Die skurrile Geschichte der Schottenscheune - und wie ihr Macher diese Preise halten kann

dzEinkaufs-Geheimtipps

Besondere Einkaufsmöglichkeiten findet man in Castrop-Rauxel zum Teil da, wo man sie nicht erwarten würde. Wie die Schottenscheune. Uns hat der Macher sein Geschäftsgeheimnis verraten.

Merklinde

, 09.09.2019, 16:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das sagten sich Ellen und Horst-Günter Weiler. Das Ehepaar kommt aus Witten und hat sich in der Schottenscheune in Merklinde jetzt schon mit den Dekoartikeln für Weihnachten eingedeckt.

3000 Dekoartikel in einem alten Aldi-Laden

„Das machen sie genau richtig“, sagt Karsten Hiddemann. „Die begehrtesten Artikel sind nämlich immer schnell weg.“ Sein Spitzname ist schon seit Langem „Schotte“. Er betreibt die Schottenscheune von Castrop-Rauxel. Der Kunde findet in der ehemaligen Aldi-Filiale an der Bockenfelder Straße 317 rund 3.000 verschiedene Dekoartikel.

Schottenscheune

  • Deko, Keramik und Geschenkartikel
  • Bockenfelder Str. 317
  • 44577 Castrop-Rauxel
  • Tel. (02305) 4190222
  • Öffnungszeiten: montags bis freitag 9.30 bis 19 Uhr; samstags 9.30 bis 16 Uhr

Nichts erinnert mehr an den damals spartanisch eingerichteten Aldi-Laden. Gemütlich sieht es hier aus. Die Waren liegen in langen Gängen auf Holzregalen.

Der Name Schottenscheune ist Programm: Alle Waren bewegen sich im kleinen Preissegment. „Dabei kaufen wir genau die Sachen ein, die auch die großen Möbelhäuser anbieten“, verrät Hiddemann.

Seine Deals haben mit großen Möbelhäusern zu tun

Wie er die Waren so günstig verkaufen kann, erklärt er: „Wenn zum Beispiel das schwedische Möbelhaus eine Lkw-Ladung eines Artikels in hell-lila geordert hat und die Farbe Dunkel-Lila ausfällt, dann nimmt das Möbelhaus die Ware nicht an. Das wäre für den Lieferanten ein Fall für die Mülltonne.“

Und dann kommt Hiddemann zum Zuge. „Dann freuen die sich, wenn so Leute wie ich die Ware zu einem viel günstigeren Preis aufkaufen. Den geringen Preis gebe ich dann an meine Kunden weiter.“

Erst Kfz-Mechaniker, dann DJ und auf Märkten unterwegs

Der Verkauf lag dem 54-jährigen „Schotten“ schon immer im Blut. „Zuerst habe ich als Kfz-Mechaniker gearbeitet“, sagt er. „Nebenher habe ich als DJ gejobbt. Den Leuten was bieten – das war schon immer mein Ding.“

Schon bald habe er auf Wochenmärkten, Trödelmärkten und Kirmessen günstige Sachen verkauft – mit Entertainment: So ähnlich wie ein Marktschreier. „Ich rede gern mit den Leuten und scherze mit ihnen. Ich wollte, dass die Leute sagen: ‚Der Schotte ist da!‘“

Aus Transporter wurde Lkw, aus Garage große Lagerhalle

Das Konzept kam an. Schon bald wurde aus dem kleinen Transporter, mit dem er die Sachen beförderte, ein Lastwagen. Aus der ehemaligen Garage, wo er seine Waren lagerte, wurde eine große Lagerhalle.

Die skurrile Geschichte der Schottenscheune - und wie ihr Macher diese Preise halten kann

In der Schottenscheune gibt es „Schönen Sch... für'n kleinen Preis“, so die Werbung auf dem Lieferwagen von Hiddemann. © Uschi Bläss

„Das Leben als fliegender Händler ist aber sehr anstrengend“, sagt Hiddemann. „Eine 18-Stunden-Schicht war bei mir keine Seltenheit.“ Bald war klar, dass ein Ladenlokal her musste.

„Da ich als Merklinder wusste, dass die Aldi-Filiale schon seit 2009 leer stand, nahm ich die Verhandlungen auf“, erzählt er. 2013 ging er diesen Schritt und unterschrieb den Mietvertrag.

Die Einkaufswagen-Anekdote

Seitdem kommen täglich viele Kunden in sein Geschäft, die Schnäppchen machen wollen. „Ich beobachte manchmal Ehepaare, die den Laden ohne Einkaufswagen betreten. Wenn ich sie freundlich auffordere, sich einen Wagen zu nehmen, bekomme ich als Antwort gesagt: ‚Wir wollen nur gucken.‘ Kurze Zeit später entdecken sie dann Artikel für 39 Cent und können es kaum glauben.“ Dann fordere sie ihn auf, mal einen Einkaufswagen zu holen. „Und nicht selten ist der dann am Ende gut gefüllt“, sagt Hiddemann.

Warum seine Freunde Karsten Hiddemann den „Schotten“ nennen, hat einen frühen Ursprung: „Ich habe mein Geld nie auf einmal ausgegeben. Ich bin eher der Sparsame. Als dann der Film Highlander gezeigt wurde und der Typ in dem Film so ähnlich aussah wie ich, hatte ich meinen Spitznamen weg.“

Er kauft auch im Ausland ein und ist in der Szene bekannt

Diesen Namen hat er schnell zum Verkaufsschlager gemacht. Heute sieht er sich nicht nur in Deutschland nach günstigen Artikeln um. Er kauft auch Ware aus Holland, Belgien, Spanien und England. „Im Laufe der Zeit habe ich mir unter den Großhändlern einen Namen gemacht“, verrät er.

Das war aber ein weiter Weg. Das Motto auf seinem Lieferwagen lautet: Hier gibt es schönen Scheiß für’n kleinen Preis. „Das habe ich mir nicht selbst ausgedacht“, gibt er schmunzelnd zu. „Das hat so eine freundliche Oma auf einem Wochenmarkt immer zu mir gesagt.“

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