Der 1000-Hunte-Hunter Horst Timm: Mit dem Fahrrad zu allen Grubenwagen

dzKuriose Sammelleidenschaft

Horst Timm ist seit seiner Pensionierung im Sammelfieber. Der Castrop-Rauxeler „sammelt“ Grubenwagen. Bei 750 war er schon, immer mit dem Rad. Nun hat er sich einen speziellen Wunsch erfüllt.

Castrop-Rauxel

, 17.05.2020, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er war Lehrer für Mathe und Kunst an der Willy-Brandt-Gesamtschule. Jetzt ist Horst Timm im Ruhestand. Seit Jahresanfang tourt der Castrop-Rauxeler, der mit seiner Frau Dorothea auf Schwerin lebt, mit einem gelben Fahrrad durchs Ruhrgebiet und Rheinland. Er ist auf der Jagd nach Grubenwagen.

Dorothea Timm unterstützt ihren Ehemann Horst dabei: Oft holt sie ihn ab, wenn er bis zu 20 Grubenwagen-Standorte mit dem Fahrrad angesteuert hat - von Castrop-Rauxel bis zum Niederrhein.

Dorothea Timm unterstützt ihren Ehemann Horst dabei: Oft holt sie ihn ab, wenn er bis zu 20 Grubenwagen-Standorte mit dem Fahrrad angesteuert hat - von Castrop-Rauxel bis zum Niederrhein. © Tobias Weckenbrock

Im Spaß hat ihn ein Bekannter mit demselben Hobby schon als „Hunte-Hunter“ bezeichnet - wie sich selbst. Martin Holtappels ist der Bekannte. Den ehemaligen Fotografen des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe, stationiert auf Zeche Zollern in Bövinghausen, lernte er nämlich über genau diese Leidenschaft kennen.

Ohne elektrische Unterstützung

Horst Timm ist leidenschaftlicher Radfahrer. Vor eineinhalb Jahren kaufte er sich sein gelbes Velo-de-Ville-Trekkingrad. Seither ist er damit 15.000 Kilometer geradelt - ohne elektrische Unterstützung. Er fing an mit einer kleinen kuriosen „Sammelleidenschaft“: Sein Ziel war es, alle Straßen in Castrop-Rauxel an- und abzufahren.

In Bildbänden sammelt er die Grubenwagen, die er stets fotografiert, kartiert und durchnummeriert. Hier zeigt ein eines seiner Lieblings-Exemplare, gefunden in Recklinghausen-Hochlarmark. Im Innern hat der Besitzer eine Kohlegrube nachgebaut.

In Bildbänden sammelt er die Grubenwagen, die er stets fotografiert, kartiert und durchnummeriert. Hier zeigt ein eines seiner Lieblings-Exemplare, gefunden in Recklinghausen-Hochlarmark. Im Innern hat der Besitzer eine Kohlegrube nachgebaut. © Tobias Weckenbrock

Als Timm das hinter sich hatte, begann er, die Halden des Ruhrgebiets in den Fokus zu nehmen: Die auf Schwerin mit der Sonnenuhr lag um die Ecke, aber er nahm sich auch weiter entfernte vor, auch auf der anderen Seite des Rheins. Immer nahm er dabei für eine Strecke das Fahrrad. Auf dem Rückweg ließ er sich gern auch mal von seiner Frau mit dem Auto abholen.

Das Fahrrad hat Horst Timm seit anderthalb Jahren. Es hat ihn, allein mit seiner Muskelkraft, schon 15.000 Kilometer weit getragen.

Das Fahrrad hat Horst Timm seit anderthalb Jahren. Es hat ihn, allein mit seiner Muskelkraft, schon 15.000 Kilometer weit getragen. © Tobias Weckenbrock

Seit Anfang dieses Jahres ist sein Ziel, alle Grubenwagen anzusteuern. Und das sind viele: Mehr als 1270 der im Volksmund auch oft (fälschlich) Lore genannten Kohleförderwagen stehen laut einer aufwändigen Kartierung des inzwischen ebenfalls im Ruhestand befindlichen LWL-Fotografen Holtappels im Ruhrgebiet, Rheinland, Sauerland und rund um das Kohlerevier im Teutoburger Wald bei Ibbenbüren. Und einer auf Borkum. 55 sind es allein in Castrop-Rauxel, berichtet Timm.

„Nach Weihnachten habe ich damit angefangen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. In seiner eigenen Liste hatte er zunächst 300 Exemplare. Dann stieß er übers Internet auf die LWL-Karte von Holtappels, staunte und hatte plötzlich ein viel ehrgeizigeres Ziel als gedacht.

Timm konnte zur LWL-Karte beitragen

Er trug aber mit seinen 300 Standorten dazu bei, dass Martin Holtappels noch etwa 70 Grubenwagen für seine Karte zusätzlich bekam, die er vorher nicht gekannt hatte. Das besprach man bei der Eröffnung der Ausstellung Revierfolklore im Spätwinter auf Zeche Zollern, kurz, bevor das Coronavirus solche Treffen unmöglich machte.

Horst Timm plant seine Touren analog auf Karten aus diesem Atlas. Dann konzipiert er seine Routen und gibt sie in einen Fahrrad-Routenplaner ein. Der begleitet ihn dann auf seiner Tour mit dem gelben Trekking-Rad.

Horst Timm plant seine Touren analog auf Karten aus diesem Atlas. Dann konzipiert er seine Routen und gibt sie in einen Fahrrad-Routenplaner ein. Der begleitet ihn dann auf seiner Tour mit dem gelben Trekking-Rad. © Tobias Weckenbrock

Seit der Weihnachtszeit plant Horst Timm seine Routen. Anfangs musste er nicht weit fahren und machte täglich eine Tour, dann wurden die Fahrten weiter und er beschränkte sich auf jeden zweiten Tag. Denn die Planung wurde aufwändiger: „Das macht auch Spaß, sich genau zu überlegen, welche Route man fährt, um möglichst viele Standorte an einem Tag zu schaffen“, sagt er. Bis zu 20 schaffe er, mehr gehe nicht. Seine weiteste Tour war 80 Kilometer lang.

Überall, wo Horst Timm auf einen Grubenwagen stößt, fotografiert er ihn für sein Logbuch. Zwei solcher Logbücher, die er als Fotobücher entwickelt, sind fertig - mit je 250 Förderwagen. Das dritte ist auch digital so gut wie voll und kurz vor dem Absenden. Bis zum Herbst will er 1000 Hunte gesehen haben.

Seit Mitte Mai hat Horst Timm nun auch seinen eigenen „Hunt“: Er wird bald angemalt und dann seinen Vorgarten am Ginsterweg auf Schwerin zieren.

Seit Mitte Mai hat Horst Timm nun auch seinen eigenen „Hunt“: Er wird bald angemalt und dann seinen Vorgarten am Ginsterweg auf Schwerin zieren. © Tobias Weckenbrock

Jetzt hat er sich aber noch einen sehnlichen Wunsch erfüllt: Am Montag wurde sein eigener Grubenwagen angeliefert. Gekauft hat er ihn bei ebay Kleinanzeigen, investierte inklusive Transport 850 Euro und wird ihn in den Vorgarten stellen.

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Sein Sohn wird ihn vorher noch bemalen: mit den Pütts, in die der Vater von Horst Timm, ein Bergmann aus Norddeutschland, eingefahren ist - unter anderem Victor 3/4. Sein Vater starb 2005. Jetzt bekommt er ein Andenken: Grubenwagen Nummer 56 für Castrop-Rauxel und Nummer 1271 für Martin Holtappels.

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