Das Café Residenz an der Wittener Straße wird bald wohl für immer schließen. © Café Residenz
Meinung

Der schmerzhafte Verlust eines Stücks Castroper Tradition

Mit der Schließung der Residenz geht in Castrop-Rauxel eine Ära zu Ende. Wenn ein Stück „gute alte Zeit“ wegbricht, ist man wehmütig. In Zeiten wie diesen ist das Verlustgefühl noch stärker.

Diese Nachricht trifft Castrop-Rauxels Gastronomie-Landschaft zur Unzeit. Noch wenige Tage, dann ist das Café/Restaurant/Hotel Residenz Geschichte. Nach fast 36 Jahren wird es an der Wittener Straße 34 weder den gediegenen Mittagstisch noch Pralinen oder Torten mehr geben.

Auch wenn Inhaber Hans-Joachim Schmale-Baars darauf hofft, dass aus dem endgültigen Aus irgendwann vielleicht doch nur ein vorübergehendes wird und sich nach Corona noch ein Nachfolger findet: Allzu gut stehen die Chancen wohl nicht.

Wenn ein Café einmal schließt, suchen sich die Menschen Alternativen und kaufen ihre Torten woanders – oder im schlimmsten Falle gar nicht mehr. Sollte die Residenz dereinst unter neuer Ägide und mit sicherlich anderer Karte wieder öffnen, wird sie einfach nicht mehr die gleiche sein wie seit 1985 unter Führung von Hans-Joachim Schmale-Baars.

Ob Corona schuld war oder nicht, ist zweitrangig

Ob die Schließung der Residenz nun dem Coronavirus geschuldet ist oder ob Corona das Ende nur beschleunigt hat, wie Schmale-Baars es im Gespräch mit unserer Redaktion mehr als nur angedeutet hat, spielt bei einem Haus wie der Residenz im Grunde keine Rolle.

Cafés und Restaurants kommen und gehen, das ist heutzutage ganz normal. Die Schließung irgendeiner Gastronomie in Castrop-Rauxel wäre zwar eine Nachricht, aber keine ganz große.

Doch mit der Residenz geht nun einmal nicht irgendein austauschbares Lokal. Sie ist ein Stück Seele der Altstadt, edel, in einem schönen Gebäude gelegen. Wichtiger noch ist, dass mit ihr viele Castrop-Rauxeler teils intensive Erinnerungen verbinden: an die Kommunionfeier der Kinder (oder an die eigene), an Hochzeitsgesellschaften, runde Geburtstage oder einfach an schöne Abende mit Kabarettisten oder schöner Musik. Kurz, an vieles, was es in den vergangenen zehn Monaten kaum oder zumindest nicht risikofrei gegeben hat und was es in der näheren Zukunft auch nicht geben wird.

Die Gewissheit, dass der Altstadt, dass Castrop-Rauxel mit der Schließung der Residenz etwas unwiederbringlich verlorengeht und dass man sich nicht einmal standesgemäß mit einem ordentlichen Kaffeeklatsch sonntags um zwei von dem Ort der schönen Erinnerungen verabschieden kann, wird den Abschied für viele treue Stammgäste noch schwerer machen.

Nicht vergessen dürfen wir, dass es für die meisten von uns nur um Erinnerungen geht. Schlimmer dran sind die Angestellten, die lange gehofft haben dürften und nun ihren Arbeitsplatz verlieren. Ihnen vor allem ist zu wünschen, dass sie schnell wieder irgendwo unterkommen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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