Vorsicht vor Fallen und Tricks: Das ist beim DSL-Vertrag für die Studentenwohnung wichtig

dzSerie: Leonie zieht aus

Kein WLAN in der Wohnung? Unvorstellbar. Leonie Singer braucht für ihre Studenten-WG einen DSL-Vertrag. Doch worauf muss man dabei achten? Rose Sommer von der Verbraucherzentrale berät.

Castrop-Rauxel

, 23.07.2019, 17:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die erste eigene Wohnung bedeutet auch: der erste eigene DSL-Vertrag für Telefon und Internet. Doch wie findet man den richtigen Tarif und worauf muss man bei den Verträgen achten? Rose Sommer, Chefin der örtlichen Verbraucherzentrale, gibt Tipps für Leonie Singer, die ab Oktober mit einer Freundin zusammenzieht.

Für die Freundinnen ist es die erste eigene Wohnung, der Schritt raus aus dem Elternhaus. Auf Internet wollen sie dort natürlich nicht verzichten. Den Überblick im Tarifdschungel zu bekommen, ist nicht einfach. „Man kann Vergleichsportale nutzen, aber man muss dabei aufmerksam sein“, sagt Rose Sommer.

Vorsicht vor Fallen und Tricks: Das ist beim DSL-Vertrag für die Studentenwohnung wichtig

Wer auszieht, muss sich meist um einen DSL-Vertrag kümmern. Hier lauern Fallen. Die Verbraucherzentrale kennt sie. © picture alliance / dpa

Denn dort ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Wichtig ist: Mehr als 24 Monate Vertragslaufzeit sind nicht erlaubt, die zwei Jahre sind aber üblich. In den Vergleichsportalen sei häufig der Durchschnittspreis, den es monatlich zu zahlen gilt, angegeben. „Da werden dann mögliche Boni und Freimonate eingerechnet“, sagt Rose Sommer. „Das entspricht dann aber nicht dem Preis, den man tatsächlich monatlich bezahlen muss.“

Und der Unterschied kann beachtlich sein. Der angegebene Durchschnittspreis von 11,97 Euro wird dann schnell zu 27 Euro. Vor allem für Studenten mit knappem Budget ein Problem. Manche Unternehmen bieten Rabatte für Azubis und Studenten an.

Auch für den Router, den das Telekommunikationsunternehmen zur Verfügung stellt, wird manchmal eine Gebühr fällig - entweder als monatliche Rate, oder als Einmalzahlung.

Vergleichsportale kritisch hinterfragen

Die Verbraucherzentrale sieht Vergleichsportale aber noch aus einem anderen Grund kritisch: „Sie sind nicht objektikv“, sagt Rose Sommer. „Sie bekommen Provision von den Anbietern.“

Also dann lieber nicht im Internet buchen, sondern sich im Shop um die Ecke beraten lassen, um auf Nummer sicher zu gehen? Schwierig, so Rose Sommer. „Denn dort gibt es kein Widerrufsrecht für abgeschlossene Verträge.“ Das gibt es nur für Verträge, die am Telefon oder im Internet geschlossen wurden (Fernabsatzgesetz). „Da gibt es dann keine Handhabe, die Verbraucher wieder aus den Verträgen zu holen“, so Sommer.

Vorsicht vor Fallen und Tricks: Das ist beim DSL-Vertrag für die Studentenwohnung wichtig

Rose Sommer von der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW in Castrop-Rauxel berät zu DSL-Verträgen. © Tobias Weckenbrock

Wichtig ist: „Man sollte sich als Kunde immer das Produktinformationsblatt ansehen“, sagt Rose Sommer. Darin enthalten sind Informationen zur Leistung, die der Kunde erhält, zur Kündigungsfrist und zur Laufzeit. Das Infoblatt muss im Shop ausgehändigt werden. „Unser Test hat aber gezeigt, dass das selbst auf Nachfrage nicht immer passiert“, so Sommer.

Diese Vertragsfallen gibt es

Häufig werde mit Kampfpreisen geworben. Die gelten nur für einen bestimmten Zeitraum. Danach werde der Vertrag deutlich teurer. „In der Regel zahlt der Kunde im ersten Vertragsjahr deutlich weniger als im zweiten“, so Sommer. „Doch das ist ihm bei Vertragsabschluss nicht immer bewusst.“

Und was ist, wenn mir eine schnelle Leitung versprochen wurde, die aber gar nicht bei mir ankommt? Auf der Homepage der Bundesnetzagentur kann man eine Breitbandmessung durchführen. „Dazu sollte man aber mindestens 20 Messungen an zwei Tagen machen, damit sie Aussagekraft haben“, sagt Rose Sommer. Zeigt das Protokoll, dass die Leitung deutlich langsamer ist als versprochen und nicht nachgebessert werden kann, hat der Kunde ein außerordentliches Kündigungsrecht.

Rechnung genau prüfen

Meistens bekommt der Kunde die Rechnung per E-Mail oder kann sie in einem Online-Portal abrufen. Rose Sommer rät dazu, sie jeden Monat zu prüfen, vor allem wenn man keine Drittanbietersperre hat. „Diese Abodienste fangen oft mit kleinen Beträgen an, die nicht sofort auffallen“, so Sommer.

Innerhalb von acht Wochen kann man schriftlich Einspruch gegen die Rechnung erheben. Einen kostenlosen Einzelverbindungsnachweis anzufordern, sei ebenfalls hilfreich. Die Rechnungen sollte man inklusive Zahlungsnachweis vier Jahre lang aufbewahren.

NEUER RATGEBER DER VERBRAUCHERZENTRALE

Die Verbraucherzentrale bietet den Ratgeber „Ausbildung und Studium. Geld, Recht, Versicherungen in einer spannenden Zeit“ an. Er kostet 16,90 Euro und ist in der VZ, Mühlengasse 4, erhältlich.

Vorsicht bei Umzug

„Bei einem Umzug war es jahrelang so, dass Verträge weiterlaufen, wenn man zusammengezogen ist“, sagt Rose Sommer. Mittlerweile kann man den Vertrag zu den alten Konditionen (Tarif und Laufzeit) mit in die neue Wohnung nehmen. Am neuen Wohnort hat man dann drei Monate Kündigungsfrist. Zwei Verträge laufen also höchstens drei Monate parallel. Kann der Anbieter am neuen Wohnort nicht das leisten, was er vorher leisten konnte, hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. „Wir haben hier immer wieder Leute, die plötzlich zwei Verträge haben und doppelt bezahlen“, sagt Rose Sommer.

Leonie Singer hat bislang keinen Vertrag, auch nicht für ihr Handy. „Dazu raten wir auch“, sagt Rose Sommer. Die meisten Kunden würden Verträge abschließen, weil sie ein teures Handy dazubekommen. „Das ist aber nicht immer günstiger. Das sollte man genau durchrechnen.“

In einer WG wie bei Leonie Singer schließt ein Bewohner den DSL-Vertrag ab. Der ist dann auch haftbar. Zieht dieser aus, muss der Vertrag überschrieben werden.

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Leonie Singer will ab Oktober in Duisburg studieren. © Ann-Kathrin Gumpert

Das ist Leonie Singer

Leonie Singer ist 18 Jahre alt und hat im Sommer ihr Abitur am Ernst-Barlach-Gymnasium gemacht. Ab Oktober will sie in Duisburg Soziale Arbeit und Politikwissenschaften studieren. Dafür zieht sie mit einer Freundin zusammen in eine WG, die erste eigene Wohnung. Sie weiß, dass die kein BaföG bekommt und muss deshalb nebenbei jobben.
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