Ein Castrop-Rauxeler Urgestein ist jetzt im Ruhestand: Doris Spangenberg hatte immer alles im Griff. © Uschi Bläss
Kinder- und Jugendschutz

Doris Spangenberg: Abschied von Casterix fällt schwer

Ob Casterix oder Jugendschutz: Doris Spangenberg war mit Herzblut dabei. Beim Rückblick auf mehr als 30 Jahre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geht es um Freude und Herausforderungen.

Der letzte Arbeitstag liegt nicht lange zurück. Noch ist Doris Spangenberg (61) nicht richtig angekommen im passiven Teil ihrer Altersteilzeit. „Es hat mega viel Spaß gemacht“, sagt sie über die Jahrzehnte der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Ich bin mit einem weinenden Auge gegangen.“

„Danke, dass du mich durch meine Jugend begleitet hast“: Nicht nur einer hat ihr das zum Abschied aus dem Arbeitsleben gesagt oder geschrieben. „Das hat mich sehr gerührt“, sagt Doris Spangenberg und erzählt, dass ihr immer mal wieder Menschen begegnen, die sich „von früher“ an sie erinnern.

Doris Spangenberg konnte 2020 trotz Corona ein Ferienprogramm präsentieren.
Doris Spangenberg konnte 2020 trotz Corona ein Ferienprogramm präsentieren. © Stadt Castrop-Rauxel © Stadt Castrop-Rauxel

1984 hat sie ihre Anerkennungszeit als Sozialarbeiterin bei der Stadt absolviert. Danach arbeitete sie als Honorarkraft im Jugendzentrum Deininghausen, ab 2020 dann hat sie im Jugendamt der Stadt zwei Schwerpunkte: das Casterix-Ferienprogramm und den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz.

Respektvoller Umgang miteinander ist ein Lebensmotto

Egal in welcher Mission sie unterwegs war, Doris Spangenberg hatte einen Grundsatz: „Allen Menschen, denen ich begegnet bin, mit Respekt zu begegnen.“ Authentizität, auch dieses Wort fällt immer wieder mal im Gespräch mit der Sozialarbeiterin, die sich als Castrop-Rauxeler Urgestein bezeichnet.

Respekt und Freundlichkeit, das galt für sie bei den Kontrollfahrten mit Polizei oder Ordnungsamt genauso wie beim Umgang mit Kindern in den Ferienprogrammen. Immer wieder mal war sie nachts unterwegs. Hat in Kneipen geschaut, ob nach Mitternacht noch Alkohol an Minderjährige ausgeschenkt wurde, hat in Kiosken und an Tankstellen geprüft, dass Kinder und Jugendliche keinen Alkohol oder Zigaretten kaufen können.

Auch wenn Jugendliche groß feierten, zum Beispiel den Schulabschluss, mussten sie mit einem Besuch von Doris Spangenberg rechnen. Das galt auch für ihre beiden Töchter. „Die hatten keinen leichten Stand“, erzählt sie. „Die fanden das damals richtig doof.“ Sie lacht. Heute sei eine Lehrerin, die andere Sozialarbeiterin.

Beraten und informieren „ohne erhobenen Zeigefinger“

Kinder- und Jugendschutz ist aber auch Prävention. Suchtprävention war ein Schwerpunkt. In Zusammenarbeit mit den Schulen und in Zusammenarbeit mit Kollegen aus der Jugendarbeit hat sie Workshops veranstaltet und aufgeklärt. „Ohne erhobenen Zeigefinger“, sagt sie. „Ihr müsst selbst entscheiden, habe ich immer gesagt, wir geben nur die Informationen.“

Drogen, Alkohol und Zigaretten, das waren in den Anfängen die Themen. Und die werden auch heute in Wellenbewegungen immer mal wieder wichtig. Mit den Jahren kam anderes dazu: vor allem medienpädagogische Aspekte. Handysucht, Spielsucht, das alles ist heute wichtig. Aber auch Umgang mit Gewalt, Rechtsextremismus, Pornografie, Mobbing, das Thema Sexualität – das alles gehört zum Bereich des „erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes“.

Um Spaß vor allem geht es beim Casterix-Ferienprogramm. „Ich habe mich so gefreut, dass wir im Sommer trotz Corona noch so ein tolles Programm auf die Beine stellen konnten“, sagt Doris Spangenberg. „Casterix, das ist mein Baby.“ Nach den Höhepunkten aus den Jahrzehnten gefragt, nennt sie Großprojekte. Die wurden gemeinsam mit den Jugendzentren und Mitarbeitern aus dem Jugendamt auf die Beine gestellt.

Kinder-Spiel-Stadt: Bad Rauxelbrunn an der Emsch

Dass alle an einem Strang ziehen, das sei das Besondere gewesen. „Hollywood im Ruhrgebiet“, nennt sie als Beispiel. „Das Allerschönste war Bad Rauxelbrunn an der Emsch“. Von 1996 bis 1998 haben sie erstmals eine Kinder-Spiel-Stadt aufgebaut mit Bürgermeisterbüro, Bank, Werkstätten, Taxiunternehmen und Küchenzelt. „Ich treffe noch heute Leute, die sagen, wie toll das war damals.“

Doris Spangenberg Im Bild mit Andrea Collet (r.) und Kosta Daniilidis bekleben eine Plakatwand für die
Doris Spangenberg Im Bild mit Andrea Collet (r.) und Kosta Daniilidis bekleben eine Plakatwand für die “Gesicht zeigen”-Aktion. © Julia Grunschel © Julia Grunschel

Als Höhepunkt in ihrer Arbeit bezeichnet Doris Spangenberg die Zeitzeugen-Gespräche, die sie gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendbüro Recklinghausen organisierte. Wie der Holocaust-Überlebende Adolf Burger und Sally Perel (Der Hitlerjunge Salomon) gebannt lauschenden Schülern erzählten, wie sie die Nazi-Diktatur erlebt und überlebt haben, das berührt sie noch heute. „Dass ich beide Herren kennenlernen durfte, war für mich eine sehr große Ehre.“

Es gebe viel mehr zu erzählen. „Der Job ist so vielfältig“, sagt Doris Spangenberg. Jetzt erst einmal widmet sie sich ihrem Hobby, dem Stricken. Der Hund und der große Garten halten sie auf Trab. Und reisen, das würde sie auch gerne, wenn es wieder geht. Ob ihr das reichen wird? Die 61-Jährige denkt kurz nach: „Eventuell werde ich mich ehrenamtlich betätigen“, sagt sie. Es klingt wie ein Versprechen.

Kinder- und Jugendschutz

  • Ab 1. März wird die Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin Stephanie Stoppka die halbe Stelle von Doris Spangenberg übernehmen. Da sie bereits eine Elternzeitvertretung im Aufgabengebiet Hilfen zur Erziehung übernahm, in der Schulsozialarbeit tätig ist und seit einigen Monaten ebenfalls mit einer halben Stelle bei der Aufsuchenden Jugendarbeit mitwirkt, verfügt sie bereits über ein gutes Netzwerk.
  • Der erzieherische Kinder- und Jugendschutz hat allgemein das Ziel, junge Menschen zu befähigen, sich vor gefährdenden Einflüssen zu schützen und sie zu Kritikfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit zu führen. Dafür gibt es eine gesetzliche Grundlage: §14 SGB VIII.
  • Pädagogische Mittel der Arbeit im Kinder- und Jugendschutz sind z.B. Aufklärung und Information (Print, Vorträge, etc.), erlebnispädagogische Angebote, Projektarbeit, (Einzelfall-)Beratung usw.
Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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