Youssef Anan und Susanne Köhler von der Stadtverwaltung kümmern sich um Menschen wie den Obdachlosen Kai-Uwe (M.) in der städtischen Unterkunft an der Harkortstraße. Sie tragen Masken. Aber was tun die Geflüchteten? Wie informiert man die über Corona? © Tobias Weckenbrock
Coronavirus

Corona-Infos für Geflüchtete: Stadt bekommt Fördergeld für neue App

Es gibt 327 Menschen, die als Geflüchtete oder Wohnungslose unter städtischem Obdach leben. Wie schützen sie sich vor Corona? Und wie kommen die Informationen und geltenden Vorschriften zu ihnen?

Man stelle sich folgende Situation vor: Man ist gerade eben geflüchtet aus seinem Heimatland, weil man dort aus politischen Gründen verfolgt wird. Man kommt in einem neuen Land an, dessen Sprache man nicht spricht. Dort ist nicht nur Schnee-Chaos, sondern es gelten auch noch ganz andere Corona-Regeln als in der Heimat. Wie soll man da durchblicken, wie man sich nun zu verhalten hat?

Das Internet gibt auch hier eine Antwort: Der Integrationsbeauftrage der Bundesregierung gibt auf der Homepage stets aktualisierte Hilfestellung in 20 Sprachen. Aber nutzen die Menschen dieses Angebot? Finden sie es? Lesen Sie Zeitung? Hören Sie Radio? Folgen sie Bürgermeister Kravanja auf Facebook?

21 Mitarbeiter aus neun Nationen

Die Stadtverwaltung selbst nutzt im Bereich Migration und Obdachlosenhilfe ihre Möglichkeiten: Ihre 21 Mitarbeiter kommen aus neun Nationen, beherrschen also viele der Sprachen der Menschen, mit denen sie zu tun haben. So informieren die Hausmeister in den städtischen Unterkünften nach Angaben von Leiterin Susanne Köhler die Bewohner meist persönlich.

Dazu gibt es Poster und Aushänge in den Unterkünften zur Maskenpflicht oder den AHA+L-Regeln. Dennoch: „Für viele Migranten ist es schwierig, umfangreiche Informationen zu erhalten“, sagt Susanne Köhler. Noch problematischer sei es, wenn es darum gehe, welche speziellen Hilfsangebote es im Rahmen der Corona-Pandemie in Castrop-Rauxel gibt. Denn die Maßnahmen der verschiedenen Träger wie Sprachkurse in der Volkshochschule oder beim Kolping-Bildungszentrum in der Agora finden derzeit auch nicht statt. Dort lief sonst auch viel an informellem Netzwerken, Informationen wurden unbürokratisch weitergegeben.

Fördermittel für neue App erhalten

Darum freute sich Susanne Köhler mit ihrem Team jüngst über eine gute Nachricht: „Wir haben kurzfristig noch Fördermittel erhalten und wollen mit dem Projekt ‚Miteinander trotz Distanz‘ an einer Verbesserung arbeiten“, sagt sie. Man bastelt derzeit an einer mehrsprachigen App für neu Zugewanderte mit reichlich lokalen Informationen. Wann die an den Start gehen kann, ist noch unklar.

Kai-Uwe (57), seit 30 Jahren wohnungslos und jetzt untergebracht in der Unterkunft an der Harkortstraße, sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich gehe gar nicht mehr raus. Ich habe die Schränke voll mit Konserven, ich komme damit ein paar Monate aus.“ Angst vor Corona habe er nicht. „Wenn wir das Virus kriegen, dann haben wir es halt. Trotzdem wundere ich mich, dass manche immer noch ohne Maske mit dem Bus fahren.“

Wenn er eine Impfung bekommen könnte, sagt der Alkoholiker, dessen OP-Maske reichlich gebraucht aussieht, „dann würde ich die sofort nehmen.“ Er ist unter 60 Jahre. Das wird noch dauern.

Serie: Das Leben der Wohnungslosen

Dieser Bericht über das Coronavirus und die Kommunikation ist der letzte Teil einer sechsteiligen Serie zum Thema Obdachlosigkeit und Migration in Castrop-Rauxel. Dazu gehören auch folgende Geschichten über

  • Kai-Uwe und die Randale in der Wohnung des Boxers (Teil 1)
  • eine spezielle Dreier-Männer-WG in Obercastrop auf der Suche nach einem neuen Domizil (Teil 2),
  • Susanne Köhler, den Engel der Obdachlosen (Teil 3),
  • den Ex-Opelaner Youssef Anan als das „Mädchen für alles“ der Obdachlosen (Teil 4)
  • Zahlen und Fakten zur Obdachlosenhilfe (Teil 5)
  • und wie sich die Coronakrise in dieser Sphäre auswirkt (Teil 6).
Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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