„Das mache ich nicht noch mal“ – Castrop-Rauxeler fährt „Tour der Leiden“

dzRennrad-Tour

„Tour der Leiden“, nennt Manfred Spruch das, was er mit zwei Freunden auf dem Rennrad abgerissen hat. Den Weg ans Meer in den Niederlanden gestalteten auch ein paar Begleiter noch schmerzhafter.

Castrop-Rauxel

, 28.06.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zahlen sprechen manchmal eine eindeutige Sprache. Übersetzt man die Sprache, die 280 Kilometer in 9 Stunden und 20 Minuten sprechen, reichen drei Buchstaben, um die Bedeutung auszudrücken: Aua. Natürlich nur, wenn man auch auf das Fortbewegungsmittel hinweist. Das ist in dem Fall ein Rennrad.

Diese Strecke hat Manfred Spruch am Donnerstag (18. Juni) auf dem Rad zurückgelegt. Ziel war eine Hütte am Ijsselmeer, dort wartete sein Gepäck auf ihn. Am Sonntagmorgen darauf ging es dann die gleiche Strecke mit ein paar Kilometern Abweichung und einer halben Stunde Fahrtzeit mehr wieder zurück.

30 Kilometer im Durchschnitt

Das ist ein Schnitt von fast 30 Kilometern pro Stunde. „Das war keine Bummelfahrt“, sagt Spruch. „Tour der Leiden“ nennt er die Fahrt, die er mit seinen Freunden Stefan Faßbender und Dieter Sykora bestritten hat.

„Das mache ich nicht noch mal. Das tat schon richtig weh“, erzählt der 52-Jährige. „Als ich auf dem Rückweg das erste Mal in die Pedale getreten habe, dachte ich nur: Ach, du meine Güte. Und dann kam auch noch ein seitlicher Gegenwind hinzu.“ Auf der Rückfahrt hätten die drei Freunde auch kaum noch miteinander geredet. „Hat einer einen falschen Piep gemacht, gab es Ärger“, sagt Spruch und lacht.

„Das ist keine Strecke, die man mal eben so fahren kann“, erzählt der 52-Jährige. „Das war auch vorher viel Arbeit.“ Viel Rad gefahren ist Manfred Spruch schon immer, längere Zeit auch in Kombination mit Schwimmen und Radfahren. Als irgendwann die Bandscheiben weh taten, ließ er das mit dem Triathlon und war fortan nur noch auf dem Rad unterwegs. Vor der Tour zum Ijsselmeer hat Spruch sechs Monate trainiert. Drei Monate lang, drei mal die Woche auf der Rolle. Danach 200 bis 350 Kilometer pro Woche draußen.

Zu den Schmerzen in den Beinen kommen noch die Mücken

Die 280 Kilometer am Stück waren aber noch mal eine andere Hausnummer. Die Radfahrer versorgen sich mit isotonischen Getränken, Trinkgels und Riegeln. „Bei so einer Strecke musst du die Speicher immer wieder auffüllen, sonst geht der Ofen aus“, sagt Spruch.

Jetzt lesen

Zu den Schmerzen in den Beinen kamen die am Gesäß. Die kamen aber nicht vom Sattel, sondern von den Mücken auf dem Hinweg. Der Weg über die 26 Kilometer lange Brücke von Lelystadt nach Broekerhaven wurde durchgängig von den Insekten begleitet.

„Ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Es war schon eine besondere Erfahrung, das geschafft zu haben“, sagt Manfred Spruch. „Zwei bis drei Stunden Radfahren reicht mir in Zukunft wieder. Aber immerhin kann ich jetzt ein bisschen angeben, dass ich mal 280 Kilometer am Stück gefahren bin“, ergänzt er und lacht.

Lesen Sie jetzt