Was bleibt von Corona? Castrop-Rauxeler stellen positive und negative Prognosen

dzCorona-Umfrage

Viele Unternehmen liegen am Boden, Menschen sind gestorben. Wir wollten in unserer Corona-Umfrage wissen: Gibt es auch positive Dinge, die nach der Krise bleiben? Und was sind die negativen?

Castrop-Rauxel

, 10.07.2020, 17:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Corona-Krise hat von jetzt auf gleich das Leben vieler Menschen drastisch verändert. Auf einmal mussten die Castrop-Rauxeler ihre sozialen Kontakte einschränken oder einstellen. Geschäfte mussten schließen, mit erheblichen finanziellen Folgen für die Besitzer. Gleichzeitig entstanden Unterstützungs-Netzwerke und Pflegern und Kassieren wurde Respekt ausgesprochen. Aber was davon wird nach der Corona-Krise bleiben?

Bei einer anderen Antwort unserer Corona-Umfrage hatte ein Teilnehmer bezweifelt, ob es überhaupt „ein Nach-Corona“ geben wird. Das ist eine Ansicht, die auch einige Virologen und Politiker teilen. In der Öffentlichkeit wird dann häufig von einer „neuen Normalität“ gesprochen, die sich einstellen wird – in einem Alltag mit Corona.

Castrop-Rauxeler zweifeln positive Effekte an

Wir möchten jedoch zuversichtlich in die Zukunft blicken und gehen davon aus, dass die Krise irgendwann zu Ende geht. Wir haben die Castrop-Rauxeler um ihre Einschätzung gebeten: Welche positiven Dinge werden nach der Corona-Krise bleiben? Und welche negativen?

Jetzt lesen

Ob sich überhaupt positive Aspekte aus der Krise ziehen lassen, zweifeln viele Castrop-Rauxeler an. Die meisten Teilnehmer sagten, es werde nichts Positives bleiben. „Der Mensch lernt nicht dazu“, heißt es etwa in den Kommentaren. „Ich habe während der Krise keinerlei positive gesellschaftliche Veränderungen festgestellt, sogar eher das Gegenteil“, schreibt ein(e) Umfrage-Teilnehmer(in) und ein(e) andere(r): „Corona hat unser Leben völlig aus der Bahn geworfen, da gibt es nichts Positives.“

Schwerwiegende wirtschaftliche Folgen werden erwartet

Der Großteil der Teilnehmer glaubt, dass sich vor allem die wirtschaftlichen Folgen der Krise negativ bemerkbar machen werden, etwa dass die Arbeitslosigkeit steigen werde, die Menschen weniger Geld zur Verfügung haben und das auch für den Bund und die Kommunen gilt, die sich verschulden müssen.

Häufiger war außerdem zu lesen, dass Gastronomien und kleinere Geschäfte die Krise nicht überstehen werden. Ein Leser schrieb dazu: „Was bleiben wird, sind die Pleiten und das dumme Gefühl, dass den Großen (etwa Automobilindustrie und Flugunternehmen) zu viel und den Kleinen zu wenig geholfen wurde.“

Viele glauben auch, dass eine generelle Angst zurückbleiben werde. Vor allem vor einer zweiten Welle und vor Ansteckungen, was sich dann auch in Vorurteilen gegenüber anderen ausdrücken werde und negative Folge für das Zusammenleben haben werde. „Der Generalverdacht, dass das Gegenüber krank sein könnte, könnte zu große Vorsicht und Zurückhaltung im gesellschaftlichen Zusammenleben zur Folge haben“, schreibt ein(e) Umfrage-Teilnehmer(in).

Bildungsrückstand wird befürchtet

Der Egoismus und die Spaltung in der Gesellschaft würden bleiben und der Applaus für systemrelevante und andere wichtige Berufe schon bald in Vergessenheit geraten, befürchten andere Umfrage-Teilnehmer. Soziale Ungleichheit werde sich verschärfen. „Die entstanden Rückstände in der schulischen Bildung sind meiner Meinung nach nicht mehr so schnell wieder aufzuholen“, glaubt ein(e) Leser(in).

Jetzt lesen

Die befragten Castrop-Rauxeler denken zudem, dass sich wohl auch Verschwörungstheorien halten werden, die uns vereinzelt auch bei unserer Auswertung begegnet sind.

Aber die Castrop-Rauxeler malen längst nicht alles schwarz. Auch wenn die häufigste Antwort war, es werde nichts Gutes zurückbleiben, glauben viele, dass die Krise dem gesellschaftlichen Zusammenhalt gut getan, Hilfsbereitschaft gefördert habe und Mitgefühl und ein größeres Bewusstsein für Hygiene geschaffen habe. Das bewerteten viele als positiv. Es werde sich in Zukunft zeigen.

Castrop-Rauxeler wollen nicht alles als selbstverständlich ansehen

Die Corona-Krise habe vielen Menschen auch aufgezeigt, dass Freiheiten nicht selbstverständlich sind, schreiben uns einige. Sie wollten mehr wertschätzen, was sie haben, bewusster leben, auf eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit achten und generell demütiger sein.

Damit einher geht auch, dass einige Castrop-Rauxeler auch in Zukunft mehr Zeit für sich nehmen wollen. Viele hoffen auf eine gewisse Entschleunigung. „Ich habe das Bewusstsein gewonnen, mir mehr Ruhe zu gönnen und nicht auf jeder Party zu tanzen“, schreibt ein(e) Leser(in).

Krise sorgt für Digitalisierungs-Fortschritt

Einige Umfrage-Teilnehmer glauben, dass durch die Krise ein Sprung in der Digitalisierung gemacht wurde und sich diese Entwicklung fortsetzen werde. „Die Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten werden größer werden. In der Digitalisierung und der Einstellung dazu werden große Fortschritte gemacht – gerade auch im Bereich der Schulbildung“, glaubt ein(e) Leser(in).

Andere wünschen sich mehr Anerkennung für systemrelevante Berufe wie etwa Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und im Lebensmittelhandel. „Für wahrscheinlich halte ich das allerdings nicht“, schreibt ein(e) Castrop-Rauxeler(in). „Ich befürchte, dass man schnell zum alten Trott zurückkehren wird.“

Die große Corona-Umfrage

In unserer Umfrage, die am 15. Juni mit einem Umfrage-Formular in unserem Internetportal begann und über eine Woche frei verfügbar für alle lief, nahmen 347 Personen teil, die angaben, aus Castrop-Rauxel zu kommen. Die Ergebnisse werteten wir in einer siebenteiligen Serie aus und beleuchteten sie nach unterschiedlichen Themenbereichen. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ.
Lesen Sie jetzt

Wir haben die Castrop-Rauxeler gefragt, wie ihr Leben mit dem Coronavirus ist. 347 Menschen haben geantwortet. Hier und im Laufe der Woche analysieren wir die Ergebnisse unserer Umfrage.

Lesen Sie jetzt