Eine Frau wird mit dem Impfstoff von Astra Zeneca geimpft (Symbolbild). © K_V
Coronavirus

Corona-Panne im Impfzentrum: Plötzlich gibt es geimpfte Lehrer aus Herten

Wegen einer Panne im Impfzentrum sind zahlreiche Lehrer und Erzieher früher geimpft worden als vorgesehen. Manche sehen sich jetzt dem Vorwurf ausgesetzt, sie hätten sich unerlaubt vorgedrängelt.

Zahlreiche Lehrer und Erzieher aus dem Kreis Recklinghausen sind schon am Donnerstag (18.2.) im Recklinghäuser Impfzentrum geimpft worden – deutlich früher als vorgesehen. Laut bisher geltender Prioritätenliste wären sie eher im April an der Reihe gewesen. Auch nach den aktuellen Diskussionen um eine neue Priorisierung von Dienstag (23.2.) wären sie zwar früher, aber auch jetzt noch nicht dran.

Bei vielen von ihnen ist die erst verspürte Freude getrübt. Insbesondere Lehrer von weiterführenden Schülern sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, sie hätten sich widerrechtlich vorgedrängelt. Ursache des Missverständnisses ist aber offenkundig eine Kommunikationspanne im Impfzentrum.

Wie am Samstag bekannt wurde, war wegen einer Unstimmigkeit bei den Bestellungen am Donnerstagmorgen eine unerwartete Lieferung mit etwa 500 Impfdosen von AstraZeneca eingetroffen. Weil dafür keine Impftermine vereinbart waren, suchte man in kürzester Zeit Menschen, die sofort verfügbar und impfberechtigt sind.

Letzteres sind aktuell nur Personen der Priorität 1: Über-80-Jährige, Heimbewohner, Pflegekräfte sowie medizinisches Personal mit hohem Risiko. Doch wie mittlerweile erwiesen ist, rief das Impfzentrum damals nicht nur Arztpraxen an, sondern auch Kitas und Schulen aus Herten. Deren Beschäftigte gehören bisher zur Priorität 3.

Die Lehrer sollten so schnell wie möglich kommen

Nach einiger Zeit fiel der Fehler offenbar auf. Das Impfzentrum versuchte, den Vorgang zu stoppen. Doch das gelang nicht in jedem Fall. Die Direktorin des Städtischen Gymnasiums Herten, Bärbel Schweers, erhielt am Donnerstag um 9.10 Uhr einen Anruf des Impfzentrums. „Es hieß, die Lehrer sollten so schnell wie möglich kommen, spätestens bis 13.30 Uhr“, sagt sie auf Anfrage.

„Ich habe sofort zwei Stunden lang das gesamte Kollegium angerufen – die Über-60-Jährigen zuerst“, erzählt die Schulleiterin. Mehrere Lehrer brachen sofort ihren laufenden Online-Unterricht ab und machten sich auf den Weg.

Dass das Impfzentrum irgendwann erneut angerufen hatte, um alles abzublasen, erfuhr die Schulleiterin erst später, als sie den Anrufbeantworter abhörte. Da war schon das halbe Kollegium – etwa 40 Lehrer – geimpft.

Unterdessen bildete sich am Impfzentrum eine Schlange, in der Lehrer und Erzieher von mehreren Kitas und Schulen standen. Bärbel Schweers: „Ich selbst war erst um 12 Uhr da und bin abgewiesen worden.“ Da die geimpften Lehrer sich keiner Schuld bewusst waren, berichteten sie in ihrem Umfeld von ihrer Impfung.

In der Hertener Schullandschaft brodelte schnell die Gerüchteküche. In WhatsApp- Gruppen von Lehrerkollegien kam Unverständnis zur Sprache. Tenor: Wieso werden Gymnasiallehrer geimpft, die vielfach im Home Office unterrichten, und nicht zuerst Erzieher und Grundschullehrer, die täglich Kontakt zu Kindern haben?

Einer Lehrerin Eier an die Haustür geworfen

Durch eine Auskunft der Kreisverwaltung wurde der Unmut weiter geschürt: Auf Nachfrage der „Hertener Allgemeinen“ bestritt der Kreis am Freitag (19.2.), dass Schulen überhaupt angerufen wurden. Falls Lehrer geimpft worden seien, hätten sie unberechtigt in der Schlange gestanden, hieß es.

Auf erneute Nachfrage des Medienhauses Bauer am Montag (22.2.) hielt der Kreis diese Darstellung nicht aufrecht. Die Untersuchung, wie die Kommunikation tatsächlich am Donnerstag vonstatten gegangen ist, dauerte am Abend noch an. Man wolle sich am Dienstag (23.2.) äußern.

In einigen Fällen kommt das zu spät. Bärbel Schweers sagt: „Manche Kollegen sind richtig bedrängt worden. Einer Kollegin wurden Eier an die Haustür geworfen.“

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Leiter Lokalredaktion Herten

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