Inzidenz-Wert ist nicht gleich Inzidenz-Wert: Der Kreis nennt Gründe

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Wie ist die Coronalage im Kreis? Zahlen verraten jeden Tag, wohin die Reise hingeht. Doch der Kreis Recklinghausen und das RKI liegen manchmal ganz schön weit auseinander. Eine Erklärung.

Kreis Recklinghausen

, 19.11.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der dritten Woche des sogenannten Lockdowns Light warten alle darauf, dass die Kurve der Coronazahlen nicht nur stagniert, sondern wieder eindeutig fällt. Die 7-Tages-Inzidenz ist die wichtige Zahl, wenn es darum geht, welche Maßnahmen verschärft oder eben wieder auch gelockert werden. Die Grenzwerte 35 und 50 schienen vor wenigen Wochen noch alarmierend. Heute sind sie ein fernes Ziel, das wieder erreicht werden soll.

Unsere Redaktion meldet jeden Tag die neuesten Werte. Und stößt dabei auf ein Problem: Uns werden nämlich täglich zwei unterschiedliche Inzidenzwerte gemeldet. Der Kreis Recklinghausen meldet „seine“ aktuellen Zahlen mit dem Stand 6 Uhr morgens. Das Landeszentrum Gesundheit NRW (LZG) und das RKI verwenden den Stand 0 Uhr. Die wenigen Stunden Unterschied allerdings erklären nicht die teilweise große Diskrepanz.

LZG meldet zum Wochenbeginn Inzidenz von 148, Kreis von 199

Ein Beispiel: Für Montag (16.11.), 0 Uhr, meldete das LZG für den Kreis Recklinghausen eine Inzidenz von 148. Und damit ein Minus von 40,2 zum Vortag. Wer auf einen Trend gehofft hatte, wurde beim Blick auf die Zahlen des Kreises Recklinghausen enttäuscht. Hier steht der Wert für Montag bei 199.

Wie kommt es zu der Differenz? Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister erläutert, dass es grundsätzlich um zwei Datenbanken geht. Die eine wird vom Kreis Recklinghausen mit allem gefüttert, was für das operative Geschäft notwendig ist. Also mit allen Daten, um bei einem neuen Coronafall die Kontaktpersonen herauszufinden, zu erfassen, zusammenhängende Fälle zu erkennen und daraufhin zu handeln.

Das RKI und das Landeszentrum für Gesundheit NRW arbeiten mit einer anderen Datenbank. Hier werden nur die positiven Fälle erfasst. Dafür müssen die Mitarbeiter des Kreises für jeden Fall eine eigene, personenbezogene Datei anlegen, die Daten werden dann anonymisiert weitergeleitet.

Zwei Datenbanken werden jeweils händisch gefüttert

Beide Datenbanken werden händisch mit Daten versorgt. Das kostet Zeit. Wenn wie am Wochenende nicht alle Mitarbeiter des Gesundheitsamts an Bord sind, kann das noch länger dauern. Und, so sagt es Svenja Küchmeister, die Daten für das operative Geschäft machen den Arbeitswert aus.

Deshalb sind die Zahlen, die der Kreis veröffentlicht, aktueller. Sie sind außerdem detaillierter, weil auch die Zahlen für die einzelnen Städte aufgelistet werden. Sie sind also auch für unsere Berichterstattung die erste Quelle, mit der wir die Lage im Kreis bewerten.

Für Donnerstag (19.11.) meldet das LZG eine Inzidenz von 179,4, der Kreis von 202,4. Eine Differenz besteht auch bei der absoluten Zahl der Corona-Infizierten. Hier geht das LZG von 8174 gemeldeten Fällen aus, der Kreis hat bereits 8466 Fälle registriert.

Werte des Landeszentrums sind entscheidend für Lockerungen

Auch wenn die Werte des LZG älter sind, können wir sie aber nicht außer Acht lassen. Denn der LZG-Wert ist rechtlich entscheidend, wenn es um die Frage geht, ob Maßnahmen wieder gelockert werden können.

Um nicht mehr als Risikogebiet zu gelten, muss der Kreis Recklinghausen auf der Seite des Landeszentrums Gesundheit sieben Tage lang einen Inzidenzwert von unter 50 aufweisen. Sollten wir uns also wieder auf diese Schwelle zubewegen, könnte es durchaus passieren, dass Maßnahmen wieder gelockert werden, obwohl der Kreis noch Zahlen von über 50 meldet – oder umgekehrt.

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