In Henrichenburg soll ein Pendlerparkplatz im Bereich der A2-Auffahrt entstehen. Aber die Planung verschlingt weitere Jahre. © picture alliance/dpa
Meinung

Deutscher Planungsirrsinn wird deutlich an einem simplen Parkplatz

Der deutsche Planungsirrsinn wird an einem Parkplatz deutlich gemacht. Eine Verwaltungsvorlage hat unserem Autoren die Augen geöffnet für wahrhaft wunderliche Dinge. Ein Kommentar.

Jetzt weiß ich endlich, warum wir in Deutschland solche Probleme mit der Bewältigung der Corona-Pandemie haben, obwohl wir weltweit doch als Organisationsweltmeister gelten, immer pünktlich sind und die DIN-Norm erfunden haben: Eben wegen dieser „Tugenden“ können wir einfach nicht spontan, schnell und ohne siebenmaliges Formblatt-Ausfüllen organisieren.

Woher ich das weiß? Das hat mich die neueste Vorlage der Stadtverwaltung Castrop-Rauxel zum seit Jahren heiß ersehnten Pendlerparkplatz in Henrichenburg gelehrt. Dieser Vorlage ist alles zu entnehmen, was uns Deutsche ausmacht, warum wir nicht „mal eben“ etwas regeln können, ohne einen Bürokratie-Rattenschwanz orgiastischen Ausmaßes loszutreten.

Denn wer etwa gedacht hätte, dass 2019 der entscheidende Schritt zum Pendlerparkplatz gegangen worden sei, als der Landesbetrieb Straßen.NRW das grüne Umweltlicht gab, der hat sich mal so richtig darin getäuscht, was wir Deutsche noch so an Vor-, Haupt-, Neben- und sonstigen Planungen in der Hinterhand haben.

Es gab schon zig Planungsschritte zuvor

Denn wie wir jetzt erfahren, haben wir noch immer schlappe zwei Jahre, also 24 Monate (in Worten: Vierundzwanzig Monate) vor uns, um alle nötigen weiteren Planungsschritte abzuarbeiten. Denen in den vergangenen Jahren bereits Dutzende Planungsschritte vorausgegangen sind.

So müssen drei verschiedene Parkplatz-Szenarien erstellt und nahezu unaussprechliche weitere Planungserfordernisse von diversesten Behörden abgearbeitet werden, um dann eines Tages einen Parkplatz anlegen zu können. Also kein Wunderwerk der Technik, kein hochkomplexes Hochhaus, kein anspruchsvolles Brückenbauwerk, sondern nur einen PARKPLATZ. Ja, spinne ich denn?

Ein Schallgutachten nahe der Autobahn

Dafür muss man natürlich Probebohrungen machen. Okay. Dafür braucht es ein Schallgutachten. Hallo? Das Ding liegt quasi neben der Autobahn an der B235, wo die Pendler heute schon wie verrückt parken. Und dann muss man jetzt den Schall untersuchen, der vom Parkplatz ausgeht?

Kein Wunder dann, dass eine Rathaus-Sanierung eine ganze Dekade lang vorbereitet werden muss. Und ein Wunder hingegen, dass der Berliner Flughafen überhaupt jemals fertig geworden ist. Aber wenn schon ein Parkplatz ungefähr fünf Jahre Planung und dann noch XX Monate Bauzeit schluckt, darf mich eigentlich nichts mehr wundern.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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