ist maßlos enttäuscht, nachdem die Verbände seit Monaten trotz etlicher Auflagen und ständig wechselnder Regeln „auf die Bedürfnisse und Wünsche und Sehnsüchte der Kinder und Jugendlichen adäquat eingehen. Das Angebot des Landes, Selbsttests zur Verfügung zu stellen, schien dabei eine Anerkennung und ein kleines Dankeschön für die geleistete Arbeit der Freien Träger der Jugendarbeit zu sein. Diese Hoffnung wurde nun vom Land NRW selbst ad absurdum geführt.“

Über die Autorin
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Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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