Zeigten sich am Mittwochabend (25.11.) zufrieden mit den neuen Corona-Beschlüssen: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (l.), Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. © picture alliance/dpa
Meinung

Die Corona-Beschlüsse reichen nicht. Die Städte müssen mehr tun – und wir auch

Tagelang haben wir auf neue Corona-Beschlüsse gewartet. Herausgekommen ist für uns in NRW nichts wirklich Neues. Umso wichtiger sind nun Kontrollen – und unser eigenes Verhalten.

Wer sich am Mittwoch die Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu den neuen Corona-Beschlüssen angehört hat, muss alsbald geglaubt haben, er habe im Laufe der knappen halben Stunde irgendwas verpasst.

Das sollte das Ergebnis von Verhandlungen sein, auf deren Ergebnis die Castrop-Rauxeler und alle Menschen in Deutschland seit Tagen gewartet hatten?

Schaut man sich die Resultate an, so lässt sich ziemlich sicher sagen: In NRW wird sich in den kommenden Wochen kaum etwas im Vergleich zum November ändern.

Wer hätte mit weniger gerechnet?

Sicherlich: Wenn die Landesregierung die Beschlüsse 1:1 umsetzt, bleiben Restaurants und Kneipen geschlossen, das WLT wird auch seine nächste Premiere, geplant für den 12. Dezember, absagen.

Auch in Bochum oder Dortmund können wir keine Theater-Aufführungen, keine Konzerte, keine Fußballspiele besuchen. Sportvereine dürfen weiterhin nicht trainieren, wir müssen weiter in der Fußgängerzone Maske tragen.

Aber hätte irgend jemand angesichts der Zahlen in Castrop-Rauxel und überall in der Umgebung erwartet, dass irgendetwas davon im Dezember möglich wäre? Eine rhetorische Frage.

Die Verschärfungen der Maßnahmen mögen anderswo spürbar sein, in Castrop-Rauxel sind sie es nicht: Unsere Kinder tragen an weiterführenden Schulen ohnehin Masken. Läden mit mehr als 800 Quadratmetern, in die künftig weniger Kunden dürfen, gibt es in Castrop-Rauxel kaum.

Und ob sich in den vergangenen Wochen so oft mehr als 5 Menschen über 14 Jahre aus nur 2 Haushalten auf der Straße getroffen haben, dass das neue Verbot solcher Treffen viel bringt? Nun ja …

Mögliche Verschärfungen sind nicht beschlossen worden

Viele mögliche Verschärfungen sind dagegen nicht beschlossen worden: Für Grundschüler soll es wohl weiterhin keine Maskenpflicht geben. Digitalen Schulunterricht aus der Ferne, das sogenannte Home-Schooling, soll es frühestens ab Klasse 8 geben – und auch das nur in Ausnahmefällen. Alle Läden, die bislang öffnen durften, dürfen dies weiterhin tun. In Bus und Bahn kommt man sich weiter sehr nah.

Ob die Beschlüsse reichen? Skepsis ist angebracht. Die aktuellen Beschränkungen gelten seit 23 Tagen. Und trotzdem haben sich in den vergangenen 7 Tagen hochgerechnet auf 100.000 Einwohner mehr als 150 Castrop-Rauxeler mit Corona infiziert: mehr als drei Mal so viele wie der magische Wert 50, bei dem Lockerungen möglich sein sollen. Der Kreis-Wert liegt sogar bei über 200 (Stand 25. November).

Die neuen Regeln werden nicht ausreichen

Die neuen Regeln allein werden wohl nicht ausreichen, um die Inzidenz unter 50 zu drücken. Und das wiederum bedeutet zweierlei. Erstens: Es liegt an uns. Nur wenn wir, wir alle, uns diszipliniert an Verbote, Gebote, Empfehlungen der Politiker halten, wird sich die Zahl der Infizierten nach unten bewegen.

Das ist der Appell an die Menschen. Ein zweiter Appell richtet sich an den Staat selbst, in unserem Fall an die Stadt Castrop-Rauxel, an den Kreis Recklinghausen. Auch sie müssen mehr dafür tun, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Sind morgens und mittags wirklich alle Busse unterwegs, um Schulkinder zu transportieren und das Gedränge zu verringern? Setzen die Städte dafür zum Beispiel private Reisebusse ein und bezahlen die Bus-Unternehmer?

Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um an Schulen so schnell wie möglich für saubere Luft zu sorgen? Wird wirklich alles Menschenmögliche getan, um Menschen unter Corona-Verdacht schnell zu testen und die Tests schnell auszuwerten? Können Schnelltests wirklich nicht viel häufiger eingesetzt werden, um Risiken zu minimieren? Wird überall so rigoros kontrolliert, wie es nötig wäre?

Ich habe Zweifel, dass sich alle diese Fragen mit Ja beantworten lassen. Das muss sich ändern. Sonst werden wir von einem unbeschwerten Weihnachten viel weiter entfernt sein, als es sich Merkel, Müller, Söder, als wir alle uns das wünschen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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