Ganz genau schauen viele Leute hin: Wie weit darf ich mich noch von zu Hause wegbewegen? Unser Autor meint: Die 15-Kilometer-Regelung wird in der Pandemie-Bekämpfung rein gar nichts bringen. © Grafik Klose / Sauerland
Meinung

Die 15-Kilometer-Regel bringt im Kampf gegen das Coronavirus gar nichts

Die 15-Kilometer-Regel für den Kreis Recklinghausen wird wirkungslos verpuffen. Wenn der Staat die Ausbreitung des Coronavirus stärker bekämpfen wollte, müssten strengere Maßnahmen her.

Nun also doch: Nach einem tagelangen Hin und Her hat die Landesregierung die Freizügigkeit der Bewohner des Kreises Recklinghausen und damit aller Castrop-Rauxeler eingeschränkt. Die Kreisverwaltung selbst hatte einen Beschluss zuvor tagelang vor sich hergeschoben.

Fakt ist: Es ist definitiv nötig, etwas zu tun! Obwohl Gaststätten und vieles andere mehr seit dem 2. November geschlossen sind, obwohl der Sport-Betrieb ruht, die meisten Kinder seit dem 11. Dezember nicht mehr in die Schule oder Kita gehen, obwohl viele Menschen Urlaub hatten und immer mehr Bewohner von Pflegeheimen geimpft sind, gehen die Infektionszahlen im Kreis nicht nur nicht nach unten, sondern sie steigen.

„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“

Doch was die Landesregierung am Montagabend beschlossen hat, muss man leider unter dem alten Sprichwort „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ zusammenfassen. Und das aus mehreren Gründen. Es fängt damit an, wie groß das Gebiet ist, in dem ich mich als Castrop-Rauxeler bewegen darf. Beschränkt wird mein Bewegungsradius ja nicht nur auf die 15 Kilometer rund um die Stadtgrenzen, sondern zusätzlich auf das ganze Kreisgebiet.

Selbst die 15 Kilometer reichen schon, um von Castrop-Rauxel fast sämtliche Adressen in Bochum, Dortmund und Witten zu erreichen. Gefühlt dürfte ich also mit ca. zwei Millionen Menschen in Kontakt kommen. Und trotzdem gibt es weitere Ausnahmen, die das Ganze ad absurdum führen: Denn wegen eines Arztbesuchs, für den Einkauf, wegen des Berufs oder wegen des Besuchs bei „engen Verwandten“ darf ich die 15-Kilometer-Regel brechen.

15-Kilometer-Regel kann nicht kontrolliert werden

Kontrollierbar ist all das außerdem nicht. De facto wird die 15-Kilometer-Grenze wahrscheinlich genau die Menschen beeindrucken, die sich ohnehin an die Corona-Regeln halten, und diejenigen, die Schlupflöcher suchen, ziemlich kalt lassen.

Zusammengefasst: Wegen der 15-Kilometer-Regel werden die Infizierten-Zahlen nicht zurückgehen.

Hätte der Kreis oder das Land wirklich etwas tun wollen, wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, wirklich radikale Einschnitte vorzunehmen: Wenn man es richtig ernst meint – warum dürfen dann weiter Läden öffnen, die nicht 100 Prozent notwendig für den täglichen Bedarf sind? Warum werden nicht Öffnungszeiten von Supermärkten begrenzt? Warum wird den Supermärkten nicht nur noch der Verkauf von Lebensmitteln erlaubt?

Härtere Maßnahmen wären notwendig – oder gar keine

Warum werden Unternehmen nicht für eine Woche oder zwei verpflichtet, ihre Mitarbeiter nur noch im Home Office arbeiten zu lassen, es sei denn, eine Sondergenehmigung würde das Erscheinen am Arbeitsplatz erlauben? Warum verbietet der Staat keine Gottesdienste, wenn er denkt, dass das Infiziertenzahlen senken würde? Warum wird nicht noch mal alles an Personal zusammengekratzt, um Kontrollen zu verstärken?

Natürlich, manche dieser Maßnahmen würden noch einmal staatliche Unterstützung für Unternehmen nach sich ziehen und viel Geld kosten. Aber die Kosten für die Folgen der immer weiter andauernden Pandemie und das Leiden derer, die in ihrer Berufsausübung seit Anfang November oder sogar seit vergangenem März eingeschränkt sind, sind wahrscheinlich deutlich höher.

Machen wir uns ehrlich: Aktuell brauchen wir entweder radikale Maßnahmen – oder wir können alles gleich so weiter laufen lassen wie in den vergangenen Wochen. Unkontrollierbares Wischiwaschi dazwischen brauchen wir definitiv nicht.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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