Drei Flüchtlinge, drei Schicksale: Was aus Saraj, Jalal und Midia in Castrop-Rauxel wurde

dzBerufskolleg Castrop-Rauxel

2018 stellten wir die Geschichte dreier geflüchteter Menschen vom Berufskolleg vor: Saraj, Jalal und Midia. Was ist ein Jahr später aus ihnen geworden? Über Fleiß, Verlust und großes Glück.

Castrop-Rauxel

, 01.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Araber Jalal war im März 2018, als wir die drei geflüchteten Menschen im Berufskolleg trafen, 20 Jahre alt. Er kämpfte damals schon seit Jahren um die Freiheit von Ahwaz. Midia Ibrahim (19) kam aus Aleppo und sprach schon gut Deutsch, obwohl sie erst zehn Monate zuvor nach Castrop-Rauxel gekommen war. Saraj Qulizada (19) stammt aus Afghanistan und gilt am BKCR als „Vorzeige-Migrant“.

Nun sind anderthalb Jahre vergangen. Was wurde aus den drei jungen Menschen? Ihre Lebenswege gehen weit auseinander. Lehrerin Nathalie Franitza-Linek vom Berufskolleg, die sich seit Jahren intensiv um Geflüchtete kümmert, erzählt:

Der Kämpfer für die Freiheit ist untergetaucht

Jalal: „Er ist leider nicht mehr bei uns und es hat auch keiner mehr Kontakt zu ihm“, sagt die Lehrerin. Er soll am Schuljahresende aus der Schule abgeholt worden sein, kam aber nicht mehr zurück. „Um was es ging, durften wir nicht wissen“, sagt Franitza-Linek. „Sehr traurig.“

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Saraj Qulizada: „Saraj macht weiterhin alles gut“, erklärt Nathalie Franitza-Linek. Er hatte nun eine Zwischenprüfung. „Praktisch 2, schriftlich muss er sich noch ranhalten, da war es knapp.“ Im Mai 2020 wird er dann fertig. „Auch sein Chef im Unternehmen, in dem er arbeitet, ist weiterhin zufrieden und plant ihn fest ein im Anschluss. Das freut uns sehr“, so die Lehrerin. Thomas Bremer heißt der Chef und ist Handwerksmeister.

Drei Flüchtlinge, drei Schicksale: Was aus Saraj, Jalal und Midia in Castrop-Rauxel wurde

Saraj Qulizada, Schüler am Berufskolleg, arbeitete im THW mit und war in einem Handwerksbetrieb in Brambauer beschäftigt. Noch immer arbeitet er dort. © Tobias Weckenbrock

Saraj habe seit Mai seine erste eigene Wohnung und „diese auch direkt komplett renoviert, da es vorher nicht möglich gewesen wäre, dort zu wohnen“. Der Vermieter sei aber nett und ihm entgegen gekommen. „Soweit geht es ihm gut - und bald steht seine Prüfung für den Führerschein an“, so die Lehrerin weiter, die ihn auch privat regelmäßig antrifft.

Saraj bekomme weiterhin „sehr tolle Unterstützung“ durch ein deutsches Paar, das ihn in die Familie aufgenommen habe. Er revanchierte sich dadurch, dass er dem Paar unter die Arme griff, zum Beispiel bei der Gartenarbeit.

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Midia Ibrahim: Die junge Frau, klassenbeste und einzige Frau in der Integrations-Klasse am Berufskolleg, hat im Mai ein Kind bekommen. „Daher konnte sie in diesem Jahr leider keinen Abschluss machen“, sagt Lehrerin Nathalie Franitza-Linek. „Sie hat aber vor, im neuen Schuljahr wiederzukommen.“

Ihre Mutter werde sich dann um den kleinen Sohn kümmern. „Ich war einmal bei ihr, und sie besuchte uns auch in der Schule. Sehr süß - und wie immer macht Midia alles sehr gut, mit viel Herz, Liebe und Motivation“, so die Lehrerin weiter.

Sie hoffe sehr, dass sie weiter zur Schule gehen wird - „trotz Kind, da es sonst eine absolute Verschwendung von so viel Disziplin und Intelligenz wäre“. Kulturell bedingt sei es für sie aber nicht so einfach. Abwarten.

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