Das Haus auf dem Bunker am Tremoniapark haben Bert Bielefeld und Isabella Skiba für sich und ihre Kinder geschaffen. © Bert Bielefeld
Immobilie der Woche

Dieses Haus ist ein rostiger Parasit: Dortmunder Familie lebt in einem besonderen Zuhause

Ein Garten in zehn Metern Höhe, der fließend in den Wohnraum übergeht. Ein Traumhaus, das auf einem Luftschutzbunker errichtet wurde, ist unsere „Immobilie der Woche“.

Schnettgerbrücke, Florianturm, das U und das Stadion. Problemlos könnten Isabella Skiba und Bert Bielefeld ihren Garten als Aussichtsplattform für Touristen anbieten.

Der Garten des Ehepaars liegt in zehn Metern Höhe, angelegt wurde er auf der meterdicken Betondecke eines Hochbunkers. Die beiden Architekten haben sich hier, am Rande des Tremoniaparks, ihr Traumhaus gebaut. Auf dem und an den alten Luftschutzbunker, der seit den 90er-Jahren als Probenraum von Bands genutzt wird.

Die Idee kam den beiden bei einem Spaziergang im Jahr 2011, als sie noch in einer Wohnung im Kreuzviertel wohnten. „Architekten sind immer auf der Suche nach Bauplätzen“, sagt Bert Bielefeld. Und als sie an dem Bunker vorbeikamen, sahen sie einen Bauplatz: auf dem Dach des Bunkers.

Ein Haus aus Ruhrgebietsmaterialien

Es dauerte eine Weile, bis die Stadt den Bau genehmigte, aber 2014 konnte das Projekt starten und seit 2016 lebt die Familie bereits in dem absoluten Hingucker-Gebäude. Für das Haus selbst hatten Bielefeld und Skiba eine klare Vision: „Es sollte aussehen wie ein Parasit“, sagt er. „Wie etwas, das an dem Haus klebt.“

Und tatsächlich hebt sich die rostrote Fassade aus Cortenstahl deutlich vom grauen Beton des Bunkers ab. Cortenstahl ist ein Baustahl, der stark rostet, darunter aber auch eine sogenannte Sperrschicht bildet, die das Material nahezu unzerstörbar macht. „Ein echtes Ruhrgebietsmaterial“, sagt Bielefeld. Auch innen haben seine Frau und er den Stahl verwendet, hier, im Trockenen, behält er jedoch seine glänzende Oberfläche.

Ob innen oder außen, die zwei haben beim Hausbau nichts dem Zufall überlassen. Zu jeder Säule, zu jeder Wand, zu jedem Material kann Bert Bielefeld eine Geschichte erzählen.

„Uns war es wichtig, authentische Materialien zu verwenden“, sagt er. Sichtbeton und Stahl an den Wänden, geschliffener Estrich auf dem Boden. Viel Holz und bunte Farben gleichen diese eher kühlen Materialien aus.

Offene Räume und viel natürliches Licht

Am meisten Wert legte das Architektenpaar bei der Planung ihres Hauses jedoch auf offene Räume und jede Menge natürliches Licht. Nur wenige Wände unterteilen den Wohn-, Ess- und Eingangsbereich, Türen gibt es hier keine. „Dadurch, dass überall Licht ist, wirkt das Haus größer“, erklärt Bielefeld.

Auch die Decke zum ersten Stockwerk ist nicht durchgezogen, von der Küche öffnet sich der Blick auf eine kleine Galerie. „Die offenen Räume sind typisch für Architekten“, sagt Bielefeld und muss schmunzeln. „Das sorgt einfach für eine gewisse Raumqualität.“

Gerade, wenn man eine gewisse Fläche zur Verfügung habe, lohne es sich, auf Wände zu verzichten. Die Grundfunktionen – Badezimmer und Schlafzimmer beispielsweise – sollten natürlich erfüllt sein, aber dann gehe es auch darum, den vorhandenen Raum genießen zu können.

Die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen

Der Wohnraum endet nicht mit dem Wohnzimmer. Drinnen und draußen, diese Grenzen verschwimmen in diesem Haus, sobald es warm genug ist, die Türen zu öffnen. Der Garten in luftiger Höhe hat zwei Terrassen und führt um die Glasfront der Wohnung herum.

Wand an Wand mit Musikern, die hier tagein, tagaus proben, zu wohnen – das geht wohl nur, wenn diese Wand fast zwei Meter dick ist. „Wir kriegen fast nichts mit“, sagt Bielefeld, der hier vor einigen Jahren mit seiner Familie eingezogen ist.

Von Anfang an war für das Ehepaar klar, dass eine der Wohnungen in dem Zweifamilienhaus auf dem Bunker das neue Zuhause für sich und ihre Kindern werden soll. Und auch für die zweite Wohnung waren im Nu Mieter gefunden – das Bauprojekt sprach sich schnell im Viertel rum.

Architektur als Teil von Allgemeinbildung

Manchmal wünscht Bielefeld sich, dass sich mehr Menschen so viele Gedanken um ihr Wohnumfeld machen. Dabei gehe es gar nicht ums Geld. „Man kann mit einfachen Mitteln tolle Dinge schaffen“, sagt er. Auch, wenn es nicht den Eindruck mache: „Auch dieses Haus besteht aus einfachen Materialien, einer einfachen Struktur und einfachen Ideen“, sagt Bielefeld.

Nicht ohne Wehmut beobachte er, wie beispielsweise die Niederländer ganz anders ans Wohnen herangehen würden. Dort habe Architektur einen ganz anderen Stellenwert, ein grundlegendes Verständnis gehöre zur Allgemeinbildung wie das Wissen über Kunst und Musik. Und das spiegelt sich, so Bielefeld, auch in den Straßen und Siedlungen im Nachbarland wider.

Diesen Text haben wir bereits am 12. November 2020 veröffentlicht und veröffentlichen ihn im Rahmen unserer Serie „Immobilie der Woche“ erneut.

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In Lippstadt aufgewachsen, zum Studieren nach Hessen ausgeflogen, seit 2018 zurück in der (erweiterten) Heimat bei den Ruhr Nachrichten.
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Marie Ahlers

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