Die Hotelbranche als Sündenbock? „Das reißt einem die Sicherung raus“

dzCoronavirus in Castrop-Rauxel

Der erneute Corona-Lockdown trifft auch die Hotels in Castrop-Rauxel. Die Wut und das Unverständnis über die geplanten Maßnahmen sind groß. Vor allem ein Aspekt stößt den Hoteliers sauer auf.

Castrop-Rauxel

, 30.10.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Angst vor einem weiteren Lockdown war groß. Nun haben sich die Befürchtungen bewahrheitet. Ab dem 2. November sind neben der Schließung der Gastronomie auch Übernachtungen zu touristischen Zwecken wieder untersagt. Für die Hotelbesitzer in Castrop-Rauxel eine kaum nachvollziehbare Entscheidung.

„Das Gefühl, dass Branchen geschädigt werden sollen“

Seit Monaten kämpft die Hotelbranche ums Überleben. Gerade die Gäste, die am Wochenende nach Castrop-Rauxel kamen, um die Familie zu besuchen oder für besondere Feiern anreisten, waren eine gerne gesehene Einnahmequelle. Auch für Markus Selle. Der Betreiber des Hotels Selle an der Cottenburgschlucht hat wenig Verständnis für die jetzt getroffenen Maßnahmen.

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„Ich habe das Gefühl, dass man hier bestimmte Branchen schädigen möchte. Aufgrund der fehlenden Messen und der wenigen Veranstaltungen war ohnehin schon recht wenig los. Jetzt wird einem aber auch noch das Wochenendgeschäft genommen“, so Selle.

Zwar erwirtschafte er seit Beginn der Pandemie den größten Teil seiner Einnahmen mit dem Aufenthalt von Monteuren und Handwerkern, die unter der Woche zum Arbeiten nach Castrop-Rauxel kommen. Die vereinzelten Besucher am Wochenende seien allerdings dennoch wichtig gewesen.

Hotels auf Einhaltung der Regeln bedacht

„Diese Einnahmen durch Privatreisende waren natürlich nicht kostendeckend, aber man konnte zumindest einige Rechnungen damit bezahlen. Die jetzt verabschiedeten Regelungen reißen einem doch die Sicherungen raus“, unterstreicht der Hotelier.

Insbesondere den Umstand, dass nur einzelne Branchen heruntergefahren werden sollen, könne er nicht nachvollziehen. Darüber hinaus sei nicht erwiesen, dass die Hotels und die Gastronomie besonders zur Verbreitung des Virus beitragen. „Es gibt genaue Hygienekonzepte und gerade die Hotels sind darauf bedacht, sehr genau auf die Einhaltung zu achten“, so Selle.

Aufgrund der Stammkundschaft sei speziell sein Betrieb zwar nicht in existenzieller Gefahr, die Zukunft von Castrop-Rauxel sehe er allerdings insgesamt problematisch: „Hier brechen immer mehr Veranstaltungen und Gastronomen dauerhaft weg und die Frage ist, was dann am Ende noch in Castrop-Rauxel übrig bleibt.“

Kurzarbeit als notwendiges Mittel

Unteressen ähnelt die Situation von Markus Selle der von Hans-Joachim Schmale-Baars. Schmale-Baars ist Inhaber des Hotels Residenz an der Wittener Straße. Auch hier halten unter der Woche vor allem Monteure und reisende Handwerker das Geschäft am Laufen.

„Das klappt in den letzten Monaten ganz gut. Wir haben viele Gäste, die beispielsweise beim nahgelegenen Unternehmen Rütgers arbeiten und währenddessen bei uns unterkommen. Das sind meistens zwischen sechs und acht Zimmerbelegungen. Davon profitieren wir“, betont Schmale-Baars. Fernab der Monteure seien Besucher allerdings auch in der letzten Zeit schon eine Seltenheit gewesen.

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„Die neuen Maßnahmen führen jetzt natürlich dazu, dass wir gar keine anderen Gäste mehr haben werden. Ich habe jetzt schon vier Mitarbeiter, die derzeit in Kurzarbeit tätig sind“, so der Hotelbetreiber.

Einzig die Möglichkeit, weiterhin das dazugehörige Café und Restaurant betreiben zu können, habe dem Unternehmen zuletzt über die Runden geholfen. Dennoch bleibt Schmale-Baars auch jetzt zumindest halbwegs zuversichtlich. „Grundsätzlich ist es natürlich schwierig, aber ich bin dennoch momentan ganz zufrieden. Wir kriegen das schon hin.“

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