Dr. Andrea Nanni Hunn aus Dorstfeld bereitet mit ihrem Praxisteam die Impfungen im St. Antonius Altenheim vor. Man muss sehr vorsichtig mit dem Impfstoff umgehen. © Freddy Schneider
Coronavirus

Corona-Impfstoff geht aus: Termine in Castrop-Rauxel werden verschoben

In Castrop-Rauxel wird der Impfstoff knapp. Geplante Impf-Termine in den Krankenhäusern und Pflegeheimen müssen verschoben werden. Betroffene Mediziner und Kliniken wurden davon überrascht.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer geht aktuell zur Neige.
  • Dadurch müssen im Kreis Recklinghausen Impftermine verschoben werden.
  • Pflegeheime sollen vorerst nur noch Zweitimpfungen vornehmen.
  • Kliniken müssen weiter warten. EvK Herne erfuhr erst viereinhalb Stunden vor Impftermin von der Absage.
  • Terminvergabe für Über-80-Jährige startet wie geplant am 25.1.
  • Auch Impfärzte wurden von der Nachricht überrascht. Sie müssen feste Termine nun absagen.

Unsere Recherchen im Fortlauf des 20.1.2021:

Aktualisierung um 13.30 Uhr: Wo stehen wir eigentlich bei den Impfungen? Drei Grafiken unserer Redaktion zeigen unter anderem, dass es schon seit einigen Tagen Anzeichen für ein Problem mit der Impfstoffversorgung gab. Das Impftempo hat jedenfalls deutlich abgenommen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung wurden gestern nur 64 Personen im Kreis Recklinghausen geimpft. An anderen Tagen waren es zuletzt bis zu 1000 Personen.Aktualisierung um 13.25 Uhr: Auch die Katholische St.-Lukas-Gesellschaft zeigt sich empört. Geschäftsführer Clemens Galuschka sagt auf Anfrage unserer Redaktion: „Von der Stornierung der Impfstoff-Lieferung an unsere Kliniken sind wir ohne Vorankündigung überrascht worden. Die Entscheidung ist nicht begründet worden und für uns in keiner Weise nachvollziehbar. Wir sind sehr enttäuscht und fühlen uns im Stich gelassen.

Während an anderer Stelle umfangreich geimpft worden sei, „bleiben unsere Ärzte und Pflegenden, die an der Front Corona-Patienten versorgen, bis auf weiteres ohne Impfschutz. Das ist eine sehr unbefriedigende Situation für alle, die sich Tag für Tag in der Behandlung von infizierten Patienten engagieren und sich dabei selbst einer Ansteckungsgefahr aussetzen.“

Die Lukas-Gesellschaft betreibt das Rochus-Hospital in Castrop, das Krankenhaus Dortmund-West in Kirchlinde und das St.-Josefs-Hospital in Dortmund-Hörde. Aktualisierung um 13.15 Uhr: Tief enttäuscht ist die Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne und Castrop-Rauxel von der kurzfristigen Absage. Erst am Mittwoch um 8.20 Uhr erreichte Impfkoordinator Dr. Uwe Werfel die Nachricht des NRW-Gesundheitsministeriums, dass kein Impfstoff kommt. Um 13 Uhr sollte die erste Impfaktion in Herne starten. Alle betroffenen Mitarbeiter waren darauf vorbereitet. Für Freitag (22.1.) war alles für Castrop-Rauxel geplant. „Diese Form des Umgangs empfinden wir als respektlos gegenüber den Menschen, die direkt am Patienten arbeiten“, sagt er in einer ersten Stellungnahme, die uns auf Anfrage gerade erreicht. Die Hauptkritik bezieht sich auf die Informationspolitik des Gesundheitsministeriums.Aktualisierung um 12.48 Uhr: Kurzer Blick in die Nachbarschaft zu einer weiteren Impf-Ärztin: Dr. Nanni Hunn aus Huckarde äußert sich uns gegenüber verärgert über die Pause. Sie hatte in der vergangenen Woche die ersten Heimbewohner im Altenzentrum St. Antonius geimpft. „Für meine Patienten bedeutet das eine längere Wartezeit auf den langersehnten Impfstoff“, sagt Hunn. Sie hoffe, dass die Verzögerung der Impfung nicht zur Folge hat, dass der Lockdown erneut verlängert werden muss. „Das wäre für viele Menschen sehr schlimm“, sagt Hunn. Aktualisierung um 12.38 Uhr: Im Awo-Seniorenzentrum an der Bahnhofstraße (Wilhelm Kauermann) sollte eigentlich nächste Woche wieder geimpft: Dr. Anton Preissig, Hausarzt und Palliativ-Experte aus Herne, der dort an Silvester die ersten rund 100 Menschen impfte, wollte noch nicht geimpfte Bewohner und Mitarbeiter impfen sowie die seit Silvester eingezogenen Menschen. Dafür habe er bereits eine feste Zusage mit offiziellem Lieferdatum für den Impfstoff bekommen, sagt er gerade auf Anfrage unserer Redaktion. „Die werden jetzt natürlich auch auf unbestimmte verschoben“, so Preissig. Er selbst habe im Vorfeld keine Meldung darüber erhalten, sondern von der akuten Impfstoffknappheit erst heute aus den Medien erfahren. Aktualisierung um 12.30 Uhr: Die Krankenhäuser in Castrop-Rauxel haben soeben auf Anfrage unserer Redaktion schriftliche Stellungnahmen angekündigt. Die liefern wir im Laufe des Tages hier.Aktualisierung um 12.29 Uhr: Die Verwaltung des Kreises Recklinghausen erhielt schon am Dienstagabend, als viele noch auf die Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz schielten, die Informationen vom Land NRW. Man habe in einem Schreiben am späten Abend mitgeteilt bekommen, dass die Kommunen in NRW und damit auch der Kreis Recklinghausen keinen Impfstoff mehr für die vor wenigen Tagen angelaufenen Impfungen in Krankenhäusern bekämen, so Sprecherin Lena Heimers. Demnach finden noch vereinzelt Erstimpfungen in Alten- und Pflegeeinrichtungen bis zum morgigen Donnerstag statt. „Alle Impfstoffbestellungen ab dem 22. Januar werden aufgrund von Impfstoffmangel seitens des Landes storniert“, so Heimers. Bis zum 31. Januar seien dann nur noch Zweitimpfungen in Einrichtungen möglich. Diese seien aber sichergestellt, so die Information aus dem NRW-Ministerium. Voraussichtlich ab dem 1. Februar könnten wieder Erstimpfungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen stattfinden, meldet der Kreis Recklinghausen aus dem Schreiben.Aktualisierung um 12.27 Uhr:

Landrat Bodo Klimpel äußert sein Bedauern über die Lage. In einem ersten Statement sagt er soeben: „Bislang liefen die Planungen und auch die Impfungen im Kreisgebiet reibungslos. Umso enttäuschender, dass schon vereinbarte Termine nicht stattfinden werden. Die Wut und auch die Enttäuschung in den Krankenhäusern und Einrichtungen ist groß und auch wir sind unglücklich über diese Entwicklung. Leider war es aber auch für das Land nicht abzusehen, dass nun rund 100.000 Dosen weniger als vom Hersteller angekündigt Nordrhein-Westfalen erreichen.“

Aktualisierung um 12.25 Uhr: Die Terminvergabe für die Über-80-Jährigen soll nach Auskunft des Landes NRW wie geplant am 25. Januar starten. Sie wird von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) koordiniert, heißt es. Die Schreiben an die Bürger mit weiteren Informationen zur Terminvereinbarung und zu den Abläufen im Impfzentrum sind unterwegs und sollten die und Bürger in den nächsten Tagen erreichen.Aktualisierung um 12.22 Uhr: Jetzt schickt der Kreis Recklinghausen eine Pressemitteilung. Es heißt unter anderem: Start des Impfzentrums verschoben. Laut Landesregierung sollen dort nun nicht mehr am 1. Februar, sondern erst eine Woche später am 8. Februar die ersten Impfungen stattfinden. Aktualisierung um 12.20 Uhr: Derzeit sind in NRW 350.000 Menschen bereits geimpft worden. Im Kreis Recklinghausen liegt die Zahl der geimpften Personen in Pflegeheimen (Bewohner und Mitarbeiter etwa zur Hälfte) bei 8902 (Quelle: kvwl.de). Das sind etwas mehr als 1,5 Prozent der Bevölkerung des Kreises Recklinghausen. Keiner von ihnen hat allerdings bisher nach Informationen unserer Redaktion die Zweitimpfung erhalten. Sie soll etwa drei Wochen nach der ersten Spritze erfolgen. Die gab es am Silvestertag, also vor etwas weniger als drei Wochen, im Kauermann-Seniorenzentrum der Awo. Aktualisierung um 12.15 Uhr: Die Deutsche Presseagentur meldete am Vormittag, dass das Land NRW einen sofortigen Impfstopp in Krankenhäusern verhängt habe, die mit Biontech-Impfstoff versorgt werden. Grund seien Lieferprobleme, heißt es in einer E-Mail des Gesundheitsministeriums, die der dpa vorliegt. Ein Ministeriumssprecher bestätigte am Mittwoch die Echtheit des Schreibens. Aktualisierung um 12.10 Uhr:

Beim Evangelischen Krankenhaus in Castrop-Rauxel ist man nach unseren Informationen gerade stinksauer. Man hatte alles für die Impfungen in dieser Woche vorbereitet und war heilfroh, besonders gefährdete Mitarbeiter der Covid-19- und Intensivstation versorgen zu können.

Erstmeldung um 11.55 Uhr:

Die Corona-Schutzimpfungen im Kreis Recklinghausen müssen mehr oder weniger gestoppt werden. Nach Informationen unserer Redaktion gibt es zurzeit keinen Impfstoff mehr dafür.

Im Dorstener Krankenhaus gehe es nun frühestens im Februar los, heißt es aus einer der zehn Städte im Kreis. In Altenheimen werden demnach wohl vorerst nur noch die Zweitimpfungen derjenigen vorgenommen, die seit Ende 2020 die erste Impfung erhalten haben. Sonst gehe aktuell nicht mehr viel.

Das Impfzentrum in Recklinghausen, das am 1. Februar eigentlich loslegen sollte, geht wohl erst später in Betrieb.

Wir berichten an dieser Stelle weiter.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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