Die fünf letzten Termine: „Die Mitwisser“ im WLT oder der Feind an meinem Bett

Westfälisches Landestheater

Das WLT spielt „Die Mitwisser“ von Philipp Löhle: Patente Alltagshelfer erobern in dieser Parabel das Leben argloser Normalverbraucher – bis diese merken, dass es zu spät ist.

Castrop-Rauxel

, 04.02.2020, 19:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Kwants sind immer dabei: (v.l.) Guido Thurk, Mike Kühne, Franziska Ferrari, Vesna Buljevic.

Die Kwants sind immer dabei: (v.l.) Guido Thurk, Mike Kühne, Franziska Ferrari, Vesna Buljevic. © Volker Beushausen

Theo schwärmt vom neuen Hausgenossen: „Er macht, was ich wil, kann alles und weiß alles. Wahnsinn!“ Seine Begeisterung gilt „Herrn Kwant“, wie der patente Lebenshelfer sich nennt. Kwant ist ein Mittelding aus Android, Butler, Nanny, „Health Watch“ (Gesundheitsuhr) und fleischgewordener Alexa, das Philipp Löhle für sein Stück „Die Mitwisser“ ins Leben gerufen hat.

Am Samstag feierte die hintersinnige Parabel Premiere auf der Studiobühne des Westfälischen Landestheaters in Castrop-Rauxel. Ein Abend, bei dem Humor und leiser Horror sich vermählen. Der äußere Anstrich ist der einer launigen Posse (die Regisseur Markus Kopf auch im Spiel des Ensembles anlegt), doch unter der Tünche lauern Abgründe, die in eine Zukunft weisen, in der der Mensch von einer künstlichen Intelligenz aufs Abstellgleis geschoben wird.

Wer sein Leben an eine (hier biomechanische) Instanz delegiert, darf sich nicht wundern, wenn der allwissende „Herr Kwant“ fürsorglich das Regiment übernimmt und seinen Schöpfer entmündigt. Ein SciFi-Sujet, das Löhle (der vielleicht die schwedische Serie „Real Humans“ kennt) in den Alltag heutiger Normalverbraucher verlegt.

Herr Kwant kann es besser

Theo (Mike Kühne) ist ein Technikfan, der sein neues Spielzeug überall nutzt. Auch im Job als Autor eines Instituts, das Wissen in Enzyklopädien presst. Zu dumm, dass Herr Kwant (Guido Thurk) das besser kann und Theo deshalb gefeuert wird. Big Data regiert, bald sind die Kwant-Klone überall. Die Blondschöpfe tragen Shirts mit aufgedruckter Krawatte (schöne Idee von Ausstatter Manfred Kaderk) und ein serviles Grinsen (köstlich bei Thurk). Sie hocken am Bett von Theo und seiner Frau (Svenja Marija Topler), optimieren die Nachwuchsplanung, steuern die Beziehung.

Schöne neue Welt. Wo die Kwants walten, bleibt uns nur Pillepalle: Sabrina (Franziska Ferrari) wird Influencer und gibt als „Babsi Bunt“ Tipps zum Schminken. Ein Warnruf, eine Dystopie: Der Mensch schafft sich ab, Algorithmen wissen nichts vom freien Willen. Gut gespielt, fein austariert zwischen Komödienfarce und Drama, unbedingt sehenswert.

Weitere Termine: 7. / 8. / 9. / 10. / 11. 2., Karten: Tel. (02305) 978020. www.westfaelisches-landestheater.de

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