Urs (5. Klasse) und Leonie bei einem der Draußen-Treffen mit Schulseelsorger und Pastor Reinhard Hörmann. Der Henrichenburger fährt bis zu dreimal die Woche nach Herne zu Verabredungen mit seinen Schülern. © Andreas Kruse
Coronavirus

Die Corona-Sorgen unserer Kinder: „Ich vermisse das Schmusen mit Oma“

Reinhard Hörmann ist Schulseelsorger: Der Pastor aus Henrichenburg arbeitet an einer Schule in Herne. Er ist für die Kinder da, auch im Lockdown. Er ist in Sorge und trifft sie auf der Straße.

Wenn man Reinhard Hörmann mit „Monsignore“ anspricht, dann reagiert er mit einem verlegenen Lachen. Er ist Pastor, hat im Juni 2019 diesen Titel von Papst Franziskus aus dem Vatikan verliehen bekommen. Und es ehrt ihn ein wenig, denn auf Visitenkarten ist der Titel schon genannt.

Und doch kümmert sich der 71-Jährige lieber um die Dinge, die wirklich wichtig sind. Jetzt will er Lobbyarbeit für die Kinder machen. Denn er macht sich große Sorgen um sie, und das hat mit der Corona-Pandemie zu tun. „Auf einmal kommen sie alle und sagen ‚Unsere armen Kinder‘“, sagt Reinhard Hörmann, als wir mit ihm telefonieren. Jetzt lese man in den Medien rauf und runter, dass der Lockdown und die nun schon lange andauernden Kontaktbeschränkungen die Kinder belaste. „Aber wer hat vergangenes Jahr an sie gedacht?“

So speziell wie keine andere Phase zuvor

Er selbst denke viel an die Kinder. Schon „von Berufs wegen“, wobei man hier eher Beruf durch Ehrenamt ersetzen müsste. Denn Hörmann, der in der Pfarrei Corpus Christi in den Kirchen im Castrop-Rauxeler Norden manch eine Messe liest, ist seit 27 Jahren Schulseelsorger am Haranni-Gymnasium in Herne. Er empfindet die Situation auch als besonders, so speziell wie keine andere Phase in diesen fast drei Dekaden.

Er erinnere sich noch gut daran, als er sich vor den verfrühten Weihnachtsferien Mitte Dezember 2020 über den Schullautsprecher von allen Schülern und Kollegen sowie von allen anderen an der Schule Beschäftigten mit guten Wünschen und der Hoffnung auf ein gesundes Wiedersehen verabschiedete. Das ist nun deutlich mehr als zwei Monate her.

Wenn die Schüler auch wüssten, wie sie ihn bei Bedarf telefonisch, per SMS oder E-Mail erreichen können: Es könne das tägliche Miteinander nicht ersetzen. „Nicht wenige Schüler leiden darunter“, sagt er, „weil ihnen der Klassenkamerad oder die Banknachbarin, ja sogar die Lehrkräfte fehlen“.

Treffen auf Abstand auf der Herner Einkaufsstraße

Er selbst geht deshalb raus. Nach wie vor. Um die „digitale Begegnung“ in eine konkrete umzuwandeln, ist er bis zu dreimal in der Woche in Herne, um sich nach telefonischer Verabredung mit Mädchen und Jungen, mit Erlaubnis ihrer Eltern, auf der Herner Einkaufsmeile Bahnhofstraße zu treffen. Mit Abstand und Maske. Um sich Ängste, aber auch Freude anzuhören und bei Bedarf Mut zuzusprechen.

Manche Schüler trifft er, wenn er in einer Herner Kirche die Messe liest. Gerne bringen die Kinder dann Eltern und Geschwister mit. „Diese Möglichkeit des Sich-sehen-Könnens tut ihnen wie auch mir gut“, sagt der Schulseelsorger.

Urs hat seine Corona-Gedanken aufgeschrieben

Schüler Urs aus der 5. Klasse übergab am Samstag bei einem Treffen vor der Piuskirche in Pantringshof zusammen mit Leonie einige Gedanken an Hörmann, die er vorher aufgeschrieben hatte.

„Was mir in dieser komischen Zeit fehlt und wie ich mich dabei fühle“, stand oben drüber. Und dann: „Seit einem Jahr schränkt mich (uns) das Virus ein. Am meisten vermisse ich die Umarmungen und das Schmusen mit meinen Omas, alle Aktivitäten mit Gleichaltrigen in der Schule, der Gemeinde, in den Sportvereinen und in der gesamten Freizeit. Es sind Sachen, die nur mit mehreren oder in der Gruppe Spaß machen, so wie der eine oder andere Streich, den man sich spielt. Egal wo, wir halten Abstand.

Das müssen wir auch, damit das hoffentlich bald vorbei ist. Nur zu Hause, in der Familie, da sind wir zusammen und das ist auch schön. Hier unternehmen wir sehr viel, aber es ist anders als mit meinen Schulkameraden und Kollegen. Ich freue mich darauf, wieder viel Zeit mit meinen Freunden zu verbringen.“

Hörmann hat das bewegt. Er sagt: „Drücken wir die Daumen, dass die Wünsche und Träume der jungen Menschen bald wieder erfüllt werden.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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