Corona-Krise legt Stage Kinetik lahm: Kaum Aufträge - außer Heidi Klum

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Mit Corona kam die Absage fast aller Veranstaltungen. Die Veranstaltungsbranche ist zur Untätigkeit verdammt. Zur „Night of Light“ will Event-Firma Stage Kinetik aus Castrop-Rauxel ein Zeichen setzen.

Castrop-Rauxel

, 22.06.2020, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Veranstaltungstechniker Stage Kinetik am Deininghauser Weg 105, weltweit bekannten Adresse für spezielle Präsentationsbühnen, fiebert man der „Night of Light“ entgegen. In der Nacht von Montag auf Dienstag (23.6.) soll das Firmengelände in rotem Licht erstrahlen.

In ganz Deutschland sollen über 6000 Firmen und Gebäude illuminiert werden. Darunter das Dortmunder U, die Westfalenhallen, die Zeche Bochum und die Zeche Ewald in Recklinghausen und die Europahalle in Castrop-Rauxel.

Das rote Licht sei „ein flammender Appell und Hilferuf an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft“, heißt es auf der Veranstalter-Homepage: „Sie (...) steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Branchen.“ Ein Dialog mit der Politik wird gefordert.

„Kredite allein reichen nicht“

Doch wie könnte der aussehen? „Ich glaube, man muss Perspektiven schaffen“, sagt Stage-Kinetik-Geschäftsführer Jens Buller. „Die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent für die breite Masse ein guter Anfang, aber für uns als Firma ist dies mit weiterem Aufwand verbunden, wie beispielsweise die Umstellung unserer Software. Auch Kredite reichen nicht.“

Man müsse sich vor Augen halten, dass die Branche unverschuldet in die Krise geraten sei und Kredite zurück gezahlt werden müssten. „Jede Firma sieht anders aus, da muss man einen gemeinsamen Nenner finden“, sagt Buller.

Bei Stage Kinetik sind 41 fest angestellte Mitarbeiter tätig. Fast alle befinden sich in Kurzarbeit. Es gab 25.000 Euro aus der NRW-Soforthilfe. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Buller. Fuhrpark, Halle, Equipment – alles kostet weiterhin.

Geschäftsführer Jens Buller (links) auf einer vergleichsweise kleinen Bühne von Stage Kinetik. In Bilbao präsentierte die Castrop-Rauxeler Firma noch im Februar Trucks auf einer 25 Meter großen Drehbühne. Erst in der kommenden Woche kann die restliche Ausrüstung aus Spanien zurück geholt werden.

Geschäftsführer Jens Buller (links) auf einer vergleichsweise kleinen Bühne von Stage Kinetik. In Bilbao präsentierte die Castrop-Rauxeler Firma noch im Februar Trucks auf einer 25 Meter großen Drehbühne. Erst in der kommenden Woche kann die restliche Ausrüstung aus Spanien zurück geholt werden. © RN-Archiv

Nach der Absage aller Veranstaltungen im März waren die zuvor vollen Auftragsbücher leer. „Seitdem ist die Lage nahezu unverändert“, erklärt Buller, „der Umsatz ist um 70 Prozent zurückgegangen.“

Der Eurovision Song Contest in Rotterdam, die Goldene Kamera in Berlin: abgesagt, verschoben. Für beide Events war die Firma gebucht. „Unsere dafür getätigten Investitionen bekommen wir nicht zurück“, sagt Buller. Das Finale von „Germany’s Next Top Model“ in Berlin, das unter strengen Hygieneauflagen über die Bühne ging, brachte immerhin Geld in die Kasse.

Ausrüstung steht noch in Spanien

Auch andere Aufträge brachen weg. Porsche, Mercedes, BMW und Volkswagen zählen zu den Kunden, wenn sie Autos vorstellen. Ein Auftrag im spanischen Bilbao ist noch nicht abgeschlossen. Dort hatte MAN im Februar Trucks präsentiert. „Unser Material können wir erst in der nächsten Woche zurückholen“, so Buller.

Jede Menge Ausrüstung steht momentan untätig herum und stapelt sich bis unter die Decke der Halle. Auch die Kosten für den Fuhrpark von Stage Kinetik laufen weiter. Das Foto entstand 2016, als Stage Kinetik für den Vestischen Unternehmerpreis vorgeschlagen wurde.

Jede Menge Ausrüstung steht momentan untätig herum und stapelt sich bis unter die Decke der Halle. Auch die Kosten für den Fuhrpark von Stage Kinetik laufen weiter. Das Foto entstand 2016, als Stage Kinetik für den Vestischen Unternehmerpreis vorgeschlagen wurde. © Schlehenkamp (Archiv)

Seine Firma habe vor Corona gut gewirtschaftet, daher ist Buller zuversichtlich, dass Stage Kinetik überlebt. „Aber die Veranstaltungswirtschaft ist die erste, die wegen Corona dicht machen musste und wird die letze sein, die wieder öffnen darf.“

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