Es gibt eine Corona-Maskenregel, die so gut wie keiner kennt

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Diverse Corona-Regelungen bestimmen seit Monaten unser Leben. Aber eine zwei Wochen alte Maskenpflicht kennt in Castrop-Rauxel noch kaum jemand. Das war am Wochenende zu beobachten.

Castrop-Rauxel

, 16.11.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

An viele Regeln, die die Verbreitung des Coronavirus unterbinden sollen, haben wir uns als Gesellschaft gewöhnt: Maskenpflicht in Bus und Bahn oder beim Einkauf sind absolute Standards. Man sieht auch nur wenige Abweichler. Aber eine Maskenregel scheint schlecht kommuniziert oder nur schwer zu begreifen zu sein. Das zeigte sich am Wochenende in Castrop-Rauxel.

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Sonntag, 14.30 Uhr: Noch strahlt die Sonne ein wenig durch die heranziehenden Wolken. Im Grutholz in Deininghausen nutzen viele Menschen das ungewöhnliche milde und freundliche Novemberwetter für einen Ausflug mit der Familie. Das Ziel ist beliebt: Der Wald, die schönen Spazier- und Wanderwege, das Wildgehege mit den Pfauen, den Hirschen und dem Damwild, ein Bolzplatz und einer der schönsten Spielplätze Castrop-Rauxels locken vor allem Eltern mit kleineren Kindern.

Die Spazierwege im Grutholz waren gut gefüllt am Sonntag. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes wiesen die Menschen auf die Abstandsregeln und die Maskenpflicht auf dem Spielplatz hin. Sie halt allerdings nicht hinterm Zaun.

Die Spazierwege im Grutholz waren gut gefüllt am Sonntag. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes wiesen die Menschen auf die Abstandsregeln und die Maskenpflicht auf dem Spielplatz hin. Sie galt allerdings nicht hinterm Zaun. © Tobias Weckenbrock

Doch dass hier auf dem weitläufigen Spielplatz mit dem feinen Buddelsand, dem Super-Klettergerüst, der Wippe und den Schaukeln eine Maskenpflicht gilt, das weiß kaum jemand. Beim Betreten des Spielplatzes fällt uns auf: Etwa 60 Menschen tummeln sich hier, nur 5 tragen eine Maske. Das soll sich wenig später ändern, aber als wir die Maske aufsetzen, fühlen wir uns ein wenig wie Außerirdische.

Die Kinder spielen ohne Masken, viele von ihnen sind auch noch im Kindergartenalter und kennen das Maskentragen womöglich nicht. Aber auf den Bänken rundherum oder beim Mitspielen haben auch die meisten der Eltern keinen Mund-Nase-Schutz auf dem Gesicht. Vergessen? Bewusst missachtet? Nicht gewusst?

An den zwei Zugängen zum Spielplatz stehen die üblichen Spielplatz-Regeln angeschlagen. Auch ein Hinweis auf den Mindestabstand ist zu sehen. Aber von einer Maskenpflicht steht hier nichts. Die steht aber in der gültigen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW vom 30. Oktober (§ 3). Sie ist über zwei Wochen alt.

Vier KOD-Mitarbeiter machen die Runde

Gegen 15 Uhr kommen vier Mitarbeiter des Ordnungsamtes im silbernen Transporter vorgefahren, der ein wenig an ein Polizeiauto erinnert. Sie halten am Kindergarten und gehen Richtung Spielplatz. Einer hält Kabelbinder im Arm und trägt ein paar Plakate, die anderen gehen neben ihm.

Als sie den Spielplatz erreichen, montieren zwei von ihnen an den Zugängen mehrere Poster. Viele Spielplatzbesucher zücken flott Masken aus den Taschen und setzen sie auf. „Schützen Sie sich und ihre Mitmenschen vor dem Corona-Virus“ steht da in weißen Buchstaben. Und in schwarzen darunter wir auf die „ausgeweitete Maskenpflicht“ hingewiesen. „Halten Sie Abstand“ und „Meiden Sie unnötige soziale Kontakte“ sind die weiteren Hinweise.

Sonntag hängten die vier Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes solche Plakate an den Zaun des Spielplatzes im Grutholz. Vorher schien die Maskenpflicht bei weitem nicht jedem bekannt zu sein.

Sonntag hängten die vier Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes solche Plakate an den Zaun des Spielplatzes im Grutholz. Vorher schien die Maskenpflicht bei weitem nicht jedem bekannt zu sein. © Tobias Weckenbrock

Die anderen beiden Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD), ein Mann und eine Frau, machen in der Zeit die Runde über den Spielplatz. Ganz ruhig machen sie auf die Maskenpflicht aufmerksam, Ordnungsgelder kassieren sie nicht. Man merkt aber: In kurzer Zeit leert sich der Spielplatz um etwa die Hälfte der Besucher. Einige Eltern bleiben hinterm Zaun am Wegesrand stehen und schauen ihren größeren Kindern von dort aus beim Spielen zu.

„Ich habe das gar nicht gewusst“

Nach fünf Minuten zieht das KOD-Quartett weiter in Richtung Wildgehege, kehrt dort um und zurück zum Auto. Auf dem Spielplatz tragen nun alle Erwachsenen Maske. Einer nuschelt in seine Alltagsmaske: „Warum soll ich jetzt auch noch draußen den Maulkorb tragen? Schwachsinn!“, behält die Maske aber auf. Ein anderer Vater erzählt, er habe das gar nicht gewusst, bis er vergangenes Wochenende vom KOD darauf hingewiesen wurde. Seine Frau habe eine Maske zum Spielplatz nachgebracht.

16 Uhr: Anders als vor 90 Minuten wirken die Erwachsenen ohne Masken hier wie Außerirdische. Aber die Zahl der „Außerirdischen“ nimmt zu: Die ersten Masken hängen wieder am Kinn, der Ordnungsdienst ist längst anderswo...

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