DSDS-Show: Wieder einmal ist ein Superstar-Traum ausgeträumt

dzKolumne „Schroeter denkt“

Alicia-Awa Beissert wollte Superstar werden. Der Traum ist geplatzt. Wie so viele Träume junger Menschen zuvor und so vieler Menschen, die noch kommen werden. Aber wir müssen träumen.

Castrop-Rauxel

, 29.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Traum vom Ruhm ist so alt wie die Menschheit. Kaum ein Mensch, der sich nicht danach sehnt, einmal im Leben endlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Kaum ein Mensch, der den langen, mühseligen Weg zu Anerkennung und einem guten Leben nicht gern abkürzen würde und mit einem Sprung ins Glück sofort am Ziel seiner Träume sein möchte.

DSDS-Show: Wieder einmal ist ein Superstar-Traum ausgeträumt

Aneta wollte 2007 Germanys next Topmodel werden. Sie kam unter die Top 9. © Schroeter, Thomas

Wenn es anders wäre, würden wir nicht Woche für Woche bei unglaublich schlechten Chancen Lotto spielen, würden wir nicht an Preisausschreiben, Telefon-Gewinnspielen und Verlosungen teilnehmen, kein Los der Fernsehlotterie oder wenigstens ein Los bei der Gemeindefest-Tombola kaufen. „Irgendwann muss ich doch auch einmal Glück haben!“, so unser Gedanke.

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“
Eleanor Roosevelt

Selbst wenn wir nicht tatsächlich an die Chance glauben, Träumen wird doch noch erlaubt sein. Ist es auch, so meine feste Überzeugung. Denn die Träume halten uns mit am Leben. Das fängt an, wenn wir klein sind und uns als Kind als Prinzessin, Rennfahrer oder mindestens Bauarbeiter sehen, angehimmelt von allen anderen Menschen, bewundert und ohne Sorgen.

Wir träumen vom besseren Leben, von der Traumvilla, von Mister Right, von der großen Karriere, vom Mega-Job, von der Idealfrau, der Idealfigur und dem Supersportwagen. Bei vielen Menschen bleibt das immer ein Traum, vielen Menschen reicht der Traum auch, um sich im manchmal viel zu grauen Alltag eine kleine Traumflucht zu gönnen.

DSDS-Show: Wieder einmal ist ein Superstar-Traum ausgeträumt

Fanel Cornelius trat bei The Voice an und kam in das Team von Nena. Gewinnen konnte er nicht. © Schroeter, Thomas

Von Träumen leben ganze Industriezweige. Sie entführen uns im Fernsehen in Rosamunde-Pilcher-Welten oder auf das Traumschiff, an Traumstrände und in Traumhotels, wecken unseren Appetit darauf, wenigstens ein bisschen vom Traum zu erhaschen. Entweder nur auf der Mattscheibe oder doch bei einer einwöchigen Kreuzfahrt in der Karibik. Traumhafte Strände, azurblaue See zum Otto-Normal-Tarif.

„Die Möglichkeit, dass Träume wahr werden können, macht das Leben erst interessant.“
PAULO COELHO

Manche versuchen, den kleinen Traum-Strohhalm zu ergreifen. Oder den vermeintlich großen. Und machen mit beim Casting, das uns den raschen Eintritt in die Traumwelt verheißt. Deutschlands nächstes Supermodel werden, Popstar, The Voice oder gar Superstar. Oder wenigstens „The biggest Loser“. Wir versuchen, eine Shopping-Queen aus uns zu machen, uns als Auswanderer etwas Prominenz zu erarbeiten oder ein perfektes Dinner zu gestalten. Jörg Schlösser tritt bei „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ auf, Florian Pätzold holt sich ein paar Euros bei „Kopfgeld“ von RTL ab.

DSDS-Show: Wieder einmal ist ein Superstar-Traum ausgeträumt

Medhi ging 2007 in der "Popstar"-Castingshow an den Start. Ein Star wurde er leider nicht. © Schroeter, Thomas

Das ist allzu menschlich und gehört zu unserem Alltag auch in Castrop-Rauxel dazu. Alles ist mit der großen weiten Fernseh- und Internetwelt in den vergangenen Jahren lauter, bunter und auch schriller geworden, den Effekt und den Traum aber gab es schon immer. Zu meiner Jugendzeit waren die Eislauf-Muttis und die Tennis-Papas in legendärem Verruf, die ihre kleinen Augensterne zu Idolen machen wollten auf den Spuren von Steffi Graf oder Kathi Witt, sich so als Ersatz für eigenen Ruhm wenigstens im kleinen Glitzer ihrer Kinder sonnen wollten.

„Ich lebe einen Traum, aus dem ich niemals aufwachen will.“
CHRISTIANO RONALDO

Es gab immer schon die durchgeknallten Fußballväter, die am Platz dafür sorgen, dass alle Menschen guten Willens vor Fremdscham im Boden versinken, wenn die Herren ihre Nachwuchs-Messis in der D-Jugend vom Spielfeldrand an auf Erfolg triezen. Es gab immer schon die mittelbegabten Gitarren- oder Klavierkinder, die bei jeder Gelegenheit und auf jeder Bühne von ihren Müttern vorgeführt wurden im Streben nach etwas Starglanz im Gelsenkirchener-Barock-Wohnzimmer.

Alicia-Awa Beissert, unsere jüngste Traumanwärterin, die in Dieter Bohlens Superstar-Casting-Welt und zuvor schon einmal in der The-Voice-of-Germany-Talentshow das große Glück machen wollte, ist also nur eine unter vielen Aspirantinnen auf die große Karriere in der Glimmer-Glitzerwelt des Showbusiness. Aus den Erfahrungen mit all ihren Vorgängern kann man ihr nicht viel Mut für den ganz großen Durchbruch machen.

KOLUMNE

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  • Unser Autor Thomas Schroeter macht sich in dieser Kolumne regelmäßig Gedanken über die Stadt und die Politik, über kleine Aufreger und große Probleme, über Menschliches und Unsinniges. Das soll zum Nach- und Mitdenken anregen, aber durchaus auch zum Widerspruch.
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Nur die wenigsten Castrop-Rauxeler Messi- oder Beckenbauer-Verschnitte sind erfolgreich in die große Fußballwelt hinaus gezogen, die meisten Talente sind nie über die Kreisliga hinausgekommen, nicht umsonst wird noch immer noch von Klaus Tanne Fichtel als womöglich erfolgreichstem Fußballer Castrop-Rauxeler Provenienz gesprochen und geschrieben. Auch sonst hat die Europastadt nicht so bannig viele Stars hervorgebracht. Die meisten Träume wurden früh gerupft, gestutzt und auf Träumchenmaß beschnitten.

Alicia-Awa Beissert ist da in reicher Gesellschaft. Wer erinnert sich noch an Aneta aus Dorf Rauxel, die 2007 Germanys next Topmodel werden wollte? Wer weiß noch, dass Medhi aus Rauxel im selben Jahr Popstar werden wollte und in Castrop-Rauxel kurzzeitig mal „weltberühmt“ war? Daniel Moczarski? Marwin Schoenacker? Frank Strümpel? Michael Wurst? Fanel Cornelius? Da war doch was. Ach ja, der war doch bei...

DSDS-Show: Wieder einmal ist ein Superstar-Traum ausgeträumt

Auch Marwin Schoenacker wollte mal zu Dieter Bohlen, um Superstar zu werden. © Schroeter, Thomas

Richtig, die sind alle aus Castrop-Rauxel und waren alle mal bei der ein oder anderen Show am Start, um den großen Traum von der großen Karriere zu versuchen. Superstars sind sie alle nicht geworden. Aber sie haben es versucht, hatten ihre Glitzer-Momente, ihre kurzen Augenblicke des Ruhms. Wir haben über sie alle berichtet. Wohlwollend. Denn Träume gehören zum Leben. Und wir berichten über das Leben...

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