Ein Corona-Schnelltest gehört mittlerweile auch für viele Kinder und Jugendliche zum Alltag. © picture alliance/dpa/CTK
Coronavirus

Dunkelziffer: Jeder dritte Castrop-Rauxeler könnte Corona gehabt haben

Wie hoch ist die Corona-Dunkelziffer? Dazu gibt es einige Studien. Die tatsächlichen Zahlen könnten sechsmal so hoch sein wie die bekannten. In Castrop-Rauxel wären das 22.596 Infizierte.

Genau 3766 Menschen aus Castrop-Rauxel haben sich seit Beginn der Pandemie mit dem Virus infiziert. So die offizielle Statistik, die der Kreis Recklinghausen führt (Stand 14. Mai). Nicht berücksichtigt sind dabei aber die Menschen, die sich in den zurückliegenden rund 14 Monaten seit dem ersten bekannt gewordenen Coronafall in Castrop-Rauxel zwar infiziert haben, die aber symptomfrei geblieben und deshalb nie getestet worden sind.

Zum Thema Corona-Dunkelziffer wurden und werden in Deutschland verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Wie weit ist das neue Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland tatsächlich verbreitet? Wie viele Menschen haben bereits eine Infektion durchgemacht und sind jetzt zumindest für eine gewisse Zeit immun? Allein das Robert-Koch-Institut (RKI) hat dazu mehrere großangelegte Studien in Auftrag gegeben.

Darunter ist ein spannendes lokales Monitoring, mit dem das RKI versucht, an ausgewählten Orten in der Republik zu unterschiedlichen Zeiten der Pandemie mit repräsentativen Testungen der Dunkelziffer auf die Spur zu kommen. Dabei wurden Fallzahlen ermittelt, die zwischen dem 1,6-fachen und dem 6-fachen der zuvor vorliegenden Zahlen lagen.

Nimmt man das Mittel der so ermittelten Dunkelziffer-Zahlen, so bekommt man den Wert 3,6. Das hieße, übertragen auf das Beispiel Castrop-Rauxel, dass vor Ort bis heute 13.557 Menschen mit dem Virus infiziert worden sein könnten. Im schlechtesten Fall, bei einem Dunkelziffer-Wert von dem 6-fachen der tatsächlichen Zahlen, könnten in Castrop-Rauxel sogar 22.596 Menschen mit dem Virus infiziert worden sein.

Diese Zahlen, auch wenn sie bisher nur auf Zwischenergebnissen von RKI-Studien beruhen, widerlegen die nach wie vor immer wieder ins Spiel gebrachte Relativierung der Corona-Zahlen als marginale Werte. Da bisher nicht bekannt ist, welche Langzeitfolgen auch eine nicht von Symptomen begleitete Corona-Infektion haben kann, kann die Tatsache, dass vielleicht ein Drittel der Castrop-Rauxeler Bevölkerung bis heute vom Virus betroffen sein könnte, schon nachdenklich stimmen.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) schreibt, legen inzwischen mehrere Studien nahe, dass eine Corona-Infektion nicht nur kurzzeitige, akute Symptome verursachen kann, sondern unter Umständen mit langfristigen Folgen einhergeht.

Experten sprechen dann von Long Covid. Forscher in den USA haben in diesem Zusammenhang etwa herausgefunden, dass auch Corona-Patienten mit einst milden Krankheitsverläufen noch Monate nach ihrer Erkrankung ein höheres Sterberisiko haben als Menschen, die sich nicht mit dem Virus infizieren.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter
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